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bloss darum so emsig, dass man mich meiner Besitzungen berauben, und sich, Gott weiss zu welchen Entzwecken, meiner person bemächtigen möchte.

Von heimlichen Nachstellungen hatte ich Spur, ehe ich noch fünf Meilen von meinem Residenzschlosse war, ich entging allen Fallstricken, welche mir auf meiner Reise gelegt wurden, bald durch Behutsamkeit, bald durch mein gutes Schwerdt immer glücklich, bis mich endlich an den grenzen von ***, übel verstandene Guterzigkeit in die Stricke von Feinden fallen liess, welche ich nicht kannte, und spät genug kennen lernte.

Es war einst gegen den Abend, als ich auf einem Scheidewege anlangte; ich war einsam, und der Gegend unkundig. Ein alter Mann sass am Wege und sprach mich um eine Gabe an. Guter Vater, sagte ich, indem ich ihm reichlich mitteilte, welcher Weg führt mich zu der besten Herberge? –

Der Rückweg, gestrenger Ritter, war die Antwort.

Wie das? fragte ich.

Ihr werdet wissen, wo ihr diese Nacht geruht habt, und ob euch daselbst wohl war; wo ihr ruhen werdet, und ob euch da wohl sein wird, wisst ihr nicht!

Ihr habt recht, Alter, und eben darum frage ich euch.

Ich weiss nur so viel, dass der enge Pfad dort unten, euch in den Wald führt, welchen Räuber unsicher machen, und dass jener, der euch zwar noch vor Mitternacht in die Stadt bringen würde, wenigstens für euch unsicher sein möchte.

Warum für mich?

Ihr müsst Feinde haben, junger Ritter, ich sah Gewappnete im Busche lauschen, die euren Namen nennten, und von euch, als einer freien Beute, sprachen.

Meinen Namen? Wie kann euch dieser bekannt sein?

Als ob euer Gesicht das Haus, aus welchen ihr entsprossen seid, verleugnen könnte! Auch sah ich, als ihr mir eure mehr als fürstliche Gabe reichtet, den Ring mit dem Wappen eurer Voreltern an eurer Rechten. Dreissig Jahr habe ich unter eurem Grosvater teils in des Kaisers Kriegen, teils in seinen eigenen mit dem Bischoff von Bremen gedient, so wird mir doch sein Enkel kenntlich sein? – Graf Raimund von *** war in euren Jahren ein Herr wie ihr! ich würde glauben, in die Zeit meiner Jugend zurück versetzt zu sein, und ihn lebend vor mir zu sehen, wenn mich nicht die Hinfälligkeit meines Körpers, diese zusammengeschrumpfte Haut und dies zerlumpte Kleid eines andern belehrten.

Wie? schrie ich, ihr dientet unter der Fahne meines Hauses, und alles was ihr in seinen Diensten erwarbt, war der Bettelstab?

Macht mir mein elendes Gewerbe nicht zum Vorwurf, ich treibe es nicht für mich, sondern für meine nach Brod wimmernden Enkel, die in mir ihren einigen Versorger sehen.

Gott! Gott! schrie ich, und das sollte ich wissen und nicht helfen? Nein, Alter, ich verlasse diese Gegend nicht, bis ich die Schuld meiner Voreltern bei euch abgetragen habe. Ich bin euch überdem mit eigner Schuld verhaftet; ihr waret mein Warner vor Gefahr, die mir nicht unwahrscheinlich dünkt, da ich auf meiner Reise Spuren genug von heimlichen Nachstellungen hatte.

Und was wollt ihr machen, Graf Adolph?

Mit euch gehen will ich, in der Hütte der Armut übernachten, und sie beim Abschied in ein bequemes Haus verwandeln. Eure Kinder sollen die Meinigen sein, ich will euch genug zu eurer und ihrer Verpflegung hinterlassen.

Ich bedaure Euch, sagte der Alte, indem er sich ziemlich munter an seinen Krücken in die Höhe richtete, euer Nachtlager unter meinem Dach wird schlecht sein, es schützt kaum mich und die Meinen vor Wind und Regen; doch kommt mit mir, besser mögt ihr euch immer bei mir als da befinden, wohin ihr ohne meinen Rat, gekommen sein möchtet.

Ich trat den Weg an, den mir mein Begleiter zeigte. Um seinen schwachen Füssen zu hülfe zu kommen, stieg ich von meinem Ross ab, und leitete es langsam hinter mir her, so dass er gleichen Schritt mit mir halten konnte, welches ihm in der Tat leichter ward, als ich gedacht hätte.

Mit Erzehlungen aus der alten geschichte meines Hauses, unterhielt er mich so lang und so angenehm, dass ich kaum gewahr ward, dass die Sonne gänzlich unter den Horizont hinunter war, und wir in immer wachsender Dämmerung gingen. Er schien meine schwache Seite zu kennen und nützte sie, er ward so wenig müde von den Taten meiner Voreltern zu erzehlen, als ich, von denselben zu hören.

Mitten in einer seiner interessantesten Geschichten, begegnete uns ein wohlgekleideter Mann, der meinen Begleiter zu kennen schien, und ihn in romanischer Sprache anredete, von welcher ich, wie ich schon gesagt habe, nur wenig verstand, besonders wenn sie so geschwind, wie hier, gesprochen wurde.

Schon wurde ich ungeduldig, über die etwas lang daurende Unterhaltung, als sich der Alte zu mir wandte. Dieser Mann, sagte er, ist ein Bedienter unsers gnädigen Herrn des Besitzers dieser Gegend, er fragt mich, wohin ich euch führe, er ahndet aus eurem Ansehen einen Gast, der für meine Bewirtung zu hoch ist, und wagte es, euch im Namen seines Gebieters auf das Schloss einzuladen, wo ihr euch besser befinden werdet, als in der Hütte eines Bettlers.

Der Fremde verbeugte sich sehr ehrerbietig vor mir, und versicherte mich in gebrochenem Teutsch, dass ich seinem Herrn zwar ein unbekannter und unvermuteter, aber sehr angenehmer Gast sein würde, indem