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, und ich fühlte, dass sich ein geheimer Schauer meiner bemächtigte. – Ist die fürstin krank? fuhr ich fort zu fragen. – Nein, aber die prinzessin Alix, welche ohnedem schon seit einiger Zeit kränklich war, befindet sich sehr übel, sie soll sich gestern in unserer Kirche, wo sie der Schlaf übereilt hat, so dass man sie erst nach länger als einer Stunde hat finden und erwecken können, eine Erkältung geholt haben. – Pflegt Pater Zyrill sonst Kranke ausserhalb des Klosters zu besuchen? fragte ich, indem ein schrecklicher Gedanke gegen des Mannes Redlichkeit in meiner Seele aufstieg, weil mir die vergiftete Arznei der gräfin einfiel. – Nie! war die Antwort, ausser in ganz ausserordentlichen Fällen, wie wohl dieser sein mag.

In ausserordentlichen Fällen? wiederholte ich, nun so sei Gott mir gnädig! – Die Nonne deutete diesen Ausruf auf meine Begierde nach der hülfe des Arzts, und suchte mich zu beruhigen. Ich hörte nicht auf sie, und schickte ohn Unterlass, um zu vernehmen, ob Zyrill noch nicht zurück sei.

Endlich erschien er. Mit einer stimme, die ihn wohl bei so einer kranken person, als ich sein sollte, befremden mochte, fragte ich nach der Gräfin von Toulouse. Ihr ist wohl! erwiderte er mit gegen Himmel gehobenem blick.

Gott sei Dank! der Schlaf im kalten Kirchgewölbe hat ihr also nicht geschadet?

Kennt ihr die Prinzessin Alix? fragte er, indem er sich umsah, ob wir allein wären.

Ob ich sie kenne? – Mehr um ihret- als um meinetwillen liess ich euch zu mir berufen; sie bedarf eurer hülfe!

Sie bedarf ihrer nicht mehr!

So schnell genesen, bei so bedenklichen Umständen?

Genesen auf ewig! – Sie ist bei Gott!

Eine Ohnmacht war bei mir die Folge dieser Nachricht.

Zyrill wusste nicht, wie nahe Alix meinem Herzen war, sonst würde er die Nachricht von ihrem tod behutsamer eingekleidet haben; doch hätte wohl etwas den Eindruck, den dieselbe auf mich machte, vermindern können? Sie, die gestern noch mit leidlicher Gesundheit in meinen Armen lag, sollte nach so wenigen Stunden tod sein? Sie war schwach, aber ihre Krankheit war ein schleichendes Uebel, sollte wirklich Erkältung in der Kirche und vielleicht Schrecken und Angst über den verschütteten Rückweg nebst der heftigen Anstrengung ihr Ende beschleuniget haben?

Als ich wieder zu sprechen vermochte, entdeckte ich dem Mönche meine Gedanken. Er schüttelte den Kopf. Die Prinzessin sagte er, starb weder an Schreck noch Erkältung, sie starb am Gifte!

Gott! und ihr konntet sie nicht retten?

Nicht sie zu retten, nur sie erblassen zu sehen ward ich gerufen, ihr könnt wohl aus dem, was euch von ihr bewusst zu sein scheint, urteilen, dass es ihren Feinden nicht darum zu tun war, dass ein geschickter Arzt ihr Werk vernichtete, ein solcher musste nur gerufen werden, da es zu spät war; ich kam nur den letzten blick ihrer brechenden Augen zu sehen, und dann nebst andern Aerzten, die man der Ceremonie wegen herbei gerufen hatte, das notwendige zeugnis von ihrem würklichen tod abzulegen, dessen ursache keiner unter uns, so unwissend man uns auch halten mochte, in so dichtem Schleier man sie auch gehüllt glaubte, verkennen konnte.

Ich sah Zorn in den Augen des redlichen Mannes über die Untat, zu deren Zeugen man ihn gemacht hatte, und ich beschwur ihn, laut wider dieselbe zu schreien, und aller Welt kund werden zu lassen, welches Todes Alix gestorben sei.

Was verlangt ihr von einem armen Mönche? sagte er. Wird meine Anklage irgend etwas in der Sache ändern? Die unschuldig Ermordete wird nicht erwachen, ihre Feinde werden sich rechtfertigen, Zyrill wird gelogen haben, und das Opfer ihrer Rache werden. Ein einiges flüchtiges Wort dieser Art, das ich gegen den Almosenier des Bischofs von Kastilien fallen liess, zog mir eine Antwort zu, welche ich wohl nie vergessen werde, und die mich gänzlich zur Ruhe und Schweigen verweist.

Ich überliess mich dem finstersten Gram über den Tod meiner Freundin. Zyrill war und blieb mein liebster Gesellschafter, er wusste von den kaiserlichen Angelegenheiten so viel als ich, und versprach mir, (denn auch dem redlichsten Mönche ist die Gabe des Auskundschaftens gegeben), noch mehrere Beiträge.

Die Nonnen des Klosters, wo ich lebte, schickten eine Gesandtschaft an die Fürstin von Kastelmoro und den Bischof von Kastilien, mit der Nachricht, wie sich in voriger Nacht bei ihnen ein grosses Anzeichen von dem tod der Prinzessin, die ihre Heiligen so fleissig zu besuchen geruht hätte, durch Einstürzung eines Kreuzgangs ereignet habe, und erhielten sich dadurch die Ehre, dass der Leichnam der unglücklichen Alix indessen in ihrem Kloster beigesetzt wurde. Ein Todesfall, meinten die Kastilier, welcher auf so anständige Art durch Zeichen vorgedeutet worden wär, müsse bei jedermann das Ansehen eines unzeitigen gewaltsamen Todes verlieren.

Allerdings mochte man befürchten, dass einiger Verdacht dieser Art unter dem volk durch die albern herbeigerufenen ärzte, welche nicht schwiegen, rege werden möchte; das Volk liebte Alix, und man konnte einen Auflauf besorgen; derhalben ward der Leichnam in äusserster Stille beigesetzt, und aufs strengste verboten, so lang derselbe der Gewohnheit zu folge noch über der Erde bleiben musste, niemand seinen Anblick zu gönnen.

Ich liess mir diese traurige Genugtuung dennoch nicht rauben. Der Pater Zyrill, welcher die Messen zu besorgen hatte, die bei dem Sarge gelesen wurden, verschaffte mir