ich unumschränktes Vertrauen habe.
Alverde an die Prinzessin von Kastilien.
1209.
Der Schritt, zu welchen ihr mich aufruft, ward mir wegen meinen eigenen Angelegenheiten bereits geraten. Ich eile, eure Befehle zu erfüllen, ich werde in eurem Namen Rache für einen ermordeten Vater, in dem meinigen Rechtfertigung eines unschuldig verleumdeten Bruders flehen! – Es ist schrecklich, es euch zu sagen, aber wegen Aehnlichkeit der Gestalt beginnt man auf Alf von Dülmen das Verbrechen zu wälzen, welches man hier und da von des Wittelsbachers Schultern nimmt. O dass beide zur Stelle wären, um sich zu verteidigen! Doch vor jenen furchtbaren Richtern, die ich besser kenne als ihr denkt, kann sich niemand bergen, ihr allmächtiger Ruf vermöchte wohl Schuld und Unschuld aus dem Schooss der Erde herauf zu holen.
O Prinzessin! es ist ein schwerer gang, den ich unternehme, doch Freundesrat, Freundespflicht und Schwesterliebe leiten mich, wie kann ich irren?
Beatrix an Alverde.
1209.
Ich komme von meiner unglücklichen Reise nach Frankfurt zurück, ich eile auf mein Schloss Frankenstein, dahin ich dich beschied, ich denke in deinen Armen mein ganzes Herz auszuschütten, und ich vernehme, dass du zwar hier gewesen, aber schnell davon geschieden bist. Deine Abreise trägt die seltsamsten Spuren des Geheimnisses. Um Mitternacht in Trauergewand, ohne alle Begleitung, hast du das Schloss verlassen.
Deine Weiber, die mir weinend entgegen kamen, wollen dich vor dem unerklärlichen Schritte in ausserordentlicher Bewegung gesehen haben, du sollst die Jutta, welche du immer am meisten liebtest, und die dich ungeachtet deines Verbots weiter als ihre Gespielinnen begleitete, noch einmal umarmt, und zu ihr gesagt haben, bete für mich, gutes Kind, ich weiss nicht ob ich zum Leben oder zum tod gehe! –
Ich habe mit den Ueberbringerinnen dieser unerklärlichen Nachrichten gescholten, sie hätten dich schlechterdings nicht allein lassen sollen, wer weiss, zu was für Ausschweifungen dich der Trübsinn, der dir nach den letzten Trauergeschichten anhängt, und die Einsamkeit, in welcher du hier gelebt haben sollst, gebracht haben.
Ich höre, dass du niemand gesehen hast, als den Bischof von Sutri, und meine Mutmassung, dass er um deine Angelegenheiten wissen muss, ist wohl nicht ungegründet; ich habe schon mit ihm hierüber gesprochen, ohne etwas ergründen zu können. Nur in einem hat er mich beruhigt: Ich besorgte, Kalatin, der, wie ich weiss, dir noch immer nachstellt, habe dich zu verlocken gewusst, und du seist vielleicht in seine hände geraten; Sutri versichert mich vom Gegenteil, und setzt das Versprechen hinzu, dir einen Brief von mir in die hände zu liefern; so weiss er doch wo du bist, also kennt er doch die Mittel zu dir zu gelangen? – Wer mag sich in diese Bischöfe finden! auch ich habe mich nur allzuoft von ihnen lenken lassen, und jetzt sehe ich die Folgen davon, Folgen, die ich ewig bereuen werde! Gebe Gott, dass du nicht das nehmliche erfahrest: Höre hier das vornehmste meiner letzten geschichte, das ich dir mitteilen muss, um mein Herz nur einigermassen zu erleichtern.
Von Sutri angefeuert, entschloss ich mich zur Reise nach Frankfurt; ich glaubte dem tod entgegen zu gehen. Beides der Ort, wohin, und die ursache, warum ich reiste, missfiel mir. Ich sollte Rache über das vergossene Blut desjenigen flehen, welchen keine Ahndung der Schreckenstat in die arme seiner Kinder zurückbringt, sollte dieses verabscheuungswürdige Gesuch bei demjenigen anbringen, den ich hasste, ohne ihn je gesehen zu haben, bei Otto, dem nunmehrigen Kaiser, dem Gegner meines unglücklichen Vaters bei seinen Lebzeiten, jetzt dem Besitzer seines Trons, bei ihm, mit dessen Heirat ich von Kindheit auf gequält wurde, und der, als ich ihm endlich angetragen ward, mich verschmähte.
Er verschmähte mich, weil er mich nicht kannte, dies sagte man mir tausendmal, und o möchte er mich doch nur nie kennen gelernt haben! Aber ich habe ursache zu glauben, dass man mich nur darum zu dieser Reise veranlasste, um mich ihm vor die Augen zu bringen; – man hat seine Absicht erreicht, der Kaiser hat mich gesehen, in einer unglücklichen Stunde gefiel ich seinen Augen, und er hat Unterhandlungen verneuert, welche er einst selbst abbrach.
Alverde, ich kann nicht sagen, dass Otto, der Kaiser mir missfällt, er ist ein schöner, und wenn die gemeinen Regeln der Gesichtskunde nicht trügen, ein edler Mann, ich hätte ihn vielleicht lieben, hätte ihn wenigstens dulden können – wenn kein Alf von Dülmen in der Welt gewesen wär. – O, meine Schwester, verzeihe mir das nochmalige geständnis einer Schwachheit, die du nie billigtest, ich liebe deinen Bruder, ich werde ihn ewig lieben, der Kummer um ihn ist jetzt, da ich bereits alles verlohren habe, was mir das Leben lieb machte, da ich nach dem tod angebeteter Eltern für kein andres Leiden Gefühl übrig haben sollte, noch immer stark genug meine umwölkten Tage noch mehr zu trüben. O, Alverde, wo mag Alf von Dülmen sein? wo mag er verweilen, dass er nicht die Flecken abwischt, welche man seinem guten Namen anhängt! Es war mir schon entsetzlich, Otten von Wittelsbach, meinen Freund, den Liebling meiner Mutter, den Verlobten meiner Schwester, Kaisermörder schelten zu hören, denke was ich fühle, wenn man den Mann meines Wunsches und meiner Wahl mit diesen Namen brandmarkt