sagen.
Beatrix ist krank, man zweifelt an ihren Aufkommen; der sie mit der heissesten Inbrunst liebende Kaiser, besteht darauf, dass sie als seine Gemahlin leben oder sterben soll, sie wurden diesen Morgen in der Stille eingeseegnet. Beatrix hat für die Freunde des Wittelsbachers und für seinen Leichnam gebeten, den man in die Donau geworfen hat; für Alf von Dülmen kommt alle Vorbitte zu spät. – Von den Verwandten des Pfalzgrafen ist die Acht zurück genommen, sein Leichnam ist gefunden, und ehrlich beerdigt worden. Alfs Körper hat man nicht finden können!
O, meine Mutter, ihr merkt aus den letzten so kurzabgebrochenen Worten, wie schwach ich bin! – Meine letzte Hoffnung ist Ruhe in jener bessern Welt, Gott gebe, dass mir sie kein Sutri raube! – Vergesset nie die unglückliche Alverde!
Bernhard, Herzog von Sachsen,
an den Herzog von ***
1210.
Ich muss mich mit Eurer Erklärung brfriedigen; Gott gebe, dass euer eigenes Gewissen sich damit beruhigen lässt, es ist hier eine Kette von Schrecknissen, davon allemal das erste Glied in eurer Hand war.
Philipp, Wittelsbach, Graf Adolph, seine Schwester, die arme Beatrix, welche nur vier Tage den Namen einer Kaiserin führte, und vielleicht mehrere andere, haben ihr Schicksal den Unordnungen zu danken, welche ihr in den Euch anvertrauten Geheimnissen einreissen liesset. Die Möglichkeit, der guten Sache auf die Art zu schaden, wie bereits geschehen ist, muss euch auf ewig benommen werden, ihr sehet selbst, dass Entsetzung von Eurer Stelle eine sehr mässige Strafe des Bösen ist, das ihr veranlasset, und das für uns und die Welt unwiederbringlichen Schaden nach sich zieht. Wer vernichtet das, was auf die von uns erlauschten Heimlichkeiten erbauet ward? wer benimmt den arglistigen Römern die Mittel, hinfort noch mehr Unkraut unter unsern Waizen zu säen?
Fortan müssen unsere gesetz geschärfter und heiliger gehalten werden. Bruch der Verschwiegenheit, dessen der unglückliche Pfalzgraf und ihr, Gott weiss ob so unschuldig als er, euch erkühntet, werde gleich jedem andern unablöslichen Verbrechen vor unserm Gericht mit dem tod bestraft.
Wer sich erkühnt unsere heiligen Gebräuche nachzuäffen, und unter dem Namen unserer Gerechtigkeit Unheil zu stiften, der sterbe!
Wer eigene Rache unter der Maske der heimlichen Rächer ausübt, der sterbe ungewarnt und wo man ihn findet!
Wer den Richter zu blenden sucht, den Schuldlosen mit seinem Namen schreckt, oder den Verbannten warnt, der sterbe! –
Mein Herz blutet, ob den fürchterlichen Gesetzen, welche die Stellvertreter der göttlichen Gerechtigkeit zu geben, und ich zu bestättigen genötiget bin; ich zittre vor dem Unheil, das der Misbrauch derselben in die Welt führen wird, aber die Not heischt was wir tun müssen; Euch sei ein teil der künftigen Verfassung unsers Rechts zuerst kund getan, damit ihr eure begangenen Vergehungen schätzen, und euch prüfen lernt, ob euch noch gelüstet länger in unserm Bund zu bleiben, in welchem ihr ohne dem jetzt nur eine der untersten Stellen behaupten könntet. Wollt ihr euch gänzlich von uns trennen, wie ich euch wohl raten möchte, so hütet euch vor den Römern, dauert eure Vertraulichkeit mit denselben fort, so wird euch die Rache, wie jeden andern, der nicht zu unserm Bunde gehört, zu treffen wissen. Ihr neues Gericht soll unserer Allwissenheit nachäffen, aber schützen kann es den nicht, welcher unser Misfallen auf sich lud. Alf von Dülmens Geständnisse an die Nachwelt.
1210.
Ich ward gerettet, aber o Gott, zu welch einem Leben! – Ist das Leben im Kerker Leben zu nennen? – Lebe ich wirklich? – Würde ich, wenn heute mir die Freiheit wieder geschenkt wär, anders unter den Lebendigen wandeln, als ein aus jener Welt zurückkehrender Schatten? – Die Sonne ist mir fremd geworden, meine Augen, Jahre lang – (ach ich mag sie nicht zählen!) an die Dunkelheit des Grabes gewöhnt, würden ihren Glanz nicht mehr ertragen können. – Die Welt ist mir fremd geworden, keiner meiner Lieben, keiner meiner Bekannten würde mir dort oben begegnen, der da sagen könnte: das ist Alf von Dülmen! Den grössten und besten teil dessen, woran mein Herz hing, verlor ich, ehe man mich hier lebendig verscharrte, die wenigen Uebrigen werden längst auch abgetreten sein von dem grossen Schauplatz des Elends; nur mir fristete die Vorsicht mein Leben zur längern Qual! Ich verdiente diese grausame Fristung, denn ich war ein Verbrecher! – Ja das war ich! ein grösserer Verbrecher, als zu meinen zeiten die Erde einen tragen mochte! Heiliges Blut haftete an diesen Händen. Entschuldige dich nicht, gequältes Herz, du weisst die Lehren, welche die Nacht, und Einsamkeit diese halbe Ewigkeit hindurch predigten; Nacht und Einsamkeit, diese grossen Lehrerinnen, welche das Gewissen laut reden machen, und jedem Verbrechen seine Hülle nehmen! Hier gilt keine Entschuldigung! auf der Stelle, wo ich hin geschleudert wurde, ist der Standpunkt, wo man jedes Ding nach seinem wahren Werte schätzt, jedes mit seinem rechten Namen benennt, Sclave der Ehrsucht, Sclave noch törigterer Leidenschaften, der war ich! Dies war der Anfang einer glorreichen Laufbahn, die sich mit Kaiser- mit Freundesmord endigte! O Philipp und Kalatin! lasst ab von mir! eure rächenden Schatten, die mich unablässig umschwebten, könnten wohl mit meinen langen, langen Leiden befriedigt sein!
O, dass die Fluten der Donau nicht mein Grab wurden! Grausame hülfe,