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Siegerinn ist? – Ach Otto würde kein Verbrecher geworden sein, hätte man nicht durch unablässiges verleumderisches Einhauchen sein Urteil allmählich bestochen, und so ihn nach und nach zu einer Tat bereitet, die nun leider geschehen ist, und die ich Euch nicht erzählen darf, da ihr bereits durch das Gerücht alles vernommen haben werdet.

Man kann sich keine andere ursache denken, warum Wittelsbach die hände mit dem Blute seines Freundes seines Vaters benetzte, als seinen Wahn von der kastilischen Heirat, den ich Unschuldige von andern getäuscht, leider auch mit nähren half und einen Brief, welchen der Kaiser an den Herzog von Pohlen zu Ottos Nachteil geschrieben haben soll, und der, mit sich nun ergiebt, von einem erkauften nun bereits bestraften Geheimschreiber untergeschoben ward!

Mit der kastilischen Heirat hat es die nemliche Bewandniss, es erweist sich, dass die Gesandten um des Pfalzgrafen willen bereits abgewiesen waren und dass der edle Philipp auf keine Art treulos an seinem Mörder gehandelt hatte. Aber wird durch die Erweisung und Kundbarkeit dieser Dinge unsere Lage glücklicher? o nein! wir steigen durch sie noch eine Stufe tiefer in den Abgrund des Elends hinab!

Ein verräterischer Tyrann wird ja nicht so bitter beklagt, als ein gütiger nur verkannter Vater; den Rächer angetanen Unrechts kann man ja weniger verabscheuen, als den, welcher aus blindem Jähzorn seinen Wohltäter ermordete, und wie schrecklich ist es, den verabscheuen zu müssen, den man ehemals liebte!

Elisens Jammer ist nicht auszusprechen. Das Unglück, ihren Vater auf diese Art verlohren zu haben, berechtigte sie schon zu Kummer ohne grenzen, aber ihn durch Wittelsbach verloren zu haben, wer misst das Fürchterliche, das in diesem Umstande liegt? wer kann sie verdenken oder tadeln, dass sie sich selbst Vorwürfe macht, weil auch sie voreilig zu Werke ging, weil sie aus einigen falsch verstandenen Worten in einem Briefe ihres Otto ihn für treulos hielt, und ihn durch Härte und Vorwürfe aufs äusserste brachte?

Zittre vor den Folgen deiner Strenge! schrieb er am Ende jenes unglücklichen briefes, von dessen Beantwortung alles abgehangen zu haben scheint; ach wer hätte sich bei diesem mann die schrecklichen schrecklichen Folgen getäuschter Liebe, die wir nun vor Augen sehen, denken können!

Nun erklärt sichs, dass Philipp unschuldig, dass von Kastilien her nichts zu fürchten, dass Otto nicht treulos, sondern nur Herzog Bernhards Brautwerber um die schöne Adila war, aber die schreckliche Tat, welche auf den falschen Wahn von all diesen Dingen gebaut war, ist nun einmal zur Hölle entschlichen, wer will sie zurückrufen, wer den ermordeten Philipp erwecken, oder Ottos hände von Blut reinigen?

Es ist schrecklich, wie eine Tat wie diese den ganzen Charakter eines Mannes, selbst eines Tugendhelden, wie Wittelsbach, umwandeln kann; hätte ich mir ihn nach verübter Tat vorstellen sollen, so würde ich mir ihn am Abgrund der Verzweiflung, reuig, bekennend, oder aufs höchste sein Verbrechen beschönigend gedacht haben; aber zu leugnen, mit der höchsten Unverschämteit zu leugnen, was vor den Augen mehreren Zeugen begangen ward, zu drohen, noch Plane zu neuen Verbrechen zu machen, wer hätte das in dem edlen Pfalzgrafen gesucht!

Leset diesen Brief, welchen Elise gestern Morgen erhielt, höret, was auf denselben erfolgte, und erstaunet über die Herabwürdigung Eures ehmaligen Tugendhelden. Auf Vergunst der prinzessin mache ich euch zum Vertrauten in diesen Dingen, sie schätzt Euch, wie ich Euch schätze; und nicht allemal mit den strengen Aussprüchen ihres Gewissensrats, des Bischofs von Sutri, gleich zufrieden, will sie auch Eure Meinung über diese Dinge hören.

Hier ist Wittelsbachs Schreiben.

Der Pfalzgraf Otto an Elisen.

Falsche! nicht genug, mich durch deine Härte, durch äusserste gebracht zu haben, willst du mich noch zum Mörder deines Vaters machen? Ich bin es nicht! ein Mensch oder ein Teufel muss meine Gestalt angenommen haben, euch alle zu täuschen, wenn das Ganze nicht nur ein Vorwand ist, dich ohne den Tadel der Welt von mir loszumachen! Wisse, ich lasse dich nicht, und ob heilige Mauern dich bärgen, und ehe der Abendstern zweimal heraufgeht, bist du in meinen Armen. Dieser Brief versetzte uns alle in das heftigste Schrekken, den Beteurungen von Wittelsbachs Unschuld glaubten wir nicht, konnten ihnen nicht glauben, wenn wir nicht die von mehreren Zeugen bestättigte Wahrheit zur Lügnerin machen wollten, aber vor seinen Drohungen zitterten wir. Wir sahen sie noch in selbiger Nacht erfüllt. Gewappnete brachen in das Zimmer der prinzessin ein, und brachten sie davon, Wittelsbach war persönlich nicht gegenwärtig, aber da keiner von seinen vornehmsten Dienern unter den Entführern fehlte, so konnte man die Hand nicht verkennen, welche die angedrohte Tat ausführte.

Ich, welche diese Nacht allein bei Elisen geblieben war, entkam mit Mühe den Räubern, welche auch mich festalten und verhindern wollten, Lerm zu machen. Ich wusste keine tätigere hülfe zu suchen, als bei meinem tapfern Bruder; der Pallast des Pfalzgrafen, in dem er sich bisher aufgehalten hat, stösst an den unsrigen, wenig Schritte brachten mich in Alfs Vorzimmer; hier erfuhr ich erst, dass seine Hüter – (ach der zerrüttete Gemütszustand des Unglücklichen, welchen ich in dem Augenblick, da ich seine hülfe suchen wollte, nicht gleich erwog, hat ihm seit einiger Zeit Hüter nötig gemacht!) – Hier, sage ich, erfuhr ich erst, dass man ihn schon seit vorgestern vermisste; der allgemeine Tumult am Tage der Ermordung des Kaisers muss gemacht haben,