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du nicht, Beatrix, sagte die arme Alverde zu mir, meinst du nicht, dass ich mich bald zum ewigen Schlafe niederlegen muss, wenn ich ruhig und ungefoltert sterben will? Ich schloss sie in meine arme. Wenn Beatrix kaiserin wird, sagte ich, so wird sich niemand unterstehen, ihre Busenfreundinn anzutasten. Du vermissest dich viel! antwortete sie; wollte Gott, das Gute wäre alles schon getan, das du dir in den Sinn nimmst.

Uebrigens sprechen wir wenig von den Dingen, die uns am meisten am Herzen liegen, und nichts von dem Inhalte ihres letzten schrecklichen briefes; ich fühle die notwendigkeit, sie auf alle Art zu schonen. Sie muss wissen, dass ich jedes Wort desselben verstehe, sie schrieb ihn vielleicht in der Absicht nicht unmittelbar an dich, dass ich ihn lesen, und aufs wenigste Mutmassungen fassen könnte, die mich zu meiner Pflicht antrieben. Sie handelte recht; die Bande, welche mich an den unglücklichen Alf von Dülmen fesselten, mussten gewaltsam zerrissen werden, wenn der Kaiser nicht abgewiesen werden sollte.

O Alf von Dülmen! Alf von Dülmen! wer hätte das von dir gemeint! noch bist du mir ein Rätsel! Verführung und halber Wahnsinn machten dich zum Mörder, sagtest du? – Ach ja wohl Verführung! Auch wir sind in ihre Stricke gefallen, auch uns hat sie zu Mörderinnen gemacht! sind du und der Pfalzgraf nicht zu retten, so klebt euer Blut an unsern Händen!

Peter von Kalatin an den Herzog von **

1209.

Musste es so mit mir enden? – Ja, ich hasste diesen Otto von Wittelsbach, weil er mit Verachtung auf mich herabsah, hasste den sogenannten Alf von Dülmen, weil er sich höher geschwungen hatte, als ich je mich schwingen werde, und weil er übermütig genug war, mir seine Schwester zu versagen; aber wäre die Demütigung meiner beiden Feinde erfolgt, wär Alverde die Meinige geworden, so wär ich befriedigt gewesen, Ottos und Adolfs Mörder wünschte ich nicht zu werden.

Und doch bürdet mir das Schicksal diese schreckliche Rolle auf. Als Mitglied des grossen Bundes bestimmte mich das los zum Ausrichter der heimlichen Rache, die – o es ist entsetzlich zu sagendie die Schwester wider ihren Bruder aufgerufen hat! – Als Untermarschall des Reichs habe ich die Obliegenheit, die Verfolgung des Pfalzgrafen zu veranstalten, treffe ich ihn persönlich, so haftet mein Leben für das seinige, ich muss sterben, oder ihn mit dieser Hand erwürgen! grauenvolle Pflichten, welche die schreckliche Göttinn, die wir Gerechtigkeit nennen, von uns heischt! – Sind beide Angeklagte schuldig, oder ist es nur einer? sollen beide büssen, was nur einer verschuldete? und warum muss ich ihr Henker sein? – Ach das dachte ich nicht, da ich die ersten Feindseligkeiten wider sie begann, das dachte ich nicht, da ich mich durch römisches Gold zu falschen Schritten verleiten liess; demütigen wollte ich die Stolzen, ihr Blut vergiessen wollte ich nicht! –

Ihr sagt, dass ich gleichwohl der erste war, der den Verdacht des Kaisermords wider sie erweckte; doch geschahe dieses nicht, um die Heiligkeit unsers Bundes zu retten, um der Gerechtigkeit, die im Verborgenen richtet, den Namen der unbefleckten, untrüglichen auf ewige zeiten zu erhalten? – Ihr, Herzog! ihr gabt die Losung zu allen diesen Gräueln! ihr liesst euch zu strafbarer Vertraulichkeit mit römischen Spionen verleiten, ihr schwatztet aus, was verschwiegen bleiben sollte, ihr gabt dadurch unsern Feinden die Mittel an die Hand, unserer Gerechtigkeit statt der heiligen Hülle gefärbte Gläser vorzuschieben. Vor eurem Gericht kam die ungeheure Beschuldigung des nun ermordeten Kaisers zu stand, ihr rüstetet die Rächer aus, ihn für ein Verbrechen zu bestrafen, das er nicht begangen hatte; die Tat geschah, und nun sollen die Täter für ein Verbrechen sterben, das eigentlich ihr beginget.

Herzog! Herzog! die Rache tritt auch in eure Fusstapfen, ich will euch glauben, dass ihr getäuscht, dass ihr in einen Wirbel von falschen Schritten gezogen wurdet, ohne es fast gewahr zu werden; aber soll das Auge des Richters so leicht zu täuschen sein? soll sein Fuss so leicht von dem rechten Pfade abirren? – Gesteht, dass ihr euch der hohen Würde eines Stellvertreters des weisen Bernhard von Sachsen ganz unwürdig erzeigt habt, stehet auf aus dem Gericht, wo ihr nicht mehr Platz haben könnt, da das Blut der Unschuld, da Philipps, Wittelsbachs, und Graf Adolfs Blut, da auch das meinige an euren Händen haftet. Stehet auf, Herzog, von dem heiligen Stuhl, ehe man euch mit Gewalt hinwegreisst.

Euch das Elend, dessen ursache ihr waret, vor Augen zu legen, euch vor dem zu warnen, was euch selbst betreffen könnte, das ist der Endzweck dieses Briefes. Lasset ab von den römischen Verbindungen, in welche ihr, wie man versichert, euch immer tiefer verwickelt. Man hat euch die geheime Einrichtung des allsehenden Gerichts abgelauscht, um seine Macht an sich zu reissen, oder ihm ein anderes an die Seite zu setzen, welches sein Nebenbuhler werden, das unsrige verschlingen, und lange nach seinem Untergang noch existiren kann, da man bei seiner Gründung weniger auf die Nachahmung unserer Gerechtigkeit als derjenigen Dinge sehen wird, die unsern Bund zum Schrecken der Menschheit machen.

Noch einmal Herzog! legt eure Würde gutwillig nieder, ehe man euch die Zeichen derselben mit Gewalt entreisst. Schon ist unser weises Oberhaupt von dem grössten