entgegen; er trat in die offene Tür, und begann nun in vollem Laufen hinüber nach dem Orte zu setzen, welcher ihm so lockend als mir selbst dünken mochte; aber kaum hatte er die ersten Sprünge auf der Gallerie getan, als sich die Tür, aus welcher ich jetzt ebenfalls hinaustreten wollte, krachend zwischen ihm und mir verschloss, und über und unter mir ein betäubendes Knarren, wie von zwanzig in gang kommenden Triebrädern erhub, unter welchem ich nur schwach die kreischende stimme meines Hundes unterscheiden konnte. Ich weis nicht, was ich in diesem Augenblick dachte, mir ist es, als hätte ich eine dunkle Vorstellung von der Wahrheit gehabt. Ich hatte in meiner Kindheit schon die geschichte von dem unglücklichen Marggraf Egbert von Sachsen oft erzählen gehört, welcher im Jahr 1090 durch die meuchelmördrische Bosheit eines13 Weibes in die Schwerdmühle zu Eisenbüttel fiel. Dergleichen von der Hölle erfundenen Maschinen, wo durch einen Fusstritt, oder anderweitige Berührung einer verborgenen Feder bewaffnete arme oder andere Werkzeuge des Todes aus dem Boden und der Mauer hervorkommen, und den, welcher durchhingeht im Augenblicke zerfleischen, sind nichts neues, und es wär kein Wunder gewesen, wenn mir etwas dieser Art in den Sinn gekommen wär; doch weis ich nicht genau, was ich damahls dachte oder ahndete, nur dies erinnere ich mich, dass ich den Namen meines Hundes rief und mich bemühte, die Tür zu öfnen, welche sich nach ihm geschlossen hatte. Maschinenmässige Bewegung! denn was hätte ich tun wollen?
Das abscheuliche Schnarren des Räderwerks um mich her liess endlich nach; die stimme des armen Geschöpfs, das für mich zum Opfer geworden war, hörte ich schon lang nicht mehr; jetzt konnte ich die Tür aufreissen, und was ich erblickte rechtfertigte alle Mutmassungen, die ich hätte haben können. In der Mitte der Gallerie, welche jetzt sehr dunkel war, da sich die gegenüberliegende lockende Aussicht geschlossen hatte, erblickte ich den Leichnam des armen Geschöpfs noch zuckend, und wie es schien aus tausend Wunden blutend. Man wird mir glauben, dass ich keine Lust hatte die Sache näher zu betrachten, da ich nicht wusste, wie lange die Würkung der teuflischen Maschiene daure. Ich warf die Tür zu, verdeckte mein Gesicht mit beiden Händen, und überliess mich einem Schmerz oder einem Grauen, welches mancher vielleicht unmännlich nennen würde; doch in meine damahlige Lage kann sich nicht so leicht einer hineindenken, und mich zu beurteilen würde wohl also den meisten schwer fallen. Nach mehreren Stunden erholte ich mich erst völlig aus einer schrecklichen Betäubung; ich sass auf der Erde dicht an der entgegengesetzten Tür, welche den gewöhnlichen Eingang zu meinem Kerker ausmachte. Trieb der natur zur Flucht musste mich dahin gezogen haben, ich weis nicht wie ich dahin gekommen war.
Ich öfnete die bisher geschlossenen Augen, atmete aus tiefer Brust herauf und begann meine Rettung lebhaft zu fühlen; aber Gott! welch eine Rettung! War ich nicht noch immer in den Händen meiner Henker, die ja, wenn ich ihrem Schwerd auf eine Art entkommen war, noch tausend andere Mittel hatten mich aufzureiben! – Mein nächster Gedanke flog, wie man denken kann, zu Alix. Wie? rief ich, dieser höllische Streich sollte von dir kommen, du Heilige? alles was mir heute wiederfahren würde, sollte ich dir zuschreiben? Toren, die mein Herz mit solchem Wahn vergiften wollten! Was hätte ich wider dich gesündigt? dass ich dich liebe? das weisst du ja wohl nicht einmal? – Alverde hat mich ja mehrmahl in ihren Briefen versichert, dass du mit ihrem Willen dies nie erfahren solltest! – Aber du hast für mich gebeten? – Ja, ja, das glaube ich; deine himmlische Seele findet jedes leidende geschöpf ihrer Verwendung würdig! Vielleicht hast du nicht bloss bei Menschen, auch bei Gott für mich gefleht, und deiner Vorbitte habe ich meine Rettung zu danken; sie ist wirklich der Grund dessen, was mir heute begegnete. So phantasirte ich fort, und vertiefte mich immer von neuem in Gedanken, welche Alix zum Gegenstand hatten. Mir war es erwiesen, dass die Heilige für mich gebetet haben müsse, und dass ich bloss durch ihre Verwendung für mich am himmlischen Trone noch lebe. Mein Herz war voll Dank gegen sie; ich musterte jedes Wort, welches bei meinen zahlreichen Verhören aus meinem mund gegangen war, ob auch in der halben Abwesenheit des Verstandes, die sich oft bei mir fand, mir etwas entschlüpft sei, das ihr hätte nachteilig werden können. Man hatte mich sehr oft auch über Alix, über meine Liebe zu ihr, und über ihre anhänglichkeit an die waldensischen Lehren gefragt, aber ich schmeichle mir, dass ich nie etwas geantwortet habe, welches ihr neue Verfolgungen hätte zuziehen können.
Ich war viel zu sehr in meinen Betrachtungen versunken, als dass ich mich sobald hätte erheben sollen. Ein Geräusch von aussen war es endlich, was mich störte. Ich vernahm die klirrenden Schlüssel des Kerkermeisters auf der äussern Gallerie, und hörte ihn bald darauf nebst noch einigen Personen näher kommen.
Ich schaudere, gnädiger Herr, sagte der Diener der Bosheit, euch diese Tür zu öffnen, ihr werdet einen Anblick haben, den ihr euch wohl kaum so schrecklich denken könnt. Ich selbst hatte ihn noch nicht, aber mein Knecht, welcher dem Gefangenen den ihr befreien wollt, vor einer Stunde sein Frühstück brachte, kam bebend zurück, meldete mir den fürchterlichen Vorgang, und ich ging sogleich, ihn höhern