Orts anzusagen. Das Ungeheuer war ihm mit blutigen Rachen entgegen gesprungen, er hatte die ganze Schreckensscene nur mit einem blick übersehen, und sich dann mit Mühe retten können.
Aber, sagte eine stimme wie die stimme des Herzogs von ***, welche Raserei, den Hund zu ihm zu lassen, dessen wütige Art man kennt, und welcher vermutlich schlecht gefüttert worden sein muss; denn nichts als wütender Hunger konnte ihn reizen, seinen Herrn anzufallen.
Es sind hier freilich viel versehen vorgegangen, antwortete der Kerkermeister, die aber mir nicht zu Schulden kommen dürfen. Ich habe es gewiss allezeit gut mit dem Gefangenen gemeint, und fühlte eine wahre Freude, da ich ihm diesen Morgen schon, auf die Vorbitte der Prinzessin Alix, ein leidlicheres gefängnis anzeigen konnte; da nun noch die eurige dazu kam, wer hätte an seinem Glück zweifeln sollen? Aber der Himmel ist wunderbar in seinen Schickungen, seine Rache muss diesen Menschen ausserordentlich verfolgt haben, und mir wird es immer denkwürdig bleiben, dass er auf dem Wege nach dem schönen Orte, den wir den Turm der Freiheit nennen, sein Leben auf eine so schreckliche Art einbüssen musste, ehe er das erreichen konnte, was seine Augen sahen.
Der Herzog sagte hier etwas, das Ausdruck des Kummers sein sollte, das aber, wie mir es schien, denselben nicht sonderlich bezeichnete. Der Kerkermeister fing indessen an, an den Schlössern zu drehen, sagte nochmahls, dass man mich, von meinem Hunde zerfleischt, auf der Mitte einer Gallerie finden würde, weil sich noch niemand hieher gewagt habe mich in andere Lage zu bringen, auch ermahnte er die Anwesenden, ihre Degen zu ziehen, und den wütenden Hund, so wie er ihnen nach Oefnung der Tür entgegen springen würde, gleich niederzustossen.
Der Elende! wie ganz anders sollte er es finden, als er erwartet hatte! Die Tür ging auf, und ich fiel ihnen lebend in die Augen. Ich leugne nicht, dass mein erster Gedanke war, dem nächsten, den ich erreichen könnte, den blossen Degen aus der Hand zu reissen, und ihn dem meuchelmörderischen Kerkermeister ins Herz zu stossen; doch er war nichts als das elende Werkzeug höllischer Bosheit, und der Abscheu vor seinem unreinen Blut riss mich noch von einer niedrigen Tat zurück. Ich hatte mich erhoben, und stand mit in einander geschlagenen Armen mitten in meinem gefängnis, als sie mit lächerlicher Scheu vor einer Gefahr, welche hier nicht existirte, hereintraten. Ihr Starren, ihr Staunen, ihre verwirrten Reden, als sie mich jetzt gewahr wurden, zu beschreiben, wär ich nicht im stand. Meine Augen waren vornehmlich auf den Herzog gerichtet, weil ich zweifelhaft war, ob er an den entsetzlichen Dingen, die man wider mich geschmiedet hatte, teil gehabt habe. Ich muss gestehen, dass ich zwar eben keine sonderliche Freude mich lebend zu sehen, aber doch auch nichts in seinen Augen entdeckte, das mir das geringste Einverständniss bei jener teuflischen Bosheit hätte andeuten können; er schien die Legende von dem treuen Hunde, der seinen Herrn zerfleischt haben sollte, wirklich geglaubt zu haben.
Ich liess mich nicht auf umständliche Beantwortung seiner verwunderungsvollen fragen ein, führte ihn zu der Tür nach jener mörderischen Gallerie, riss sie auf, sagte ihm mit wenig Worten, was mir begegnet war, warf einen verächtlichen blick auf den Kerkermeister, der in einem Winkel, wie vom Donner gerührt, da stand, liess mir von einem seiner Knechte die leichte Kette losschliessen, die man mir diesen Morgen, da man mich von den übrigen entlastet, noch gelassen hatte, ging dann langsam zur geöfneten Tür heraus, und überliess es den Andern, mir zu folgen.
Graf Adolf, sagte der Herzog, der mich auf der Treppe ereilte, ich hoffe, ihr habt mich nicht im Verdacht eines Anteils an diesen entsetzlichen Dingen! Hätte ich diesen, erwiderte ich, indem ich ein Schwerdt, das ich im Gehen zu mir genommen hatte, über die Hälfte aus der Scheide zog, hätte ich diesen, so solltet ihr jetzt nicht lebendig an meiner Seite gehen.
Der Herzog biss sich auf die Lippen ohne meiner Rede zu beantworten. Wir stiegen zusammen in den an der Treppe wartenden Wagen, und ich erfuhr hier weitläuftig aus dem mund meines Gefärten, dass Briefe von unsern Obern ihm Befehl gebracht hätten, meine Befreiung auf das schnellste und dringendste zu suchen. – (Das wusste ich zuvor, dass ich ihm hiebei unmittelbar nichts zu danken hatte.)
Bei meinen Verfolgern hatte er, wie er mich im Fortfahren berichtete, meine Freiheit sehr leicht erhalten. Der Kerkermeister war gerufen worden, man hatte gesagt, er warte bereits im Vorzimmer und habe entsetzliche Dinge zu melden. – Hier die so greuliche als unwahrscheinliche Legende, dass mich mein Hund erwürgt habe, welche ja die geringste Untersuchung, welche ja die Beschaffenheit meiner Wunden hätte widerlegen müssen, wenn ich wirklich gefallen wär; doch einer solchen Untersuchung war man vielleicht bei dem schwachen leicht zu blendenden Herzog, dem noch überdem wenig an mir gelegen war, gar nicht gewärtig.
Die Stadt war voll von meinem entsetzlichen tod, und man sah mich mit Erstaunen lebendig. über der Tafel sagte der Herzog, der seine hämische Bosheit nicht zu bergen wusste, mit höhnischer Miene, ich sei sehr glücklich, dass das schöne Geschlecht so viele Notiz von mir nehme; in dem Cölestiner Kloster, welches zu dieser Stadt gehöre, habe eine fremde Dame öffentliche Danksagungen für meine