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an den Pfalzgrafen, sich wegen der kastilischen Heirat von seiner Verlobten loszusagen, aber ich, der immer um den Kaiser war, und viel Geheimes aus seinem mund hörte, weis fast mit Gewissheit, dass die Absicht unsers unglücklichen Monarchen war, sich vor dem Pfalzgrafen, wegen eines untergeschobenen Briefes an den Herzog von Pohlen, der ihm zur Last gelegt wird, zu rechtfertigen, und ihm den Besitz seiner Elise, die den kastilischen Gesandten abgeschlagen wurde, von neuem zu versichern.

Während der Kaiser nebst den beiden Bischöfen die zu ihm beschiedenen erwartete, stand ich an der einen Seite der Kabinetstür, und wartete auf Befehl, sie zu öfnen. Ich hörte jemand mit Hastigkeit, in das Vorzimmer eintreten, und bemerkte durch das Seitenfenster den Pfalzgrafen in voller Rüstung mit entblösstem Schwerd, und so festgeschlossenen Helm, als gehe es zur Schlacht und nicht zum Verhör bei seinem Herrn; welchem er sich doch Wohlstands wegen mit entblösstem Gesicht zu zeigen, verbunden gewesen wär, – aber gewiss war dieses auf Geheimhaltung des Verübers der vorhabenden Greueltat abgesehen; als wenn nicht des Wittelsbachers Waffen, und seine Riesengestalt, in welcher er hier bei hof kaum eines Gleichen hat, hinlänglich wären, ihn kenntlich zu machen. – Ich ward gefragt, wer im Vorzimmer tose. Es ist der Herr Pfalzgraf, sagte ich halb lachend, welcher mit seinem Schwerd allerlei wunderliche Gaukelei treibt, er ficht gegen die Wände, kehrt jetzt das Eisen gegen seine Brust, und murmelt unverständliche Worte zwischen den Zähnen.

Er glaubt sich allein, sprach der Kaiser, öfne die Tür, und sage, dass er gebührlich eintrete. Otto trat, oder vielmehr er stürzte herein. Es war, als ob seine Geberde und das fortdaurende Gaukelspiel mit dem Schwerdte schaudern machte. Der Kaiser erwartete seine Anrede, und sagte denn mit mildem Ton: Mein Otto, was ist euch? vergesset ihr ganz, vor dem ihr stehet? – Ha, Verräter schrie der Wahnsinnige, indem er sich auf den Kaiser stürzte, der ihm einige Schritte entgegen trat, ich stehe vor einem verruchten Mörder, den dieses Schwerd richten soll!

Mehr erraten als gehört haben wir diese Worte, jeder von uns will sie anders vernommen hoben; wahrscheinlich hörte keiner ganz richtig, unsere Seele war in die Augen geflohen, wir sahen das Schwerd des Meuchelmörders blinken, wir stürzten hinzu, aber der Kaiser war gefallen, der Täter entflohen, ehe wir beide erreichen, oder das Geschehene hindern konnten.

Kaiser Philipp lag in den Armen des Bischofs von Bamberg, und blutete aus einer fürchterlichen Halswunde, die er empfangen hatte. Ihr seid der Bruder meines Mörders, stammelte der Kaiser, ich vergebe euch und ihm, und will glauben, dass ihr unschuldig seid.

Ich lag vor dem Verwundeten auf den Knien, und bestrebte mich, das Blut zu stillen; der Bischof von Speier stand wie versteinert da, und warf verdachtvolle Blicke auf Bischof Egberten, den ich an der Tat seines Bruders schuldlos halte, und der in einem Zustand war, welcher ihn dem tod fast so nahe brachte, als der verwundete Kaiser war; es eilten mehrere Kammerbediente auf das Geräusch von des Kaisers Fall und den Anblick des fliehenden Mörders, den sie nicht aufhalten konnten, herzu, sie brachten den ohnmächtigen Egbert hinweg, und liefen nach Wundärzten.

Da trat die Prinzessin Elise herein, sie war dem Mörder begegnet, welcher mit dem blutigen Schwerde bei ihr vorbeigestrichen war, ohne von ihr gekannt zu werden, oder sich bei ihr aufzuhalten. –

Doch dies lässt sich nicht beschreiben! – Denkt selbst, was die zärtliche Tochter bei dem blutenden und sterbenden Vater, bei der Nachricht fühlen mochte ihr Verlobter habe ihn ermordet.

Der Kaiser war, während man sich mit der ohnmächtigen prinzessin beschäftigte, verbunden worden, aber die Wundärzte gaben keine hoffnung! – Elise, stammelte er, noch ehe er verschied, dein Wittelsbach, den ich dir so gern gegönnt hätte, ist für dich verloren, du wirst dem Mörder deines Vaters nicht die Hand geben, werde kastilische königin!

Ich werde hier erinnert, der Eil wegen zu schliessen! Gott weis, was ich geschrieben habe, die Wahrheit ist es, das andere entschuldige die allgemeine Bestürzung.

Alverde an den Pater Zyrill

vom heiligen Kreuze.

1208.

Mein Herz braucht Trost, meine Aufführung Leitung, an wen könnte ich mich lieber wenden als an Euch. Ach, mein Vater, die Dinge, von welchen ich Euch zu unterhalten habe, sind Eurem Herzen nicht fremd, sie betreffen die, welche Ihr ehedem schätztet und liebtet, betreffen Philipp und Otto, mit welchen ihr einst in so genauer Verbindung standet. Trauert nicht, dass Eure zu feste anhänglichkeit an Pflicht und Tugend Euch vom hof vertrieb, Euch aus einem kaiserlichen Gesandten zu eurem gegenwärtigen demütigen Posten brachte, denn welche Greueltat würdet ihr hier erlebt haben, aber darüber trauert, dass endlich das teuflische Projekt, das Herz des besten Mannes zu vergiften, und ihn zum Mörder seines Freundes, seines Vaters zu machen, dennoch geglückt ist. O Zyrill, hättet ihr damals, als ihr den Grafen von Wittelsbach auf seiner Gesandschaft nach Rom begleitetet, als ihr Augenzeuge von seiner grossmütigen Verachtung alles desjenigen waret, was man aussann, ihn gegen den Kaiser aufzuwiegeln, hättet ihr gedacht, dass Philipp einst durch seine mörderische Faust fallen würde? – Muss es denn der Bosheit vergönnt sein, die Tugend so lange mit unablässigen Angriffen zu ängstigen, bis sie endlich