in tiefer Ohnmacht unter den Weiden entdeckt. Das Herz jedes Weibes ist zum Mitleid gebildet: ich flog zu dem Verwundeten, die sorge um ihn, mit der Prinzessin zu teilen, und ihr die Trennung der beiden Kämpfer, davon ich den einen beim Mondlicht für den Herrn von Kalatin erkannte, zu erleichtern.
O, Jutta! schrie die Prinzessin, rette, rette, wenn du kannst, den Pfalzgrafen! er ist unschuldig, der Kaiser wird ihn begnadigen! Ja, bei Gott! lallte der Sterbende, das bin ich! aber Kaisergnade bedarf ich nicht mehr, nur die Gnade des Richters, vor dem ich nun bald stehen werde!
Beatrix betauete des Wittelsbachers bleiches Gesicht mit ihren Tränen. Geht Prinzessin, lallte er, indem er sie von sich abwehrte, rettet Alf von Dülmen, mit mir ist es zu spät! O Alf von Dülmen! Alf von Dülmen! schrie die Prinzessin, indem sie aufsprang, und sich von neuem unter die Kämpfenden stürzte, deren Gefecht sich jetzt weiter nach dem Strom hingezogen hatte. Der Pfalzgraf verschied unter meinen Händen; das Geschrei der Prinzessin, das von der andern Seite zu mir um hülfe ertönte, machte, dass ich meinen Tränen, die wirklich auch um den schönen edlen Mann flossen, ungeachtet er in Acht und Bann gestorben ist, Einhalt tun musste; ich flog dahin, wohin ich gerufen ward, ich sah den Herrn von Kalatin fallen, seinen Mörder sich aus den Armen der Prinzessin winden, und sich vom hohen Ufer mit einem Sprunge in den Strom stürzen. Beatrix sank ohne Gefühl zu Boden, mir mochte es nicht besser gegangen sein; denn ohne zu wissen, wie das zusammenhing, sah ich mich auf einmal von unsern Leuten umringt, die mich empor huben, und der Prinzessin und Alverden nach, unter die Gezelte trugen.
Die Unruhe, welche seitdem hier herrscht, ist unglaublich. Der Leichnam des Herrn von Kalatin ist bis auf weitere Verordnung des Kaisers, nach dem nahen Paulinerkloster gebracht worden, den Körper des Wittelsbachers, als eines Durchächteten, hat man in den Strom geworfen.
Alf von Dülmen aus den Fluten zu retten, soll sich einer von euren uns mitgegebenen vertrauten Leuten, ehrwürdiger Herr, sehr viel Mühe gegeben haben. Die Prinzessin liegt ohne Besinnung, Alverde ist dem tod nahe; der Kaiser, welcher seiner Braut entgegen gegangen war, ist persönlich hier eingetroffen, und da aus den kranken Damen von dem ganzen Vorgange nichts zu erforschen ist, so habe ich Dinge aussagen sollen, wovon ich doch nichts als das Ende gesehen habe.
Ich schütze mich mit meiner Unwissenheit; Erklärungen über so delikate, und nach meinen Gedanken ziemlich verdächtige Händel, hätten leicht mir selbst Gefahr bringen können.
Ihr, ehrwürdiger Herr, werdet euch aus diesen Rätseln besser finden können, als ich. Der Morgen bricht an; ich muss eilen, damit der kaiserliche Bote, der mir versprochen hat, ein Schreiben an euch mit sich zu nehmen, nicht ohne dasselbe abgehe.
Alverde an die äbtissin des Cölestinerklosters
zu Pamiers.
1210.
Verwahrt die Papiere wohl, die Euch kurz vor diesem Schreiben oder mit demselben eingereicht wurden; merkwürdige Dokumente beispiellosen Unglücks! – Alverde, Mörderin ihres eigenen Bruders? Beatrix und Elise, Verderberinnen derer, welche sie auf der Welt am meisten liebten? Wird die Nachwelt fassen, wird sie glauben, was in diesen Worten liegt?
Ich schreibe auch dieses durch die Hand einer vertrauten Dirne, nicht der Jutta, welche mir seit ihrer Vertraulichkeit mit Sutri, verdächtig geworden ist. Sutri ist hier, vermutlich auf ihr Anregen, mir meine letzten Stunden schwer zu machen; vielleicht fordert mich Gott ab, ehe die stimme donnernden Gesetzes aus seinem mund mir noch den wenigen Trost raubt, den ich übrig habe!
Ja, ehrwürdige Mutter, mein kurzes qualvolles Leben ist bald vorüber, die Stunden sind kostbar, ihr müsst in wenig Worten vernehmen, was mich so schnell zum Ziel beförderte. Die Würkung einiger unüberlegten Schritte, die ich, verführt, ohne Euren Einrat und Vorwissen tat! –
Das Ganze, wie man uns nach und nach zu unserm und unserer Freunde Verderben leitete, euch zu erzehlen, wär für mich am rand des Lebens zu viel; ich beziehe mich auf meine Papiere. Alles ist unsern Feinden gelungen: Wittelsbach ist tod, das Schicksal liess uns ihn am Ufer der Donau sterbend treffen. Kalatin, von der Gerechtigkeit zu der blutigen Tat autorisirt, war sein Mörder. Während wir uns mit der Rettung des Verwundeten vergeblich bemühten, erschien Alf von Dülmen, Wittelsbachs bisheriger Elendsgefärte, damals nur zu seinem Unglück auf wenige Tage von ihm getrennt, an deren Ende ihn das Schwerd des Rächers getroffen hatte.
Alf von Dülmen, ich wage es nicht ihn Bruder zu nennen, fand seinen tödlich verwundeten Freund, fand uns an seiner Seite, wechselte wenige schreckliche Worte mit uns, die mich in Ohnmacht stürzten, und flog dann, Wittelsbachs Mörder aufzusuchen, und ihn an der Stelle, wo er gefallen war, hinzurichten. Ich sah nichts davon, wie ihm sein Unternehmen glückte, sah nicht, wie er nach vollbrachter Tat den grauenvollen Entschluss fasste, seinem elenden Leben durch einen Sprung in die Donau ein Ende zu machen. Ich hörte es von Beatrix, von ihr könnt ihr alles weitläuftiger erfahren, wenn Gott ihr das Leben fristet, wie ich zu ihm sterbend flehe, ich werde zu schwach, um der Schreiberin alles in die Feder zu