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auf eine so feine Art, welche nur ihm selbst zum Besten, seinem sein sollenden Klienten zum grössten Nachteil gereichte. Allgemach kamen verdeckte Anspielungen zum Vorschein, dass ich ja weder durch Eid noch Pflicht an den Herrn von Remen gebunden sei, und meiner Schwester leicht wo ein besseres Glück lachen könne, besonders wenn ich sie nach hof brächte, welches ohnedem jetzt, da sie mehr heranwüchse, unumgänglich geschehen müsste.

Ich weiss nicht, was Kalatin darunter suchen musste, mich aus meinem vaterland zu entfernen; er brachte die notwendigkeit einer solchen Reise unaufhörlich auf die Bahn, bald war es die Einführung meiner Schwester in die Welt, die seinem Vorgeben nach, dieselbe erforderte, bald wusste er andere Ursachen anzuführen. Ich gab ihm hierin wenig Gehör. Ihr wisst, Herr von Kalatin, sagte ich oft, dass ich nicht von mir selbst abhänge; von einer Reise aus meinen Landen, müsste der Herzog von Sachsen unausbleibliche Kundschaft haben, und ich zweifle, dass er sie billigen würde, da er weiss, dass meine Gegenwart hier nötig ist, auch um meines eigenen Vorteils willen nötig ist. Der Besitz einiger Jahre hat mich in meinen Rechten noch nicht so befestigt, dass nicht die ehemaligen eingedrungenen Eigner, dass nicht besonders der Erzbischof von Bremen mir Gefahr drohen sollte, wenn ich mich jetzt entfernte.

Kalatin wusste nichts auf meine Einwürfe zu sagen, und schwieg. Er liess dem Anschein nach alles gehen, wie es ging, und lebte friedlich in meinem haus, das ich ihn gebeten hatte als das seinige anzusehen. Ununterbrochener Umgang, der sonst oft den liebenswürdigsten Personen nachteilig ist, gereichte ihm nur zu Erhöhung seines Werts in meinen Augen; seine mir missfällige leidenschaft für Alverden, schien er so ganz besiegt zu haben, dass er mit mir oft von anderweitigen Verbindungen sprach, die er im Sinne habe, und in Summa, ich habe all diese Zeit über nichts verdächtiges an ihm entdeckt, als einen fleissigen Briefwechsel nach Rom und mit dem Herzog von **; Dinge, wegen welchen er sich sehr gut zu rechtfertigen wusste.

Als wir eines Tages von seinem Entschluss sprachen, sich eine gemahlin unter den Töchtern unsers Vaterlands zu wählen, und ich ihm scherzend verschiedene Damen vorschlug, fragte er mich mit einem scharfen blick, ob ich nie geliebt habe?

Nie, Kalatin! mein Umgang mit den Frauen, war von je her gering, und deren, die ich meiner Wahl vollkommen würdig halten könnte, sah ich noch nie eine.

Und was für Vorzüge werden wohl bei einer künftigen gräfin von *** erfordert?

Ausser denen, welche jeder Mann sich an einer Lebensgefärtin wünscht, noch Rang und hohe Geburt; ich wünsche bei meiner Wahl die Augen ehe über mich als zur Seite oder unter mich zu richten. Ich finde unter meinen Eltermüttern mehr Prinzessinnen als blosse Edelfräuleins; will ich den Glanz meines Hauses wieder herstellen, so muss ich wählen wie meine Ahnen wählten.

Ihr habt recht, Herr Graf, aber wie wollt ihr solche Damen kennen lernen, die eurer Hand würdig sind, wenn ihr euer Land nie verlasset?

Ich bin noch nicht veraltet, Kalatin, erwiderte ich mit lachen, was ich heute noch nicht sah, kann ich in zehn Jahren Zeit genug erblicken, indessen wird noch manche schöne Blume für mich lieblich heranblühen!

Und manche gebrochen werden oder welken, versetzte er, welche vielleicht der Himmel eben für euch bestimmte. Europa ist jetzt reich an schönen Fürstinnen, deren ihr auf diese Art nicht eine in voller Blüte sehen würdet, wenn euer Diener Kalatin und ein freundlicher Maler eurer Bequemlichkeit nicht etwa zu hülfe käm, und euch das vor Augen brächte, das euch aufzusuchen zu beschwerlich dünkt.

Wie Kalatin? ihr besitzt ein Bilderkabinet von allen jetzt lebenden fürstlichen Schönheiten?

Bei weiten nicht von allen, doch kann ich mich rühmen die treusten Kopien von fünf unsrer schönsten Prinzessinnen zu haben, die ich nur herüber bringen lassen darf, um sie euch zu zeigen.

Wer fühlt nicht Neugier, das grösste Meisterstück der Schöpfung, ein schönes Weib zu sehen, sollte es auch nur im Bilde sein! Ich fand grosses Behagen an dem Einfall meines Freundes, und dieses um so viel mehr, da sich doch der Gedanke in meinem Innersten zu regen begunnte, ob ich nicht unter den versprochenen Gemälden vielleicht diejenige finden könnte, die mich die Liebe kennen lehren sollte.

Der köstliche Transport ward mit Ungeduld erwartet, das Kistgen, welches die gewünschten Schätze entielt, in ein einsames Gartenkabinet getragen, und so begierig eröfnet, als sich von einem jungen mann, der sein fünf und zwanzigstes Jahr noch nicht geendigt hatte, und der jetzt den Gegenstand seiner Phantasien zu sehen hofte, und von seinem dienstfertigen Freunde erwarten liess.

Macht euch gefasst, sagte Kalatin, indem er die Hüllen der Kunstwerke des Malers nach und nach hinweg räumte, macht euch gefasst, hier das schönste und erhabenste zu sehen, was unsere zeiten an weiblichen Reitzen aufzuweisen haben; ich werde euren Augen die drei Töchter Kaiser Philipps, die man gemeiniglich nur die drei Heldinnen nennt, die Prinzessin Adila von Pohlen und die schöne Alix von Toulouse vorstellen, wählet nun, und bedenket, dass kein Fürst euch seine Tochter versagen wird.

Ich antwortete Kalatin nicht, denn ich war ganz im Anschauen dessen verloren, was sich nun vor meinen Augen entüllte. Ich sah die blühende Adila, König Premislaus Tochter, ich sah die majestätische Elise, die zauberische Kunigunde, welche mir wegen des verbuhlten Blickes