1791_Naubert_079_53.txt

Vorschlag käme, nicht wenigstens aus Rache zu wählen sein?

Ich habe diesen Morgen schon eine lange Unterhaltung mit meiner Schwester über diesen Gegenstand gehabt, sie bleibt standhaft auf ihren Vorurteilen, zwar trauet sie dem Wittelsbacher, von welchem sie seit seiner Abreise keine Nachricht hat, nicht mehr ganz, aber sich völlig von ihm loszumachen, dazu fordert sie volle Gewissheit, eigenes geständnis seiner Schuld, und da ich dieses für unmöglich halte, so wird sie freilich wohl ewig seine Gebundene bleiben.

O meine Mutter, so viel ist doch gewiss, dass wir Töchter Philipps recht unglücklich in der Liebe sind! Kunigunde ward es durch eigene Schuld; Elise durch Untreue ihres Geliebten, und andere widrige Umstände, und die arme Beatrix? – O Mutter, lasst mich dieses Herz ganz vor euch ausschütten; wenn es sich auch aus Scheu wegen seiner Schwäche eine Zeitlang euren Augen entzieht, so kehrt es doch immer gar bald zu euch zurück, entüllt euch seine Gebrechen, und fordert die mütterliche heilende Hand zu Trost und Linderung auf, die es sonst nirgends findet.

Nehmt hier das Bekenntniss seiner innersten Geheimnisse: Den Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach liebte ich, oder würde ihn geliebt haben, wenn ihn das Schicksal für mich bestimmt hätte. Den Herzog Otto, dem man mich gern vorbehalten hätte, liebte ich nie, und nun, da er, wie man mir sagt, mich bei der letzten Friedensunterhandlung mit meinem Vater verschmäht hat, ohne mich einmal gesehen zu haben, nun möchte ich wohl sagen, dass ich ihn hasse. – Aber leider ist ein anderer, den ich liebe, den ich anbete, würde ich sagen, wenn dieser Ausdruck nicht gar zu erniedrigend in meinem mund lautete; gleichwohl ist er der rechte; wie sollte man sonst die unbegreifliche Parteilichkeit nennen, die ich für den, den ich mich fast namhaft zu machen schäme, die ich für Alf von Dülmen fühle?

Alles was mein Herz von ihm losreissen könnte, verfehlt seine Würkung, und bringt das Gegenteil hervor, sein wildes rastloses Wesen anstatt mich zu schrecken, erregt meine Aufmerksamkeit, gewisse geheime Verbindungen mit einer unbekannten furchtbaren Macht, die man ihm schuld gibt, erregen statt scheuer Furcht in mir ein Gefühl von seiner Wichtigkeit, das Alltägliche fesselte nie meinen blick, nur das Unbegreifliche, das Geheimnissvolle pflegte mir zu gefallen. – Das wichtigste, was mir ihn zuwider machen könnte, seine unsterbliche Liebe für Alix, tat seine Würkung nur eine kleine Zeit, und hat jetzt nach dem tod meiner Freundin, dieselbe vollends ganz verlohren; ich würde nicht zürnen, sein Herz mit einer Verstorbenen teilen zu müssen, ich würde es für meinen höchsten Triumph halten, ihn endlich über dieselbe zu trösten. Alle diese seltsamen Gefühle, die ich euch gestehe, vollends zur heftigsten leidenschaft zu machen, mischt sich noch das Mitleid ein. O, meine Mutter, wie ist der unglückliche Graf Adolf zu bedauren! wie elend ist er vollends nach der Nachricht von dem tod der Gräfin von Toulouse, welche, so sehr wir es zu verhüten suchten, sein Ohr dennoch erreicht hat!

Vom Anfang seiner Anwesenheit am kaiserlichen hof, lebte er in dem Pallaste des Grafen von Wittelsbach, auch noch hält er sich daselbst auf, aber in welcher traurigen Lage! – Sein Verstand scheint durch die Post von dem tod der armen Alix gelitten zu haben, seine treuen Leute suchen seinen wahren Zustand zu verhelen, aber so viel ist gewiss, dass man ihn bewachen muss, dass man ihm Waffen und Rüstung genommen hat, um ihm die Möglichkeit, Unheil anzurichten, zu benehmen; er soll sich sehr gefährliche Reden verlauten lassen, soll den Tod der Gräfin von Toulouse, welcher, wie er wähnt, bloss erfolgt ist, Elisen auf den kastilischen Tron zu helfen, Personen zuschreiben, welche hier schuldig zu halten Lächerlichkeit und Hochverrat sein würde, und in seinen Paroxismen oft fürchterlich von blutiger Rache rasen!

Gott was wird noch endlich aus diesen Dingen werdenKönnte ich nur mit jemand verständiger hierüber sprechen, und Verhaltungsregeln fordern, die ich von euch bei eurer Entfernung so spät erhalte! – Graf Heinrich von Andechs und Bischof Egbert sind hier angelangt, beides fromme und verständige Männer, die ich von Kindheit auf kenne, die von meinem Vater geschätzt werden, und denen man sich wohl vertrauen könnteabersie sind Brüder des verdächtigen Pfalzgrafen, und so könnte man sich doch immer über das wichtigste, über das, was ihn angeht, nicht gegen sie herauslassen. – O, meine Mutter, nur einige Worte, einige wenige Worte von eurer Hand uns zu leiten, jetzt, da uns Leitung nötig ist.

Irene an Beatrix.

1208.

Ich bin zu schwach, mein Kind, dir viel zu schreiben, die gefürchtete Stunde, die mir, wenn Ahndungen nicht trügen, wohl diesmal gefährlich werden könnte, naht heran. Nimm auf deinen Brief nur das wenige, was ich dir und deiner Schwester zu sagen vermag. Verdammet Otten von Wittelsbach nicht unverhört, er kann, er muss unschuldig sein; vertraut euch dem Bischof von Sutri nicht zuviel; ich sehe es ungern, dass er euer Gewissensrat ist, die geistlichen aus der römischen Schule sind mir verdächtig; und du, meine Beatrix, wie war dir es doch möglich, dein Herz dergestalt an jenen Alf von Dülmen zu hängen; der Mensch ist mir furchtbar, ich zitterte vor ihm beim ersten Anblick! doch meine Empfindungen, von denen ich noch