Briefe getäuscht, soll ich nun auch Elisen verlieren?
Noch einmal, du Verlobte Wittelsbachs, der bei Gott nicht mit sich spielen lässt, verlass den treulosen Vater, und wirf dich in die arme deines Gemahls, die Bande, die dich an mich fesseln, sind jetzt die stärksten, du kannst sie nicht ohne Ruchlosigkeit zerreissen. Mein Bote wird dich dahin führen, wo ich wenige Meilen von der Stadt mit meinen Reisigen deiner warte, erscheinst du nicht, sehe ich ihn einsam zurückkehren, so nimm die Verantwortung der schrecklichsten Folgen über dich.
Antwort.
1208.
Alle Schmähungen, die du auf meinen Vater häufest, fallen auf dich zurück, du selbst Treuloser! Kannst du in dem Briefe, da du deine eigene Untreue bekennst, mich zur Treue auffordern? – O es ist schrecklich, was ich in diesen Zeilen lese! Ja, Otto, ich wär dir gefolgt, wär – mein Herz gegen dich war immer schwach – wär ohne Rücksicht auf Kindespflicht mit dir geflohen, geflohen aus Ende der Erde, um nur dein zu bleiben! aber das Bekenntniss deiner Schande aus deinem eigenen mund lösst alle Bande zwischen uns auf. Die Bande, die mich an meinen Vater fesseln, sind unauflösbar, diese fühle ich, jetzt da mir die Augen über deine wahre Gestalt aufgehen, mit neuer Stärke; nur die täuschende Liebe und der törigte Wahn von deiner Treue hätten mich hierinn verblenden können! – O Otto! wenn du das Herz sehen könntest, das du zerrissen hast! – Nein, ich komme nicht, dein Bote kehrt einsam zurück, mögen die Folgen davon sein wie sie wollen!
Otto von Wittelsbach an die kaiserin Irene.
1208.
Leset beigeschlossene Briefe, eine Kopie eines Schreibens von mir nebst seiner Antwort, und entscheidet zwischen mir und eurer Tochter! Ich treulos? Otto treulos? Ich ein Bekenner meiner eigenen Schande? Was habe ich gesagt, was habe ich geschrieben, das sich auf diese Art deuten liess?
Euch, meine Mutter, übergebe ich meine Sache. Zu ruhelosem Umhertreiben bestimmt, muss ich in dem Augenblick, da mein Herz von tausendfachen streitenden Gefühlen glüht, da es alles fühlt, was Rache, Liebe und Bekümmernis folterndes haben, mich zu einer neuen Reise verstehen, da ich die vorhergehende kaum geendigt habe. Herzog Bernhard von Sachsen fordert mich in einem mir ganz unverständlichen Briefe zu sich, fordert mich auf eine Art, der ich nichts entgegen setzen kann! – Muss denn alles auf mich einstürmen? Was will Bernhard mir zu dieser Unzeit? will er mich vielleicht wegen der mislungenen Werbung um die pohlnische Adila, die ich für ihn übernahm, zur Rede setzen? – Er halte sich an den Kaiser, den ich einen Verräter nennen würde, wenn er nicht Irenens Gemahl war! Doch er ist, er ist es trotz seiner Verbindung mit diesem Engel! Anstatt Bernhards Ehewerbung in dem von ihm geforderten Empfehlungsschreiben an den Herzog von Pohlen zu begünstigen, schilderte er mich und ihn in den gehässigsten Farben, und widerriet heimlich, was er öffentlich zu befördern versprach. Der Pohle, redlicher als er, entdeckte mir dieses, und hies mich zurück eilen, wenn ich noch einem heimtückischen Streiche vorbeugen wollte. Ich eile auf den Flügeln der Ungeduld, und das Gerücht kommt mir entgegen, wie kastilische Gesandte bei hof angelangt wären, die mir versprochene Elise zu ihrer königin abzufordern. In der ersten Wut gekränkter Ehre und Liebe, schreibe ich an meine Verlobte, und erhalte diese Antwort. O Mutter, Mutter! entscheidet zwischen ihr und mir, entscheidet günstig für mich, oder ich wiederhole es auch euch, zittert vor den Folgen!
Anton von Hagenau, kaiserlicher Kammerherr
an die Oberhofmeisterinn der kaiserin Irene.
1208.
Wapnet euch mit Standhaftigkeit, edle Frau, das schrecklichste zu vernehmen, was der Himmel über uns verhängen konnte. Der Kaiser ist ermordet!!
Auf Befehl der Reichsräte setze ich mich, euch die Unglückspost im ersten Wahnsinn der Bestürzung, fast in dem Augenblick, da die Tat geschah, zu berichten, damit sie das Ohr unserer guten Gebieterinn nicht unzeitig erreiche, damit ihr für sie wachen könnt, dass übereilte Entdeckung ihres Unglücks sie nicht tödte.
Es ist die unerhörteste Tat, welche je verübt wurde, sie ist vor unser aller Augen geschehen, ohne dass einer sie hindern konnte. Ich würde mir sagen, ich habe den unsinnigsten, schrecklichsten Traum geträumt, wenn hier auf dem Boden nicht das rauchende Blut, aus welchem man eben Philipps entseelten Körper aufhub, ihn in ein anderes Zimmer zu bringen, und wenn nicht die stimme allgemeines Klagens nebst dem Getümmel der Bestürzung mir die Gewisheit des grauenvollen Vorgangs bestättigten.
Der hochwürdige Erzbischoff von Speier, welcher sieht was ich geschrieben habe, befiehlt mit, mich nicht in fruchtlose Klagen zu vertiefen, sondern zu eilen, damit das gemeine Gerücht nicht meinem Briefe zuvorlaufe, und vielleicht unserer guten kaiserin den Tod bringe.
Hört also mit wenig Worten das Ganze der Greueltat, welche nicht in so viel Minuten geschehen war, als ich brauchte, davon zu schreiben.
Otto von Wittelsbach ist der Mörder! dass er wenige Meilen von der Stadt angekommen war, wusste der Kaiser, er wunderte sich über sein Zögern und liess ihn zu sich fordern, weil er Wichtigkeiten mit ihm zu bereden hatte, er erwartete ihn in Gesellschaft des Bischoffs von Speier, und des von Bamberg in seinem Kabinet, wohin auch die Prinzesinn Elise beschieden war; man vermutete ein Anmutung