der Hölle, der Kaisermord erfolgte, und noch hatte jene beiden niemand von den unsern gesehen; grosse Veranlassung für uns, einen von ihnen oder beide für die Täter zu halten, und sie mit dem Rachschwerd zu verfolgen.
Dicke Nacht liegt hier noch über Schuld und Unschuld verbreitet, selbst unser Auge, das sonst alles durchdringet, ist zu schwach, hier deutlich zu sehen. Otten von Wittelsbach hält das ganze Reich vor den Mörder, der Bischof von Speier hat wider ihn zu Frankfurt gezeugt, und er und seine Brüder sind in die Acht gesprochen. Dagegen klagen Kaiser Philipps Töchter an unserm Trone, aber nicht gegen Wittelsbach, dessen Unschuld sie nicht unwahrscheinlich beweisen. Sie rufen Rache in alle vier Winde, sie fordern uns auf, den unbekannten Mörder ihres Vaters aufzufinden, und denn zu richten, und siehe, Alf von Dülmen steht auf, und bekennt sich selbst zu der Tat. –
Auf! Kalatin, du weisst was in solchem Fall unsere Rache heischt, auf! denn dir ist das los gefallen, der Bluträcher zu sein, und den Kaisermörder zu richten, wo du ihn findest; säume nicht, damit die gemeine Gerechtigkeit nicht ihrer Schwester ein Opfer raube!
Alverde an Beatrix.
1209.
Ich liege zu Regenspurg krank, liebt mich Beatrix, so wird sie kommen, meine letzten Seufzer aufzufassen, denn ob ich gleich eine Wiedergenesende heisse, obgleich die ärzte, die man wider meinen Willen mir zu hülfe rief, mich so weit gebracht zu haben glauben, dass sie mir den Gebrauch der Feder gestatten können, so ist diese Besserung doch nur scheinbar; ich werde und will nicht leben! Der Tag täuscht meine Helfer, mein Befinden ist während desselben erträglich. Aber die Nacht ist meine Peinigerin! in ihren düstersten Stunden tritt allemal eine Furie an mein Bette, und wiederholt mir das, was ich sah, und das was ich hörte, und foltert mich mit den Schrecknissen der Zukunft. Sie nennt mich Brudermörderin, und reisst durch lebendige Vorstellung von dem, was ich tat, und was ich so wohl vermeiden konnte, jede Nacht einen teil von meinen Leben ab. Der Rest, der noch vorhanden ist, kann nicht gross mehr sein, vielleicht ist er aufgezehrt, ehe ihr, teure Beatrix, meine Bitte erfüllt, vielleicht, ehe dieser Brief noch vor eure Augen kommt.
Im Fall denn, dass ich euch diesseit des Grabes nicht wiedersehe, und euch mündlich gewisse Aufträge an eure Schwester, die Prinzessin von Kastilien geben kann, so vergesset nicht, was ich euch schriftlich sage, ihr wörtlich kund werden zu lassen. Euch wird es rätselhaft sein, aber ich bitte euch, grübelt nicht zuviel in diesen Dingen, wenn ihr euer eigenes Herz nicht durchbohren wollt. Vergesst Alf von Dülmen, vergesst Alverden, seine unglückliche Schwester, werdet die Gemahlin des edlen Mannes, den euch der Himmel zuführt; der Kaisername ist Ottos kleinstes Verdienst, ich sagte euch dieses oft, wenn ich euch durch Vorstellung eurer Bestimmung, von einer blinden leidenschaft ablenken wollte. O, Beatrix, wissen wir auch allemal was wir wählen, oder was wir wünschen? Das Schicksal entreisst uns den Gegenstand unserer Wahl, und bietet uns einen andern, wir erheben ein grosses Geschrei, und wissen nicht, dass es unser Unglück war, was wir unser Bestes, was der Himmel für uns wählte. –
Ich wiederhole es euch nochmals, Prinzessin, schlagt Ottos dargebotene Hand nicht aus, vergesst Alf von Dülmen, und werdet Kaiserin; dass euch das Glück10 reicher als eure Schwestern machte, mag euch nichts zum frohen Leben helfen, wenn ihr töricht genug seid, um einer Chimäre willen den Sohn Heinrich des Lowen, den edlen Otto auszuschlagen, und dadurch den Tadel der ganzen Welt auf euch zu ziehen. Der Rang, den euch der Himmel anweisst, gibt euch aufs wenigste den Trost, den Wunsch eurer Eltern erfüllt zu haben, und für Eure11 unmündige Schwester mit mehreren Anstand sorgen zu können. Nehmt dieses als die letzten Ratschläge einer sterbenden Freundinn, und vernehmet jetzt, was ich euch an Elisen aufzutragen habe.
Nach manchen innerlichen Kämpfen, fasste ich den Entschluss dahin zu gehen, wohin sie mir Auftrag gab; ich wankte lang, doch ich wähnte selbst bei der Sache interessirt zu sein, und Freundesrat bestimmte mich völlig. Der Bischoff von Sutri wusste, und billigte jeden meiner Schritte.
So rüstete ich mich denn. Ich verhüllte mich in Trauergewand, bloss aus Rücksicht auf den Wohlstand, wie ich meinte, aber sollte nicht geheime Ahndung mich bei meiner Wahl in dieser Kleinigkeit gelenkt haben? Ahndung, dass ich von nun an zu ewiger Trauer bestimmt sei! Es ist möglich, dass ich im Drang unerklärbarer Gefühle, zu meinen Frauen Worte gesagt habe, welche halbe Deutung auf mein Geschick haben könnten; ich weiss nicht mehr, was ich sagte.
Ein heimliches Grauen befiel mich, ob dem Wege den ich betreten sollte, doch betrat ich ihn einsam, so wollte es meine Anweisung. Es dauerte nicht lang, so fand ich meinen Führer, er leitete mich, ob nahe oder fern, ob in Stunden oder Wochen, das tut nichts zur Sache, genug er leitete mich an den Ort, wo die Richter richteten; eine geschlossene Ehrfurcht gebietende Versammlung! Als Klägerinn trat ich vor derselben auf und zitterte, was muss hier der Beklagte fühlen! –
Man bedeutete mich, nicht ehe zu sprechen bis ich aufgefordert würde, und