halten sei.
Tomas war indessen einige Schritte vorausgegangen. Ruprecht stand still, las was er diese Nacht bei Mondenlicht von jenem Nachtgesichte aufgezeichnet hatte, das Ganze vergegenwärtigte sich seiner Seele auf einmal aufs lebhafteste, er sah Alf von Dülmen gleichsam wieder vor sich stehen, hörte die Worte, die ihm das Kaisertum weissagten, und dachte sich einen Zusammenhang unter diesen Dingen, den er selbst noch nicht absehen konnte, den er erst aus dem mund seines Freundes vernehmen wollte; er beschloss zu schweigen, bis er ihn erst gehört hätte, und ging vollends langsam den Abhang hinab, wo Tomas unter den Trümmern stand, und sich mit Hinwegräumung der leichtern herabgerissenen Steine beschäftigte.
Herr Pfalzgraf, rief er, als er Ruprechten herannahen sah, indem er von seiner Arbeit abliess, Hört was mir Konrad diese Nacht von diesem Orte gemeldet hat: Der Wetterstrahl, der dieses Gebäude zertrümmerte, fiel in dem Augenblick herab, da mein Knecht auf seiner Heimkehr nicht zwanzig Schritte von hier entfernt war. Betäubt von dem Schlage, der uns viel weiter Entfernte zittern machte, stürzte er zu Boden, der Regen, welcher auf ihn troff, brachte ihn endlich zu sich selbst. – Er erhub sich und schleppte sich langsam fort, aber seine Schwäche war so gross, dass er nicht weiter kommen konnte, als bis auf die Stelle, wo der Blitz getroffen hatte; Konrad sank auf einem der herabgerissenen Steine nieder, wo er noch über eine Stunde halb sinnlos gelegen haben muss, denn völlig erholte er sich erst denn wieder, als das Ungewitter nachgelassen hatte. Er besann sich jetzt ganz auf das, was ihm wiederfahren war, und beschloss, da der Himmel sich ein wenig zerteilte, und der Mond hinter den schwarzen Wolken hervortrat, hier noch eine Weile zu ruhen, und denn den nicht kleinen Rest des Weges nach dem schloss vollends zurückzulegen. Hier war es, wo ihm der Mondstrahl, unter den umhergestreuten Trümmern etwas glänzendes in die Augen fallen liess, das er, weil die Sage von vergrabenen Schätzen, die bei jedem alten Denkmal nicht fehlt, auch hier ihr Recht behauptet hat, für Gold hielt und zu sich nahm; es war dieses kleine küpferne Schild, das er mir bei seiner Heimkunft mit Erzählung des ganzen Vorgangs einlieferte, und dessen Inschrift ihr jetzt selbst lesen mögt.
Ruprecht nahm und las in Charakteren die drei halbe Jahrhunderte nicht ganz unkenntlich gemacht hatten, folgendes: "Evert von Remen setzte dieses Denkmal der Schuld und der Unschuld seines Freundes Graf Adolfs von *** – grab tiefer, du, dem der Arm des himmels diese Höle öffnete, und bist du aus dem Fürstenstamme desjenigen, welcher unschuldig für Kaiser Philipps vergossnes Blut büssen musste, so wisse, dass du einst Kaiser sein wirst, die Wage der Gerechtigkeit richtig wägen, und ihr Schwerd mit Schonung strafen zu lehren."
Was ist das? rief Ruprecht, indem er die Tafel fallen liess, und auf wen mag dies gehen?
Ich weiss nichts weiter, sagte Tomas, als dass die Welt nun zwei Seculo hindurch den durch Peter von Kalatin hingerichteten Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach für Kaiser Philipps Mörder hielt, und dass ihr, Pfalzgraf Ruprecht, einer der Urenkel jenes Fürstenhauses seid. Nicht ohne mühsames Forschen habe ich diese Nacht über diesen kleinen Schimmer von Licht in der dunkeln Weissagung gefunden; ihr seid weiser und gelehrter als ich, seht ob ihr mehr entdecket.
Das Vornehmste, sagte Ruprecht nach langen Schweigen, wird wohl hier sein, nach Ausweisung der Schrift, tiefer unter diesem Gestein nachzugraben; mehrere Nachricht, auf die ich hoffe, wird uns des unnützen Grübelns überheben.
Die Arbeit, von welcher hier die Rede war, war nicht für den Pfalzgrafen und seinen Begleiter; man konnte sich auf die Treue der beiden Knechte Tomas Knebels verlassen; man sagte ihnen so viel von der Sache, als sie, die beide nicht lesen konnten, wissen mussten, und ehe die Sonne zweimal unterging, hatten sie unter Aufsicht ihres Herrn ein kleines bleiernes Kästchen zu Tage gefördert, welches er dem Pfalzgrafen brachte.
Es ward geöffnet, und das darin gefunden, was unsere Leser in einigen Stunden der Musse beschäftigen kann, so wie es Ruprechten und den treuen Tomas viele Tage lang beschäftigte, da sie im Lesen nicht so geübt waren wie die klügere Folgezeit, da die etwas veralteten Charaktere ihnen das Lesen erschwerten, und eine Menge zwischen eingestreuter mündlicher Anmerkungen dasselbe weiter ausdehnte als bei Personen geschehen kann, die bei diesen Dingen nicht so viel Interesse haben als der Pfalzgraf und sein Gefärte. Sie fanden hier übrige Unterhaltung für alle die Tage, welche Ruprecht wegen der Ueberschwemmung auf dem schloss verweilen musste; die wasser verliefen sich, und sie waren mit Beherzigungen noch bei weiten nicht zu Ende, welche einen tiefen Einfluss in die Zukunft hatten. Welches ihre Betrachtungen und Plane waren, wird der Leser besser erraten können, wenn er gelesen hat was sie lasen.
Ruprecht nahm diese Schriften, als er das Schloss wieder verlassen, und seine Reise fortsetzen konnte, mit sich. O! Tomas, sagte er, was für Dinge habe ich in eurem haus erfahren, und welche Gedanken haben sich in meiner Seele entwickelt!
Denket daran, versetzte der Alte, wenn ihr einst Kaiser sein werdet, und erfüllt das Gute, was jetzt in eurem Herzen reifen mag.
Everts von Remen und seiner so mühsam auf Kosten seiner Ruhe und seines Lebens gesammelten Schriften werde ich wohl ewig gedenken, und die Wünsche für