, so schön sie auch war, unter allen am wenigsten gefiel, und die junge Beatrix, schön und im ersten Aufblühen, wie die Göttin der Jugend, und lachend wie die Göttinn der Freude; dieselbe sah ich, aber wie soll ich den Sinn nennen, der mir das Bild der himmlischen gräfin von Toulouse vorstellte! Ich sah ihre Reitze nicht, ich fühlte sie tief im Herzen. Alle Bewunderung, alles staunende Entzücken, das die andern Schönheiten in mir erregt hatten, verschwand bei den Gefühlen, die mir der Anblick dieser Ueberirdischen einflösste. – O Gott! wenn ich mir sie ins Gedächtniss zurück rufe, wie ich sie damahls im Bilde, wie viel herrlicher ich sie in der Folge, in person sah, so ist es als ob ein himmlisches Licht meinen Kerker durchstrahlte! – O Alix, Alix! auch um deinetwillen trage ich diese Ketten, wohin hat mich Liebe und Gram um dich geschleudert! Du bist bei Gott! lange konntest du nicht von deinem Vaterland, dem Himmel, getrennt bleiben! Die unschuldvolle Engelsmine, das unaussprechliche Lächeln einer vollendeten Seeligen, der überirrdische blick der himmlischen Augen, jeder teil des ganzen Alls, das mich so bezauberte, hätte mir ja sagen sollen, dass ich in dir einen Gegenstand anbetete, der gar nicht für die Liebe eines Sterblichen bestimmt war. Ach daran dachte ich nicht, als ich deine Reitze zuerst erblickte! ich schaute und konnte deines Anblicks nicht satt werden, bis der Eindruck unaustilgbar ward, vor dessen Gefahren mich niemand warnte.
Ach wer hätte mich warnen sollen! vielleicht Kalatin! war er es nicht, der mich mit diesen Zauberbildern in irgend eine unglückliche leidenschaft zu verstrikken suchte? – sonderbar war es mit alledem, erst lang nachher in der Zukunft habe ich mir es überdacht, und daraus neuen Verdacht wider Kalatins Redlichkeit geschöpft, sonderbar war es, dass er unter allen Prinzessinnen, deren es, wie er selbst sagte, damahls so viele von bewundernswürdiger Schönheit gab, keine einige Unversagte gewählt hatte, sie meinen Augen vorzustellen. Unter diesen fünfen hätte meine Wahl fallen mögen, auf welche sie gewollt hätte, so wär ich unglücklich gewesen. Adila liebte Herzog Bernharden von Sachsen, Elise war an Otto von Wittelsbach versprochen, Kunigunde an Graf Richarden von Segni schon vermählt, Beatrix dem Herzog von Braunschweig bestimmt, und Alix, ach meine göttliche ewig unvergessliche Alix, versprochene königin von Kastilien; Dinge, welche ihm, dem alleswissenden Hofmann, nicht unbekannt waren, wovon aber ich in meiner Einsamkeit freilich kein Wort gehört hatte. Briefe von dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach, die ich fleissig von hof erhielt, hätten mich wohl über diese Dinge benachrichtigen können; aber sie waren grösstenteils in der romanischen Sprache geschrieben, die ich nicht sonderlich verstand, und bei welcher ich mich allemahl Kalatins hülfe bedienen musste; der mir ja, wenn er einmal ein Verräter sein wollte, verdeutschen konnte, was er selbst wollte, und was in seine Plane taugte.
O Kalatins Schatten! verzeihe, wenn ich dir unrecht tue, ich sehe freilich nicht ein, was dir es gefrommt haben würde, mich gutwillig in unmögliche Liebe zu verstricken, gleichwohl aber ist die Lage der Sachen so, dass ich diesen Verdacht fassen muss, den ich freilich damals nicht kannte. einmal ist so viel gewiss, dass du mich auf einen Pfad stelltest, wo ich unter fünf Wegen wählen konnte, welchen ich wollte, mit der Gewissheit, auf jedem, nur auf verschiedene Art, unglücklich zu werden.
Aber musste ich mich denn fangen lassen? Konnte ich nicht bei allen Reizen, die mir aufgestellt wurden, kalt und unempfindlich bleiben? – Doch, um mein Herz zu stählen, hätte ich Verrat ahnden müssen; auch hatte Kalatin sorge getragen, mich all die Zeit über, da ich in Erwartung seiner Zauberbilder lebte, auf eine Art zu unterhalten, die mein junges unerfahrnes Herz jedem Eindruck der heftigsten leidenschaft öfnen musste.
Ihr seid also gefangen, sagte Kalatin, als er mich im Anschauen meines geliebten Bilds ganz verloren sah, ihr seid gefangen, und die schöne Alix von Toulouse hat die Ehre des Siegs. Viel Glück, Herr Graf! Nur bitte ich euch, nun nicht zu säumen, sondern euch eilig nach dem Orte aufzumachen, wo eure Göttinn lebt, denn ihr begreift wohl, dass Damen, wie sie, nicht lange für den Liebhaber aufgehoben werden möchten, und dass ihr schnell zugreifen müsst, wenn ihr euch ihres Besitzes bemächtigen wollt.
Ich fühlte die notwendigkeit dessen, was mir Kalatin anriet, nur gar zu gut, die Reise nach Frankreich ward von nun an der Gegenstand all meiner gespräche mit ihm; aber wie sie ohne Versäumniss nötiger Pflichten möglich gemacht werden sollte, das blieb immer unentschieden, bis ein Befehl von den Obern unsers Bundes, meine land zu verlassen und mich unter verstelltem Namen nach Pamiers zu begeben, alles entschied. Gelegner hätte mir wohl kein Auftrag kommen können, ich ergriff ihn mit beiden Händen, und bemerkte nicht, was ich mir wohl nachher bedachte, dass an Form und Art ihn zu erhalten, manches zu finden war, das mir ihn hätte verdächtig machen können. Genug, ich wusste, dass die Vornehmsten von den Unsern sich um verborgener Ursachen willen insgeheim zu der grossen Versammlung der Bischöffe begeben würden, die damahls zu Pamiers gehalten wurde, und ich fand es nicht unwahrscheinlich, weil ich es nicht unwahrscheinlich finden wollte, dass auch ich dazu berufen ward