angebenden Genesung erfreuen." – Wie? schrie ich, die prinzessin von Schwaben ist ihrer Schwester nicht nach Kastilien gefolgt? – Glaubt denn Alverde, antwortete mir ihre sanfte stimme, dass ich sie hier krank, und unberaten verlassen konnte?
Ja, Zyrill, Beatrix war grosmütig genug gewesen, um meinetwillen in dem unruhigen Teutschland zurück zu bleiben, und die Wartung einer kranken Freundinn, der Teilnahme an dem königlichen Empfang ihrer Schwester vorzuziehen. Zyrill, denkt Euch meine Rührung! – Reden, danken, konnte ich nicht, aber ich schmiegte mich mit strömenden Augen in ihre arme.
Beatrix ist nicht so leichtsinnig, sagte die prinzessin, als du sie deinem Freunde schildertest, ich habe den Brief an ihn, an dessen Versiegelung der schnelle Einbruch deiner Krankheit dich hinderte, gelesen, und ihn abgeschickt. Zyrill ist verständig genug, mich nicht übereilt zu beurteilen; und was ich versah, das sollen meine nachfolgenden Handlungen vergüten.
Ach Beatrix, schon die gegenwärtige löscht jedes Vergehen aus, und macht mich zur Verbrecherinn!
Jetzt nichts mehr hievon, Alverde! sorge für deine völlige Wiederherstellung, und traue mir zu, dass ich mich über manches, das du tadelst, rechtfertigen kann.
Die Zeit dieser Rechtfertigung ist gekommen, aber sie tut mir bei weiten nicht völlig genug, sie zeigt mir nur so viel, dass der Bischof von Kastilien und der von Sutri der armen Beatrix zu mächtig waren. Auch kann ich ihr und ihnen bei kaltem Blute nicht ganz unrecht geben; ohne Zweifel ist der Stand einer kastilischen königin dem einer verwaissten prinzessin, die der Gnade des nunmehrigen Kaisers leben muss, weit vorzuziehen; Wittelsbachs Unschuld war in dem Augenblick, da Beatrix ihre Schwester zu dem unwiderruflichen Ja bereden half, noch unbekannt, und wär sie auch damals schon so erwiesen gewesen als jetzt, da sich des Pfalzgrafen Abwesenheit zur Stunde des Kaisermords bestättigt, da mehrere Umstände zu seinem Vorteil reden, hätten ich und sie dieselbe schon damals so fest als jetzt geglaubt, was hätte dies gefruchtet? Wittelsbach wird immer nur vor den Augen Weniger entschuldigt, immer in dem Urteil des grossen Haufens ein Kaisermörder bleiben; ist dieses nicht genug, das Band zwischen ihm und Elisen völlig zu zerschneiden? oder hätte Philipps Tochter den Fluch und die Verachtung der ganzen Welt dadurch auf sich laden sollen, dass sie ihre Hand demjenigen gegeben hätte, den jederman für den Mörder ihres Vaters hält.
So urteile ich jetzt, so hat mich Beatrix und der Bischof von Sutri urteilen gelehrt, dieser weise Mann ist noch immer bei uns, auch über ihn hat sich mein Urteil geändert, es gibt der Leute viel, welche durch genauere Kenntniss gewinnen, und wenn ich mich auch vor diesem, von welchem ich jetzt spreche, immer wegen seines Scharfsinns, der ihm aus den durchdringenden Augen leuchtet, fürchten werde, so wird sein Herz mir doch schätzbar bleiben, von dessen Güte er täglich tausend Beweise ablegt.
Eins tadle ich an ihm, und finde es nicht ganz einstimmig mit den Lehren des Evangeliums, die er annimmt, und die ich zu Pamiers noch deutlicher kennen lernte: – Er predigt mir und Beatrix ohne Unterlass die Rache. – Ihr sagt er, es komme der Tochter des ermordeten Kaisers zu, den Bluträcher wider den, welcher sein Blut vergoss, aufzurufen, und mich erinnert er, dass es meine eigene Ehre, die Ehre meines Hauses wolle, auf die Kundmachung und Bestrafung des wahren Täters zu dringen. Seit man sich hier und da, sagt er, mit der Mutmassung trägt, der Pfalzraf könne unschuldig sein, seitdem erheben sich Gerüchte, die ich, um euch zu schonen, nicht einmal erwähnen würde, wenn euch nicht die Pflicht zufiele, sie zum Stillschweigen zu bringen. Euer Bruder, edle Alverde, fährt er fort, ward zur nehmlichen Zeit vermisst, da der Kaisermord geschah, war es möglich, die Gestalt des Grafen von Wittelsbach mit der irgend eines andern zu verwechseln, so fällt aller Verdacht auf Alf von Dülmen, welcher ihm an ausserordentlichem Wuchse hier bei hof noch der ähnlichste ist.
Ihr werdet mir glauben, Zyrill, dass solche Aeusserungen mich zittern machen, ich verteidige meines Brudens Unschuld, ich erweise, dass er in jener grauenvollen Stunde krank im Pallast des Wittelsbachers daniederlag, dass sein schnelles Verschwinden sich anders deuten lasse, und dass noch über das alles sich ja gar keine Vermutung zeige, was sein Schwerd gegen den Kaiser gerichtet haben könne, mit dem er nie in besonderer Verbindung stand, der ihn nie, wie etwa den Wittelsbacher, zu persönlicher Rache reizte. Sutri versichert mich hier mit dem Ton fester Gewissheit, den er all seinen Worten zu geben weis, dass gegen ihn die Verteidigung meines Bruders ganz unnütz sei, dass er nicht einen nachteiligen Gedanken von ihm hege, aber um so viel mehr fährt er fort, muss ich auf seine Rechtfertigung dringen, wozu man euch zu seiner Zeit die Mittel anweisen wird.
Dergleichen gespräche habe ich viel mit dem Bischof von Sutri gehabt, ihre wahre Deutung und ihren Erfolg werdet ihr und ich erst in der Zukunft erfahren. Aehnliche Unterhaltungen fallen auch zwischen ihm und der prinzessin vor, sie ist fest entschlossen, zum nunmehrigen Kaiser, dem ehmaligen Herzog Otto von Braunschweig, zu ziehen, und Rache des vergossenen Blutes von seinen Händen zu fordern.
Ich zittre! ein Rache flehendes Weib, welch ein empörender Anblick! gleichwohl dringt man von allen Seiten mit der notwendigkeit dieses Schrittes auf sie ein