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teil eures unvorsichtigen Betragens unterrichtet, durch mich unterrichtet, denkt euch die Folgen, und zittert.

Otto von Wittelsbach an Elise und Beatrix.

1210.

Was tat ich euch, ihr Töchter Philipps, dass ihr mich so grimmig verfolgt? Ihr fordert das Blut eures Vaters von meinen Händen, das weder ich, noch die meinigen, vergossen haben. Ich weis mich keiner Untat schuldig, als des Versuchs, dich treulose Elise, die meiner nun in den Armen eines andern spottet, gewaltsam zu entführen; ein törigter Anschlag, welcher der Wut gehöhnter leidenschaft noch wohl zu verzeihen ist! auch traf er dich nicht ungewarnt, ich sagte dir zuvor, du solltest mich nicht durch deine Härte aufs äusserste bringen, oder dir gefallen lassen, was daraus erfolgte; dies war der Gegenstand meiner Drohungen, die man jetzt wider mich anführt, und mir schuld gibt, ich habe dir den Mord deines Vaters gedroht, an dem ich unschuldig bin, und den ein Mensch oder ein Teufel auf meine Rechnung beging, welchen Gott richte. –

Für meine Unschuld zeugt alles, wenn man nur die Augen auftun wollte, um zu sehen; demohngeachtet muss ich in meinem vaterland wie ein Vertriebener leben. Meine Schlösser wurden geschleift, meine Habe zur gemeinen Beute gemacht, meine Knechte des Gehorsams entlassen, meine Brüder und Verwandte, so unschuldig als ich, (unschuldiger können sie nicht sein,) teilen mein schreckliches los, meine Freunde kehren mir den rücken, öffentlich wütet gegen mich des Kaisers Bann, heimlich tritt ein noch furchtbarerer Feind in meine Fusstapfen, schleicht um mein elendes Lager, das ich in büsche und Felsklippen nehmen muss, und droht mir, den Dolch schlafend ins Herz zu drücken. Ich will mich vor dem Gericht rechtfertigen, dessen Verfolgung mich am meisten ängstigt; aber Todesfurcht, die ich im feld, in tausend rühmlichen Fehden nicht kannte, schreckt mich in meine Höle zurück; der Rächer könnte mir auf dem Wege zum Stuhl der Unfehlbarkeit, wohin ich meine Unschuld tragen will, begegnen, und mich erwürgen. Ich will mein Vaterland verlassen, aber soll Wittelsbach, der nie seinem Feinde einen Fussbreit wich, jetzt wie ein Verbrecher fliehen?

Doch was mache ich! Philipps stolze Töchter könnten auf den Tronen, zu welchen sie blindes Glück und Treulosigkeit erhoben haben, wähnen, der unglückliche Otto flehe ihr Mitleid an! dafür lieber den Tod, der mich schon getroffen haben würde, hätte sich nicht ein Freund, ein Schutzengel zu mir gesellt, dessen Wert, so hoch ich ihn immer schätzte, mir doch erst mit voller klarheit in die Augen leuchtet. –

O Alf von Dülmen, welch ein Freund bist du! – Jetzt da alles von mir zurückweicht, stehst du allein an meiner Seite! suchst mich auf in meiner düstern Einsamkeit, teilst mit mir das Felsenlager und das Mahl von Wurzeln und wilden Früchten, arbeitest für mich, dass ich nicht aus der Sicherheit der Höle entweichen darf, wachst, damit ich ruhig schlafen kann, und schwörst, mich gegen jeden zu verteidigen, der mich antasten will, oder mein Blut wenigstens an ihm zu rächen! –

O Jonatan, mein Bruder, deine Liebe ist zärtlicher als Frauenliebe! Das habe ich erfahren, frage meine treulose Braut auf dem kastilischen Trone, frage die stolze kaiserin Beatrix, sie werden dir mit Erröten den Vorzug lassen müssen, ob du gleich mir täglich sagst, du opferst mir nichts mit deinem Leben, du seist selbst ein Verbannter, ein Verbrecher, der Urheber meines Unglücks, und wie die Worte alle lauten, mit welchen du die unglaubliche Treue, die du mir erzeigst, herabsetzen, und meinen Dank schwächen willst.

Lebt wohl, Prinzessinnen, ehemals meine Freundinnen, jetzt grimmige Verfolgerinnen, die nach meinem Blute dürsten, fast hätte ich vergessen, dass ich mit euch, nicht mit dem redete, der jetzt der einige Gegenstand meiner Liebe ist; durch seine Vermittelung komme dieses Blatt in eure hände; es lehre euch, dass mich eure Wut doch nicht des besten Guts, das die Menschheit kennt, eines Freundes, berauben konnte.

Beatrix an die prinzessin Elise von Kastilien.

1210.

Mein los ist entschieden. Morgen trete ich die Reise nach Frankfurt zu meinem Gemahl an; ach Schwester, warum ist mir mein Herz so schwer? Otto ist ja liebenswürdig, er liebt mich, er wird mir keine der Bitten versagen, die ich auf dem Herzen habe, und um derenwillen allein ich kaiserin zu sein wünsche: des Pfalzgrafen Rechtfertigung, die Begnadigung des unglücklichen Alf von Dülmen, dessen Name mir wohl ewig eine Quelle von Tränen bleiben wird! –

Ich kann, ich kann nicht bereuen, was ich für ihn fühlte, aber unablässig wird mein Herz fragen: Warum musste ich mich so schrecklich in meiner Wahl irren? Woher diese unglaubliche Vorliebe zu einem Menschen, der mir das grösste Leid zufügen sollte? Was machte den zu einem Verbrecher, der in jedem zug das Bild der höchsten Tugend trug?

Ich leide unbeschreiblich bei Betrachtungen von dieser Art, gleichwohl wollen es Pflicht und Wohlstand, dass ich heiter scheine; was würde man von den Tränen einer königlichen Braut denken? Sie zu hemmen, muss ich mich vom Nachdenken gänzlich losreissen. Alverde, welche von einer schweren Krankheit genugsam hergestellt ist, wieder meine Gefärtinn und Ratgeberinn zu sein, zürnt schon mit mir, dass ich durch das Schreiben an dich meine erkünstelte Heiterkeit trübe; sie hat mir die erlaubnis abgenötigt