überdem keinen Grund anzugeben weiss, können nicht zum Regelmass für die deinigen dienen; bemitleide ihn also und bete für ihn, ich will mich darin mit dir vereinigen, aber Mitleid ist auch alles was du ihm schenken darfst; auch irrst du dich gewiss in deinen Gefühlen: heftig aufgeregtes Mitleid kann bei einer so guten zartfühlenden Seele leicht die Gestalt der leidenschaft tragen, aber du tust dir gewiss Unrecht, wenn du ihm einen zu hohen Namen giebst! Beatrix ist und bleibt für den Herzog von Braunschweig bestimmt, er konnte sie nur darum verschmähen, weil er sie nicht kannte; die Vorsicht wird euch zusammen bringen, und eure beiderseitigen Gefühle werden sich ändern; an seiner Seite wirst du erst die Liebe kennen lernen, deren du dich gegen diesen Alf von Dülmen mit Unrecht beschuldigst. –
Wärs denn nicht möglich, diesen unglücklichen Mann vom hof zu entfernen? – Seine Entfernung liegt mir, ich weiss selbst nicht warum, so hart an, dass ich selbst Nachts im Traume damit beschäftigt bin. Ich mache in eigener person, mit unglaublicher Aengstlichkeit zu seiner Reise Anstalten; habe ich ihn denn abreisen, habe ich ihn von der Schlosszinne mit seinen Reisigen am äussersten Gesichtskreis verschwinden gesehen, so findet es sich, er ist in verstellter Tracht dennoch zurückgeblieben, und meine Angst beginnt von neuem. O Beatrix! mütterliche Besorgniss um dich, gibt mir diese Träume ein, hüte dich, dass dein betörtes Herz dich nicht deinem stand und jungfräulicher Zurückhaltung unwürdig handeln lehrt; und noch einmal, suche Alf von Dülmen zu entfernen; mit Heinrich von Andechs und Bischof Egberten, die du mit Recht hochschätzest, wär zu bereden, wie dieses mit Anstand, vielleicht unter dem Vorwand seiner schwachen Gesundheit und der nötigen Erholung in der Landluft geschähe. –
Elise komm hierin deiner schwachen Schwester zu hülfe, und du selbst verzage nicht; halte deinem Wittelsbach feste Treue, Gott wird dir ihn als Sieger über alle Verleumdungen wieder schenken. Der kastilischen Heirat, sollte sie dir angetragen werden, widersetze dich mit Klugheit, es ist schwer, einem Vater ungehorsam zu sein, aber noch schwerer, gegebenes Wort, ohne hinlängliche ursache, zu brechen.
Alf von Dülmen an den Unbekannten.
1208.
Zum zweitenmal ward ich an Ausrichtung meines Auftrags erinnert, ich zweifelte an der Schuld des Angeklagten und dachte mich, – verzeiht der Appellation von dem eurigen an ein höheres Gericht – dachte mich um Tilgung meiner Unwissenheit an den Herzog von Sachsen zu wenden; – Jetzt bin ich davon überzeugt, wovon ich mich zuvor nie überzeugen konnte. Der Verfehmte ist ein zwiefacher Mörder! und ich trage kein ferneres Bedenken, das von neuem zu versprechen, was Otten von Wittelsbach und mir im letzen Gericht befohlen ward.
O Herzog! mein Verstand ist jetzt oft abwesend, mein Kopf, mein Herz hat zuviel gelitten, um unzerrüttet zu bleiben! O Alix! Alix! unschuldig Ermordete! wo bist du?
Herzog Bernhard von Sachsen an Pfalzgraf
Otten von Wittelsbach.
1208.
Peter von Kalatin ist gestern hier angelangt, und meldet mir ausserordentliche Dinge, Folgen von der Bosheit oder Unüberlegteit des Herzogs von ** meines diesmaligen Stellvertreters zu Pamiers. O, dass mich Krankheit von dieser Reise abhalten musste! ich fürchte, bei dem letzten Gericht sind unverantwortliche Sachen vorgefallen, oder vielmehr, ich weiss es gewiss! Peter von Kalatin ist so wenig mein Liebling als der eurige, tausenderlei liess sich gegen seinen Charakter einwenden! Aber eins lobe ich an ihm: seine Treue gegen den heimlichen Bund ist eisenfest, und seine Klugheit und Verschwiegenheit unbestechbar, ich traue ihm in gewissen Dingen mehr als irgend einem; sehet hier die ursache, warum ihr hierdurch unter Eid und Bann erinnert werdet, euch stracks Angesichts dieses, aufzumachen, um vor dem freien Stuhl zu *** als dem höchsten auf der roten Erde9 rede' und Antwort über die Vorgänge des letzten Gerichts zu geben. Peter von Kalatin weiss nicht genau, ob ihr gegenwärtig waret, aber Alf von Dülmen war es gewiss, von ihm müsst ihr alles erfahren haben, was uns sorge macht; auch geht zugleich mit diesem Schreiben ein ähnliches an ihn ab, ihn, gleich euch, vor unser Gericht zu laden. – So wie nach Pamiers an den Herzog von *** noch geschärftere Befehle gelangen. – Von den pohlnischen Händeln ein andermal!
Seid der Eil erinnert, und aller Freundschaft versichert von
Bernhard, Herzog von Sachsen.
Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, an die
prinzessin Elise.
1208.
Nunmehr kann ich alles glauben, ich zweifelte an der Wiederholung der Treulosigkeit, die mir dein Vater, meine Verlobte, schon einmal bewiesen hatte, nun kann ich alles glauben! Elise, verzeihe, dass ich aus einem Ton mit dir spreche, den ich mir noch nie erlaubte. Aber Eifer, Angst, Entsetzen, Furcht, auch dich zu verlieren wüten in meinem Herzen, und lassen mich jede Schonung vergessen. Elise, du bist mir jetzt einen grossen Beweis deiner Treue schuldig, du musst mit mir fliehen um der Gewalttätigkeit zu entgehen, mit welcher man auch dich mir entreissen will. Die kastilischen Gesandten sind an dem hof deines Vaters angelangt, man wird dich ihnen mit oder wider deinen Willen ausliefern, man wird dich zu dem Trone schleppen, der noch von dem Blute deiner Vorgängerinn träuft, und den du nicht ohne doppelte Treulosigkeit besteigen kannst!
O des falschen, falschen Kaisers! Um meine erste Braut betrogen, in der Werbung um die pohlnische Adila durch falsche