befunden habe, folgte eine sanfte Nacht auf weichem Lager, und dieser ein so freundlicher Morgengruss von meinem gastfreien Wirte, und eine so dringende Bitte, noch diesen Tag sein Gast zu sein, dass ich blieb – wo ich bleiben musste, denn nach doppelter und dreifacher Verlängerung meines Besuchs, ward mir es endlich klar, dass ich nicht scheiden konnte, wenn ich auch gewollt hätte; und dass mit dem ersten Eintritt auf das Schloss, vor welchem mich nicht ohne ursache gegraut hatte, meine Freiheit verloren gegangen war.
Das, was ich mit allem meinen Nachdenken nicht begreifen konnte: was man hier eigentlich von mir wollte, ward mir auch nach und nach deutlich; ich sah, dass man mich kannte, und dass alles darauf hinauskam, durch List, welche zuweilen nahe an Gewalt gränzte, Dinge von mir zu erforschen, deren Kenntniss man bei mir vermutete, und die ich, auch ungebunden durch fürchterliche Eide, diesen Fragern nie entdeckt haben würde. Gezwungen muss ich hier mich kurz fassen, man kann die Art, auf welche gewisse Dinge angefochten wurden, nicht genau bestimmen, ohne sie selbst zu verletzen. Es sei euch genug, dass man mich auf meinen schwächsten Seiten angrif, um mich straucheln zu machen. Frauenliebe und Sucht nach Grösse suchte man zu meinem Verderben in mir rege zu machen. Man verkannte mich in Ansehung des ersten; mein Herz war jener zärtern Gefühle im höchsten Grade empfänglich, aber es schlug allein für die schöne Gräfin von Toulouse; die reizende Verführerinnen, die man brauchte, um mich eidbrüchig zu machen, mussten also ihres Endzwecks verfehlen.
Dieses entdeckte man bald, und Alix von Toulouse sollte also der Preis meiner Verführung sein; man sagte mir hier zuerst, was mich halb wahnsinnig machte, dass Alix für mich ein unerreichbares Gut, dass sie bereits an den Prinzen von Kastilien verlobt sei, und man riss mich aus der Tiefe der Verzweiflung durch das Versprechen empor, dass ich sie dennoch erlangen, dass keine menschliche Macht sie mir entreissen sollte, wenn ich mich zu dem bequemte, was man von mir forderte.
Die Versuchung war gross, aber ist es nur noch eine Frage, ob ich siegte? Da ich hier überwunden hatte, so brauche ich wohl nicht erst zu erwähnen, dass die Lockspeisen, welche man meiner Ehrfurcht vorhielt, mir verächtlich waren; man zeigte mir den höchsten Rang im deutschen Reiche, oder die höchste Staffel am römischen hof von der einen, und den Verlust meiner land, gefängnis und schimpflichen Tod von der andern Seite; ich lachte, und blieb der, welcher ich war, der Mann mit den versiegelten Lippen, der ächte Diener der unerforschlichen Geheimnisse.
Mein Zustand verschlimmerte sich von einem Tage zum andern, ich verschloss mein Auge vor der Gefahr, oder vielmehr, ich lächelte ihr zu, denn was konnte man mehr tun, als mir das Leben rauben, und war dieses mir wohl noch wünschenswert, da Alix für mich verlohren war? – Getrost wär ich in den Tod gegangen, unschuldiger und weit glücklicher hätte sein Pfeil mich getroffen, als jetzt, da ich mit Blutschuld behaftet, als ein Verbrecher ihn nun schon Jahrelang herbeiwünsche. Ach wär ich damals gestorben! wie schuldlos wär ich in die lange Nacht hinabgestiegen! Vielleicht wär sie nun schon verträumt, und ich wär zu einem bessern Leben an der Seite meiner Geliebten erwacht!
Ich sollte nicht sterben, die Hand der Liebe rettete mich, die Hand einer zurückgewiesenen, verschmähten Liebe. Eine von den schönen Zauberinnen, die mir meine Geheimnisse aus dem Herzen locken sollten, dachte edler als ihre Mitschwestern, sie hatte sich das gränzenlose Zutrauen meiner Kerkermeister zu verschaffen gewusst, sie schmeichelte ihnen mit einem Erfolg, den sie mir zum Besten erdichtete. Die Türen meiner verriegelten Zimmer standen ihr offen, sie kam zu mir um Mitternacht, nicht bei mir zu verweilen, sondern mich hinauszuführen, wo Freiheit und Mittel zu sicherer Flucht meiner warteten.
Fliehe mit mir edles Mädchen, schrie ich, entreiss dich der Schande dieses Schlosses; du verdienst von den Stricken des Lasters befreit zu werden. Sehr wohl! lachte sie, gewiss um eine Aufwärterin der schönen Alix, oder gar Nonne zu werden? Mit diesen Worten entfloh sie, und verschmähte den besten Dank, den ich ihr für meine Freiheit hätte geben können.
Ich hatte das Schloss kaum etliche Meilen hinter mir, als ich merkte, dass man meine Flucht zu zeitig wahrgenommen hatte, und dass meine Verfolger in meine Fusstapfen traten; die Finsterniss der Nacht kam mir noch eine kurze Zeit zu statten, aber der Morgen brach an, und entdeckte mich meinen Feinden, in meiner Verborgenheit, die ich in der Angst meines Herzens schlecht genug hinter einem dünnen, belaubten Busche gewählt hatte; es schien, man war nun gesonnen, alle Gelindigkeit bei Seite zu setzen, und mich ganz als einen Verbrecher zu behandeln; man belegte mich mit Fesseln und schleppte mich davon, ohne auf meine Appellation an Recht und Menschlichkeit zu hören.
Der Weg, den man nahm, war mein Glück. Es war ein schmaler, wenig besuchter Felspfad, den man vermutlich gewählt hate, um sich seines Raubes desto besser zu versichern, weil man nicht wusste, ob ich Anhänger oder Schützer in dieser Gegend hatte, welche zu fürchten wären. Leider wusste ich nichts von solchen Helfern, aber der Himmel sandte mir einen Retter entgegen, auf welchen ich nicht gerechnet hatte, auf welchen ich nicht