das Anschauen meiner entseelten Alix; einen Anblick, den ich nie vergessen werde. Ach dieses schöne Gesicht war von scheuslicher Geschwulst entstellt, und mit schwarzen und blauen Flecken gezeichnet! dieser herrlichgebildete Körper trug schon überall Spuren schneller Verwesung, das Merkmahl beigebrachten Giftes! und die, welche noch gestern in meinen Armen lag, konnte des andern Tages schon nicht mehr über der Erde geduldet werden, wenn nicht durch todatmenden Duft auch die noch Lebenden vergiftet werden sollten.
Ich erstaunte über den plötzlichen Fortgang eines Anfangs so langsam schleichenden Uebels, aber Zyrill bewies mir, dass man aus der letzten Begebenheit im Kloster, nämlich aus ihrem langen Aussenbleiben, und einigen Umständen bei der Wiederfindung der Vermissten, Anschläge zur Flucht gemutmasst, und es daher für schicklich gehalten habe, durch Beibringung einer doppelten Dosis von dem schon zu verschiedenen malen gekosteten Todestrank, lieber schnell mit ihr zu enden, als sich der Entdeckung auszusetzen; da, wie es scheint, der kastilische Hof mit dieser Untat nichts zu tun hat, und so wohl von ihm als von Toulouse bei dem geringsten Verdacht schwere Ahndung zu befürchten wär.
Pater Zyrill hat mir viel hierüber gesagt, das ich nicht entdecken darf, nur eins halte ich mich verbunden anzuzeigen, da es eine der edlen Prinzessinnen, an welche ich schreibe, unmittelbar angeht. O Elise, man denkt darauf, durch euch die Stelle eurer Freundin zu ersetzen, prüfet euch, was euer Herz dazu sagt, und nehmt darnach eure Maassregeln, so wie ich die meinigen nahm, als ich aus dem mund meines Vertrauten erfuhr, man ahnde im Kloster die Anwesenheit einer verdächtigen person, und ich werde wohltun, mich zu entfernen.
Ich flohe, flohe an den Hof, wo ich schon einmal Schutz gefunden hatte, flohe in die arme der Freundinnen, welche in Alix verlohren haben, was ich verlohr, die süsseste Gespielin, das herrlichste Tugendmuster, die Leiterin zur Wahrheit! – Ach sie war das erste Opfer unter Tausenden, die vielleicht dieser verfolgten verkannten Wahrheit geschlachtet werden möchten, wenn das erfüllt wird, wovon man mir sagt, dass es jetzt am römischen hof im Verborgenen reife.
Beatrix an Irene.
1208.
O meine Mutter, welche Unruhen hat die Nachricht von dem tod unserer lieben Gräfin von Toulouse verursacht! meine Schwester, überhaupt von natur tieferer Gefühle fähig als ich, und nicht mit genugsamen körperlichen Kräften begabt, um innerliche Stürme auszuhalten, liegt ganz zu Boden, sie ist unfähig, euch zu schreiben, und hat mir dieses Geschäft, das einige, was mir gegenwärtig Trost bringen kann, aufgetragen. Ach ich weiss es, was ihren Kummer, der ohnedem beim Verlust einer solchen Freundin wie Alix, bei einer solchen Verkettung von tragischen Umständen wohl natürlich ist, ich weiss es, was ihren Kummer gränzenlos macht, die Furcht vor der kastilischen Heirat, welche wohl nicht ganz ungegründet sein möchte, da gestern der Graf von Kastelmoro, der Bischof von Kastilien und der junge Dominikus Guzmann in Geschäften hier angelangt sind, welche niemand erfährt, die sich aber erraten lassen. Sie haben schon zweimal geheime Audienz bei meinem Vater gehabt, und meine Schwester ist, wenn sie sich so weit erholen kann, ausser dem Bette zu sein, auf diesen Abend zu einer Privatunterredung in das Kabinet des Kaisers beschieden.
Sie arbeitet unter tödlicher Angst, sie zittert vor der Trennung von ihrem Otto, und doch, meine Mutter, und doch weiss ich nicht, ob der Wittelsbacher es verdient, so heiss von ihr geliebt zu werden, ob er es verdiente, dass auch ich ihn einst mit besonderer Parteilichkeit ansah, und – was sollte ich leugnen, – mir gern das los meiner glücklichern Schwester gewünscht hätte. – Diese Träume sind Gottlob vergangen, ich sehe jetzt heller, in Ansehung des Pfalzgrafen als meine parteiische Schwester. Ich habe kürzlich einen Brief von Kunigunden aus Rom, welcher mir Dinge von dem Wittelsbacher meldet, über die ich zurückschauere. Ich habe ihn Alverden mitgeteilt, welche versichert, Elise habe ein ähnliches Schreiben von unserer Schwester erhalten, und sie habe ihr über dasselbe schon gesagt, was sie jetzt auch mir sagen müsse, dass Kunigunden nicht zu trauen sei, dass das schlechte Glück, das sie an Graf Richards Seite geniesse, sie wohl bei dem von ihr bekannten Charakter veranlassen könne, das bessere los ihrer Schwester zu beneiden und dass sie überdem, wie Alverde von ihrem Vertrauten, dem Pater Zyrill weiss, so ganz unter der herrschaft der römischen Mönche steht, dass wohl ihr eigenes Urteil getäuscht, und ihr Brief nichts sein könne, als das Sprachrohr, durch das ein anderer redet.
Ich weiss nicht, was ich von diesen Dingen denken soll, gleichwohl bestättiget sich alles Nachteilige, dass man von dem Pfalzgrafen hört, durch den Mund des Bischofs von Sutri, den ich, so wie meine Schwester, zu meinem Gewissensrate gewählt habe. Gleichwohl ist so viel gewiss, dass Otto von Wittelsbach, wie ich genau erforscht habe, nach einem erhaltenen hochheimlichen Schreiben von Herzog Bernharden von Sachsen, eine Privataudienz beim Kaiser hatte, dass Empfehlungsschreiben nach Pohlen ausgefertigt wurden, deren Inhalt, wie man von dem kaiserlichen Geheimschreiber erlauscht hat, eine Heiratswerbung um die schöne Adila war, dass der Pfalzgraf diese Reise selbst antrat, und dass er noch nicht zurück ist.
arme Elise, braucht man noch etwas mehr, dein Unglück zu erweisen? und würde dir, wenn Otto von Wittelsbach treulos ist, die kastilische Heirat, falls sie in