dass man ihn aus der Acht liess, er muss ganz bloss entflohen sein, denn nichts von seinen Sachen, die man ohnedem vor ihm verschlossen hatte, vermisst man, und selbst sein Nachtgewand, darin er das Bette verliess, hat man in einem Winkel des Hauses gefunden.
Hier also neue ursache für mich zu Gram und Verzweiflung, ich hatte also auch den Bruder verloren, der auf die letzt mir seine Liebe ganz entwendet hatte, mich nicht einmal vor sich lassen wollte, weil er glaubte, ich habe in seinen Abenteuern mit der gräfin von Toulouse nicht zu seinem Vorteil gehandelt.
Die Angst um Elisen machte, dass ich diesen neuen Schlag des Schicksals nur halb fühlte. Sie musste schleunige Rettung haben, und ich suchte sie bei den kastilischen Gesandten, welche, ungeachtet sie mit ihrer Werbung vom Kaiser abgewiesen worden waren, doch noch hier verweilten, weil sie gehört hatten, er habe in seinen letzten Augenblicken noch einige Worte zum Besten ihres Herrn mit der prinzessin gesprochen; dies ist nur allzuwahr, und ich weis nicht, was die Folge davon sein wird, und ob ich das, was wahrscheinlich geschehen muss, billigen oder tadeln soll.
Durch hülfe der kastilischen Gesandten, besonders des tapfern Grafen Kastelmoro, sahen wir des andern Morgens unsere Elise uns wieder geschenkt, er hatte sie noch eher ereilt, als sie von Wittelsbachs Reisigen in die arme ihres wartenden Herrn geliefert wurde. Der Schrecken hat die Geraubte so krank gemacht, dass sie den Pallast der Gesandten, in welchen sie ihr Retter brachte, noch nicht hat verlassen können. Ihre Schwester, die prinzessin Beatrix ist bei ihr, und vereinigt sich mit dem Bischof von Sutri, dem von Speier, und dem von Kastilien, der unglücklichen Dame begreiflich zu machen, dass sie verbunden ist, den letzten Willen ihres Vaters zu erfüllen, und in den Armen des kastilischen Prinzen den Schutz zu suchen, den ihr kein Ort, selbst kein Kloster vor Angriffen des wütenden Wittelsbachers geben wird. –
Noch schützt sie sich mit der fehlenden Einwilligung ihrer Mutter, aber wie wird ihr geschehen, wenn sie erfährt, dass die vortrefliche Kaisersinn nicht mehr ist!
Die Schreckenspost von Philipps Ermordung durch Wittelsbach, hat ihr eine frühzeitige Niederkunft, und durch dieselbe den Tod gebracht. Am Ende dieses Schreibens erhielt ich die Nachricht von der Oberhofmeisterinn, mit Bitte sie den Prinzessinnen behutsam beizubringen. –
Wie kann ich das? Wie kann ich ihnen den Dolch in die Brust stossen, ohne sie zu töden? – Hier ein Schreiben von der abgeschiedenen Heiligen an ihre Kinder, wie soll ich es ihnen überreichen? –
O mein Vater, mir schwindelt, ich weis nicht mehr was ich schreibe! ich hatte euch noch so viel zu sagen, von dem frommen Bischoff Egbert, und dem treflichen Marggrafen von Andechs, wie sie ihres Bruders des Wittelsbachers Schuld, und seine Durchächtung teilen müssen; alles dieses bleibt nun bis zu besserer Fassung. O Otto! Otto! über wie viel gute Seelen hast du den Fluch gebracht.
Die sterbende Irene an ihre Kinder.
1208.
Kennt ihr noch die zitternden Züge von der Hand Eurer Mutter? – O ich strenge meine letzten Kräfte an sie fest und kenntlich zu machen! Sie sollen die letzte Handlung der Gerechtigkeit vollführen, die mir genseit des Grabes zu tun beschieden war, sollen Euch des Pfalzgrafen Unschuld beteuren. Otto von Wittelsbach ist unschuldig. Zu der Stunde, da mein Gemahl, dem ich in die Ewigkeit folge, unter dem Stahl des Meuchelmörders fiel, hat der Verleumdete an meinem Bette gesessen; Plane für die Zukunft beschäftigten uns, die nun ein einiger Schlag alle zernichtet!
Doch die Ewigkeit wird alles klar machen! – Noch einmal: Otto ist unschuldig! – Kinder! unglückliche verlassene Kinder! meinen Seegen! –
Alverde an den Pater Zyrill.
1208.
Wer kann die Worte einer Sterbenden, die letzten Worte einer Heiligen bezweifeln? Zyrill, ihr habt den Brief der verewigten kaiserin, dessen Abschrift ich Euch auf Vergunst mitteilte, gelesen; wir müssen nach demselben Wittelsbachs Unschuld glauben, obgleich unser Verstand bei der Möglichkeit derselben still steht; und welches sind die Folgen von dieser Entdeckung? – Also wären die Bande zwischen ihm und Elisen noch unzerrissen? also müsste sie allen Hindernissen zum Trotz die Seinige bleiben? – Meinem Urteil nach wär dem also, auch war es ohne Zweifel die Meinung der sterbenden kaiserin dieses zu bewürken. –
Niemand sieht dieses deutlicher ein als Elise, deren Herz noch immer für den Pfalzgrafen spricht, dessen Unschuld sie aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz mit voller überzeugung glaubt. Ach, dass diese überzeugung zu spät kommen müsste, dass sie jetzt nur darum, mit voller Stärke eintritt, um die gequälte prinzessin noch unglücklicher zu machen!
Elise ist seit gestern vermählte prinzessin von Kastilien; absichtlich hielt man mich von ihr zurück, bis die Einseegnung, welche in aller Stille vor sich ging, geschehen war; man wusste, dass ich nicht dafür war, dass die Stelle der gräfin von Toulouse durch eine andere von meinen Freundinnen ersetzt würde, ich kannte die kastilischen Herrlichkeiten zu gut, um Einer meiner Geliebten dieses los zu gönnen, ich wusste, dass dasjenige, was man an der unglücklichen Alix tadelte, was ihr wahrscheinlich den Tod brachte, sich auch bei Elisen fand; ihr versteht mich Zyrillo, ihr habt mit uns in verschiedenen Stücken einen Glauben, und ich kann mich also hierüber deutlicher gegen Euch erklären, als ich gegen einen andern Eures