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Frankfurt zu besuchen, vor dem Kaiser um Recht zu flehen, liess ich mich wahrlich mehr aus Liebe als aus kindlicher Pflicht bewegen; Rache kann, wie ich schon vorhin sagte, mir meinen Vater nicht wiedergeben, aber Rache, wenn sie den rechten Mann trifft, kann wohl den Unschuldigverleumdeten rechtfertigen, und mir den Gedanken an ihn erlaubt machen! –
Ach dieser Gedanke möchte mir wohl nun auf ewig verboten sein! Des Kaisers Absichten auf mich sind ernstlich, man sagt, er sei über meine schnelle Abreise aus Frankfurt in Verzweiflung, er habe gewähnt, ich sei aus Zorn geschieden, weil er mein Gesuch mit den Worten abschlug: "Kaiser Philipps Mord sei in so dichte Dunkelheit gehüllt, dass kein anderer als Gott den Mörder richten könnte."
Bei Gott! dies war nicht die ursache, warum ich mich so bald zurückzog; ich wusste ja kaum ob ich das wünschte, was ich am Trone suchte, wie hätte mich die Verweigerung beleidigen sollen; aber den Eindruck, den ich auf dem Kaiser machte, sah ich, seinen Fortgang wollte ich hindern, darum flohe ich.
Der Bischof von Speier, welcher dem Kaiser die Reichskleinodien nach Frankfurt überbrachte, und dem ich auf halben Wege begegnete, schalt mit mir über meine Flucht, er drang auf meine Rückkehr, und schwur, als ich mich weigerte, er wolle die Sache zu meinem Glück schon zu endigen, und meine begangenen Fehler auszugleichen wissen.
Glück, Alverde, was nennen diese zudringlichen Freunde Glück? dass ich Kaiserin werde? – O wie armselig gegen den Wunsch meines Herzens, Liebe und Leben an der Seite des Mannes, den ich mir wählte!
Kaiser Otto IV. Erklärung.
1209.
Nachdem es uns obliegt, das Blut unsers in Gott ruhenden Vorgängers auf dem Kaiserstuhl von den Händen des Mörders zu fordern, und dadurch Flecken auszutilgen, welche man unserer eigenen Ehre anhängen könnte; so erging schon längst in alle Gegenden des deutschen Reichs unser gemessener Befehl zu Entdeckung und Bestrafung des Mörders; allein da das erste unmöglich war, so blieb es auch das andere.
Jetzt, da Kaiser Philipps Tochter an unserm Trone um Rache flehte, welche wir anfangs nur darum zurückwiesen, weil wir ihrem Gesuch nicht nach Maassgabe der Gerechtigkeit Gnüge tun konnten, jetzt, da der Bischof von Speier und Anton von Hagenau, als persönliche Zeugen beim Kaisermord, den sie doch nicht hindern konnten, einmütig den Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach den Täter nennen, jetzt sehen wir uns genötigt, die Acht, welche wir gleich anfangs über den Verbrecher und seine Brüder ergehen liessen, nochmals zu erklären, letztere all ihrer zeitlichen Habschaften auch Ehrenämter und Titel verlustig, und erstern vorgemeldeten meuchelmörderischen Pfalzgrafen, für Vogelfrei zu erklären; so dass jedermann, (laut unserer ersten Erklärung, welche wir über die person des Kaisermörders zweifelhaft gemacht, zurücknehmen mussten,) ihn ungestraft tödten könne, wo er ihn findet, damit das unschuldig vergossene Kaiserblut von unsern Tron und unsern Landen hinweg getan, und die Rache des ewigen Richters von uns gewendet werde.
Kaiser Otto an Beatrix.
1209.
Prinzessin, eure Wünsche sind erfüllt, die Rache folgt den Fusstapfen des mörderischen Wittelsbach, nur Täuschung konnte mich bewegen, euch Recht zu versagen; jetzt, da der Bischof von Speier mir die Augen öffnet, jetzt, da zwei Augenzeugen die Untat des Pfalzgrafen gewiss machen, jetzt sollt ihr sehen, dass ich Kaiser bin, und zu strafen wisse.
O dass ich hoffen könnte, nur Unwille über den, der es wagte, euch die erste Bitte zu versagen, nicht Abneigung gegen meine person, nicht Hass gegen den alten Gegner eures Vaters, nicht Verachtung gegen den, welcher ehemals seine Augen vor seinem Glück verschloss, habe euch bewogen, Frankfurt so schnell zu verlassen! Bischof Konrad versichert mich davon, o dass ich die Bestättigung aus eurem mund oder von eurer Feder erhalten möchte!
Meine Gesandten haben Befehl mit euch, euren Vormündern, und euren Verwandten über die Angelegenheit, welche das Glück meines Lebens betrift, über eure Erhebung auf den Tron Unterredung zu pflegen; wie selig würde ich mich schätzen, mir eure Huld um eine Krone einzutauschen! wie selig Philipps Andenken, zu dessen Feinde mich nur mein böses Schicksal machen konnte, in seiner Tochter Gerechtigkeit wiederfahren lassen zu können.
Herzog Bernhard an Peter von Kalatin.
1209.
Dein Eifer um die Rechte der heimlichen Gerechtigkeit, war löblich. Deine Anzeige indessen, was man zu Pamiers hinter meinem rücken, vielleicht in Hoffnung, meine Krankheit sollte mein Tod sein, begann, hochnötig und Lohns wert, auch weisst du, dass verschiedene Warnungsschreiben aufs schleunigste von uns an diejenigen ergingen, die von einer falschen Temis, der Nachäfferin der unsrigen Auftrag erhalten hatten, ihre hände mit dem Blute Philipps zu beflekken, welcher vielleicht in mehr als einer Betrachtung sorgfältig, doch in Rücksicht auf das angeschuldigte Verbrechen unschuldig war. Alf von Dülmen und Otto von Wittelsbach wurden vor unsern freien Stuhl nach *** geladen, teils von der Untat, welche eine feindselige Macht ihnen aufbürden wollte, abgehalten zu werden, teils Rechenschaft über verschiedene dir bewusste Verbrechen abzulegen; man beschuldigte beide eigenmächtiger Schritte ohne Vorwissen des heimlichen Bundes, beschuldigte besonders den Pfalzgrafen eines Mangels an Verschwiegenheit, dessen Folgen wir bereits nur gar zu deutlich spüren, ursache genug für uns, zu rufen, und für jene eilig zu erscheinen.
Aber unser Ruf erreichte ihr Ohr nicht, oder blieb von ihnen unbefolgt; die schwärzeste Tat