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, was davon abhing, nichts erfahren durfte. Ich hing an diesem teuren Vater mit so gränzenloser Liebe und Vertrauen, dass ich glaubte, diese einige Klausul hätte mich von dem grossen Bunde abwendig machen können, wenn ich sie vorher gewusst hätte. Nun waren die fürchterlichen Eide geschworen, und ich konnte nicht mehr zurück.

Der Herzog von Sachsen, Herzog Bernhards Vater, der damahliche Stuhlherr der heimlichen Gerichte, eben der Richter, dessen Weisheit mich in jener Nacht zu so viel Bewunderung, sein herrliches Ansehen zu so viel Ehrfurcht hinriss, nahm es selbst über sich, mich in der Verlegenheit zu beruhigen in welcher er mich sah. Mein Sohn, sagte er mit der herablassendsten Güte, der Gehorsam, den du deinem Vater schuldig bist, wird nie mit dem, welchen du mir geschworen hast, streiten. Erfülle deine Pflichten treu, und du wirst einen gnädigen Herrn an mir haben.

Den hatte ich auch an ihm, aber einen desto ungnädigern an dem Herzog von ***, der dem Herzog von Sachsen, hier der nächste in der Hoheit, und allezeit bedürfenden Falls sein Stellvertreter ist. Der Herzog von ***, hatte vom Anfang meiner Erscheinung im grossen Kreise einen sonderbaren Hass auf mich geworfen, der sich auf meine kühne Misbilligung jenes gesprochenen, von ihm eingeleiteten Urteils, gründen mochte, und durch meine glückliche Durchsetzung der Sache unversöhnlich ward. Ich habe ursache ihn für eins der vornehmsten Werkzeuge zu halten, welche mein ganzes unglückliches Leben hindurch, zu meinem Verderben, tätig waren.

Ich hatte, wie ich vorhin weitläuftig erzehlte, meinen ersten Eintritt in die geheimnissvolle Verbindung durch kühnen Widerspruch eines gesprochenen Urteils gemacht. Ein solcher Widerspruch, er mochte von geweihten oder ungeweihten Lippen kommen, durfte, wenn der Angeklagte sich nicht selbst schuldig gab, in den damahligen zeiten nicht zurück gewiesen werden, und hätte das Richtschwerd schon über seinem kopf geschwebt; genauere Untersuchung folgte demselben, Untersuchung, bei welcher der, welcher den Einspruch tat, allemal die Hauptrolle spielen musste. Nachdem sie denn ausfiel, hatten entweder der Beklagte und der Verteidiger ihr Leben gerettet, oderbeide mussten sterben.

So hatte ich mich also, ohne es zu wissen, in einen gefährlichen Handel verstrickt; er betraf eine person, die ich nicht kannte. Der Herzog *** wollte sie getödet haben, und hatte alle Wahrscheinlichkeit der Schuld wider sie zusammen zu bringen gewusst, nur ich hatte eine Lücke in den geführten Beweisen entdeckt; hatte dawider geschrieen; alles war so gegangen, wie ich eben gemeldet habe, und nun sollte ich meines Klienten Unschuld beweisen oder sterben. Ich forderte von meinem Vater Urlaub auf einige Wochen zu einer Jagd, in entfernten Gegenden; ich tat die erste Reise in Geschäften des Bundes; ich war glücklich in meinen Ausspähungen; was ich erweisen wollte, war erwiesen, der Beklagte war gerettet, der Herzog von Sachsen lobte mich, und der Herzog von **schwur mir ewigen Hass.

Ich erhielt mehrere Aufträge, und ich konnte sicher sein, dass, wo es von dem Herzog von ** abhing, allemal das schwerste auf meinen Anteil fiel. Da es mir nicht an Treue, Vorsicht und Mut fehlte, so war ich immer glücklich, ihm zum Trotz, und brachte beinahe die Unmöglichkeit zu stand. Einst als es darauf ankam, gewisse lang verlorene Urkunden ausfündig zu machen, die sich noch von Karl des Grossen zeiten herschrieben und an welchen sehr viel gelegen war, gelang mir die Sache so schnell, so vollkommen nach dem Willen meiner Obern, dass ich vom Herzog von Sachsen die erlaubnis zu einer freien Bitte erhielt, an deren Gewährung ihm, wie er sich ausdrückte, nichts als die Unmöglichkeit hindern sollte. sorge dafür, Adolf, rufte mir der edle Fürst noch nach, als ich Bedenkzeit forderte, dass deine Forderung nicht klein sei, denn mich dünkt, wir sind dir viel schuldig.

Ich entfernte mich, und wusste wohl was ich bitten wollte. Ich war fast zwanzig Jahr, und das Versprechen meines Vaters, mich wehrhaft machen zu lassen, war wegen häuslicher Umstände noch immer unerfüllt geblieben. Ich nahm mir vor, den Herzog von Sachsen um das Ritterschwerdt, und um Dienste bei seinem Heer zu bitten; eine Forderung, die mich mächtig gross dünkte, und die doch bald von einer andern verdrängt werden sollte, an deren Höhe damals alle meine Wünsche noch nicht reichten.

Meine öftere, und lange Abwesenheit aus dem haus meines Vaters war niemand befremdend gewesen; man war dergleichen schon von meinen ersten Jünglingsjahren her gewohnt. Nur Konrad von Remen, der Vater meines Freundes des jungen Evert von Remen, schüttelte zuweilen den Kopf, und schien Gedanken zu haben, die er sich nicht zu entdecken getraute.

Da meiner Geschäfte in meinem verborgenen amt immer mehr wurden, so weiss ich nicht wie ich länger das beschworne geheimnis hätte behaupten wollen. Dass es mit mir eine ausserordentliche Bewandniss hatte, würde man endlich gemerkt haben; die, welche das Recht dazu hatten, hätten mich befragt, und ich hätte antworten müssen; ich sann schon auf tausend Ausflüchte, welche meinem an Aufrichtigkeit gewöhnten Herzen schwer zu behaupten gewesen sein würden, aber das Schicksal überhob mich der traurigen notwendigkeit meinen Vater täuschen zu müssen, indem es mir jenen Streich versetzte, welchen ich den Anfang aller meiner Leiden nennen muss.

Eine tödliche Krankheit warf meinen besten Freund, meinen teuren Vater darnieder; es kam bald dahin, dass er ohne Hoffnung lag, und ich, meine