; die Einladung, es auszuschütten, schien aus dem mund eines liebenden Vaters zu kommen. Ich antwortete, und antwortete so vollständig, als ich es kaum vor Eid und Gewissen verantworten kann. Der Erzbischoff sah, dass ich auf einmal errötete, und inne hielt – er schonte mich, und drang nicht in mich fortzufahren.
Es ist gut, Herr Graf, sagte er, ich kenne nun euch, kenne eure Verfolger, und eure Unschuld; die ursache, warum sie euch nachstellten, und alles, was sie nicht aus eurem mund erpressen konnten, verlange ich so genau nicht zu wissen, ihr müsstet denn in der Folge Bedürfniss fühlen, euch mir in der beichte ganz zu entdecken, und Trost und Rat bei demjenigen zu suchen, der euch vielleicht beides geben kann.
Das, wozu mir dieser verehrungswürdige Mann, dieser Erzbischoff Konrad von Maynz, dessen Andenken ich ewig verehren werde, damals Anleitung gab, das geschahe bald darauf wirklich.
Ich folgte ihm in seine Residenz. Seine ungeheuchelte Frömmigkeit, und besonders das Interesse, das er an mir nahm, machte ihm mein ganzes Herz zu eigen. Ich, der ich bisher zu keinem Geistlichen ein Vertrauen hatte fassen können, und daher sehr lange Zeit des geistlichen Trosts entbehren musste, schüttete vor diesem Heiligen mein ganzes Herz an geweihter Stelle aus, und nimmer wird mich es gereuen, dass ich es getan habe.
Von ihm erhielt ich Warnungen und Weisungen in Ansehung meiner Lage, deren Befolgung mein Glück gewesen sein würde. Ich sollte mich von der Verbindung mit den furchtbaren Unbekannten, sollte mich von der Liebe zur verlobten Alix losmachen. Konnte ich das? und weis ein Heiliger wie Konrad auch, wie schwer es ist, irrdische Fesseln, die Fesseln der Ehre und der Liebe abzuschütteln?
Von Maynz begab ich mich nach Toulouse, ohne auf dem Wege den geringsten Anstoss zu haben, entweder scheute man meinen Beschützer, den Erzbischoff, oder man hatte meine Spur gänzlich verloren, und die Anschläge auf mich bei Seite gesetzt.
Mein Herz glühte von leidenschaft gegen die schöne Alix, so gewiss ich auch war, dass sie nicht für mich lebte, und alles schien sich zu vereinigen, den Eindruck, den ihr Bild auf mich gemacht hatte, zu vertiefen. Hier kam ich durch eine Landschaft, wo man Anstalt machte, sie auf dem Wege, da sie in kurzen ihrem glücklichen Bräutigam entgegen geführt werden sollte, mit jubel einzuholen. Hier hatte sie einst einige Jahre ihres schönen Lebens zugebracht, und sich alle Herzen gewonnen. Die Bewillkommungen, die man für sie ersann, waren nicht gekünsteltes Ceremoniel, waren der Zoll einer Liebe, welche nahe an die Anbetung gränzte. Man führte mich in die benachbarte Klosterkirche. In diesem haus hatte sie unter den Nonnen ihre erste Bildung erhalten; bei einer fürchterlichen Feuersbrunst, welche einst des Nachts hier ausbrach, hatte ihre Wachsamkeit das Kloster erhalten. Eine kranke Layenschwester, die man in ihrer Celle vergessen hatte, riss die junge Heldin selbst aus den Flammen, und denn kehrte sie in die Kirche zurück, dem wundertätigen Marienbilde, zu welchem die fromme Seele eine sonderbare Andacht hatte, die nehmlichen Dienste zu tun. Sie kam zu spät, die tod Heilige war schon ein Raub der Flammen geworden, und sie, die lebende hätte beinahe den Tod auf dem Wege heiliger Schwärmerei gefunden.
Von Rauch halb erstickt, hatte man sie auf den Stufen des Altars gefunden; und sich gleich entschlossen, ihr zur Dankbarkeit für ihre Aufopferung sie möge leben oder sterben, eine sonderliche Ehre zu erzeigen. – Kennt ihr die prinzessin Alix? setzte der Erzähler hinzu, indem er auf das neue Altarbild deutete; nun wohl, ihr mögt sie kennen oder nicht, so seht ihr hier die völlige Aehnlichkeit ihres schönen Gesichts und ihrer reizenden Gestalt. Die heilige Jungfrau darf nicht zürnen, so geschildert worden zu sein, himmlischer gestaltet als hier, kann sie nicht auf Erden gewandelt haben.
Der Mann, welcher mit mir sprach, war ein Schwärmer, und was war ich in diesen Augenblikken? – O Verzeihung! Verzeihung! für alle Verirrungen, zu welchen mich die Liebe leitete. Ich sah die nach dem Leben geschilderte Alix mit der himmlischen Glorie vor mir an heiliger Stätte, ich hörte Taten eines Engels von ihr erzählen, war es zu verwundern, dass ich mich von dem Arm meines Führers losriss, um mich auf den Stufen des Altars zu Gebeten nieder zu werfen, welche ich unserer lieben Frau anrechnete, und die doch im grund nichts waren, als Anbetungen ihrer schönen Stellvertreterin.
Ich erhub mich in einem Zustande, welchen ich wohl mit Recht den ersten Grad der Verstandsverwirrung nennen kann, die mich in der Folge zum Schauspiel der Welt machte. In einer Art von Trunkenheit durchreiste ich die nächsten Gegenden, wo der Name Alix, den ich überall nennen hörte, meinen Zustand noch verschlimmerte. In einem Hospital, das sie von dem Verkauf ihrer Juwelen gebaut haben sollte, verlangte ich als ein Kranker aufgenommen zu werden, und da man mir dieses unter dem Vorwand meiner guten körperlichen Gesundheit versagte, so liess ich daselbst mein ganzes Vermögen, und kam als ein Bettler nach Toulouse.
Die kastilische Braut – (Gott! wie bebte ich, ihr überall diesen Namen geben zu hören,) – hatte sich, nachdem sie das Kloster verlassen hatte nur kurze Zeit hier am hof ihres Bruders aufgehalten, und war denn ihrem Schicksal entgegen gereist, ich fand sie nicht