geführt, teils hielten sie es aus bösen und aus guten Absichten für dienlich, sich zu mir zu drängen; die, welche ich bereits als meine Feinde kannte, den Herzog von ** und seinen Anhang wusste ich zu meiden, in Ansehung der andern wurde ich freilich, wie meistens der Fall ist, durch Zufall und Vorurteil geleitet. Ich wählte mir unter dem ganzen Haufen, der mich umgab, zwei Freunde, die in der Folge den grössten Einfluss auf mein Schicksal hatten; der eine liess sich von mir suchen, es war der edle Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, ein junger Mann, der erst seit kurzer Zeit in unsern Bund getreten war; der andre drängte sich mühsam zu meiner Freundschaft, und wusste sie durch seine ganz eigene Gabe zum Gefallen ganz an sich zu reissen; sein Name war Peter von Kalatin, der Unglückliche, welcher in der Folge von meinem Schwerde fallen musste, ein Mann, von dem ich heute noch nicht genau weiss, ob seine Farbe schwarz oder weiss war, denn sobald tausend Wahrscheinlichkeiten aufstiegen, mir ihn als einen Verräter zu zeigen, so erhebt sich im innersten meiner Seele eine stimme: Er war dein Freund, und du hast ihn ermordet! Alle Bemühungen meines Herzens, ihn zum Verbrecher zu machen, sind Tücke, die nur zu Verminderung deiner eigenen Schuld abzielen! – O Gewissen, Gewissen wird deine Geissel nimmer ruhen? muss dein Geschrei jedes Mittel vernichten, das ich zu meiner Beruhigung ersann?
Lasst mich fortfahren. Lasst mich umständlicher von diesem Peter von Kalatin reden. Ausser seinem einnehmenden Aeusserlichen, ausser seiner wunderbaren Kunst sich gefällig zu machen, war noch etwas, das mich zu seinem Freunde machte, ich glaubte Grossmut in seinem Betragen gegen mich zu entdecken. Peter Kalatin stand schon auf einer sehr hohen Stufe im Rat der heimlichen Richter, da ich erst zu den untersten Graden eingeweiht wurde, schon damals hatte er mir keine ursache zur Klage gegeben, so oft ich auch in Geschäften mit ihm zusammentraf; er war herablassender und gütiger gegen mich gewesen, als irgend einer von den Obern, und jetzt, da mich das Glück und mein entdeckter Stand emporhob, da es mich ihn und tausend andere überspringen machte, da ich auf einer Höhe stunde, die er nie zu erreichen hoffen konnte, jetzt entdeckte ich dennoch nicht eine Spur, von der Missgunst, von der scheuen Zurückhaltung an ihm, die ich wohl an Höhern als er, die ich selbst an dem Herzog von ** wahrgenommen hatte. Er blieb gegen mich immer der nehmliche nur dass das, was zuvor Freundlichkeit gegen einen Geringen war, sich jetzt in Freundschaft verwandelte; diese Erscheinung, deren Seltenheit mich die Erfahrung beurteilen lehrte, nahm mich für ihn ein, ich ward zuerst sein Freund, bloss weil ich ihn weniger bös als andere fand, bis er sich mein Herz durch wahre oder erkünstelte Tugendproben noch mehr zu eigen machte.
Als Kalatin merkte, wie fest er in meinem Herzen sass, liess er mich auch einen tiefern blick in das seinige tun; er verheelte mir nicht, dass er meine Schwester liebte, und sich Hoffnung auf ihren Besitz machte; eine Entdeckung, die mir nicht allerdings behagte. Stolz war meine herrschende leidenschaft; so wert mir auch Kalatin war, so dünkte mich doch sein Stand gegen den meinigen zu gering. Nur um eines Everts von Remen willen hätte ich meiner Schwester erlauben können, durch Heirat eine Stufe herabzusteigen. Evert von Remen, mein alter Jugendfreund, hatte die Liebe meinen Schwester, hatte das Versprechen meines Vaters; Dinge, welche bei Kalatin hinwegfielen, und deren Mangel ihn eine abschlägliche Antwort finden liess, bei welcher mir doch des jungen von Remen frühere Ansprüche zum Vorwand dienen mussten.
Ich weiss nicht, ob Kalatin den Grund meiner Weigerung ganz durchschaute; er schien wenigstens damals Everten für die Hauptinderniss seines Glücks zu halten, und sparte keine Kunst, sie hinweg zu räumen. Sehr künstlich musste er in seinen feindseligen Verfahren gegen seinen Nebenbuhler zu Werke gehen, da ich nicht gewahr wurde, dass er es war, welcher meinen alten Jugendfreund meinem Herzen nach und nach zu verleiden wusste, da ich erst lang hintennach Spuren seiner Machinationen zu unserer Entzweiung zu entdecken glaubte, und daher Zweifel in seine Redlichkeit schöpfte, welchen noch mehrere Umstände an die Seite traten.
Damals war ich noch ganz zu seinem Vorteil eingenommen; dass der Umgang Everts von Remen mir immer gleichgültiger, endlich gar lästig wurde, dieses schrieb ich weniger Kalatins witzigen Ausfällen auf ihn, als der Vergleichung zu, die ich zuweilen zwischen diesen meinen beiden Freunden in der Stille machte, und bei welcher Evert unglaublich im Schatten stand. Wie konnte sich dieser schlechte geradsinnige Deutsche mit dem glattzüngigen Hofmann, Kalatin, messen! wie fein und einschmeichelnd war jedes Wort, jede Handlung des letzten, wie steif und störrig betrug sich der erste, besonders seit er es ahndete, dass mein Herz sich allmälig von ihm losriss! Wie zudringlich war Evert in seinem Nachforschen, wie entscheidend, oft beleidigend in seinen Urteilen! Er hatte sich nach meinen Gedanken ganz geändert; er war sonst so sanft und nachgebend, wie war er auf einmal so eigenwillig geworden? Ich erstaunte über die Veränderung, an welcher eigentlich nur ich selbst schuld war, und bedachte nicht, dass Vernachlässigung diese Erscheinung bei den besten Seelen am ersten hervorbringen kann.
Meine Schwester führte über unsern alten Freund die nehmlichen Klagen; Kalatin affektirte seine Partie zu nehmen, aber er tat dieses