verabredete Zeichen zur geheimen Unterredung war das Läuten der Abendglocke, ich erhub mich von meiner Stelle, und sah von weitem auch Alix sich erheben, ich ging durch eine kleine nur wenigen bekannte Pforte in einen verfallenen Kreuzgang, und von da auf den sonst von allen Seiten verschlossenen Begräbnissplatz der Nonnen; eine weite grünende Wiese, mit den ersten Blumen des Frühlings geschmückt, rund um von säusselnden Lindenbäumen umgeben, und nur durch die weissen Kreuze, die sich über den Gräbern erhuben, als das ausgezeichnet, was sie wirklich war, als einen Todenacker.
Ich hatte von Zeit zu Zeit zurück geblickt, und Alix mir folgen gesehen, mein Wink hatte sie in dem sinkenden Gemäuer, durch welches wir passiren mussten, fleissig vor den Stellen gewarnt, welche am meisten den Einsturz drohten; – wahrhaftig niemand hätte sich auf diesen gefahrvollen Weg wagen können, als ein paar Liebende, oder ein paar Freundinnen, die so wie wir von Feinden belauscht, sich einige frohe Augenblicke abstehlen wollten. Ach es war das letzte mal, dass wir uns sehen sollten! das letzte Lebewohl, dem wir mit Lebensgefahr entgegen eilten!
Schon stand ich unter den Linden, meine Freundinn zu erwarten, die jetzt auch die morschen Stufen, welche aus dem Gewölbe herabgingen, zurückgelegt hatte, und sich in meine arme stürzte; wir setzten uns auf das nächste Grab, das einer der dichtesten Bäume in seinem Schatten barg, ich drückte Alix an mein Herz, und setzte sie über die ungewöhnliche Blässe, die ich jetzt erst auf ihren Wangen wahrnahm, zur Rede.
Sie lächelte. Wünsche mir Glück, sagte sie, das, was dich erschreckt, verkündigt mir baldige Freiheit.
Freiheit, Alix? ist eine königliche Braut eine Gefangene? Du wirst doch die Kleinigkeit, dass wir uns verstohlen sehen müssen, dich nicht bewegen lassen, deinem Zustande einen so verhassten Namen zu geben.
Alverde, du bist nicht aufrichtig! niemand kann wohl meinen Zustand richtiger beurteilen, wie du; was quälst du dich, mir ihn unter gefälligen Farben vorzustellen. Mich dünkt – (dies sagte sie leise ihren Mund dicht zu meinem Ohr geneigt, als fürchte sie, belauscht zu werden) mich dünkt, ich bin in bösen Händen, und dass ich dir es kurz sage, ich glaube, man hat mich vergiftet.
Vergiftet, Alix? du tödest mich!
Erschrick nicht! – ich kann mich ja irren! doch höre meine Beweise: Ich bemerkte schon seit einiger Zeit an meinem Morgentrunk einen seltsamen Geschmack, über den ich mir aber vielleicht keine Gedanken gemacht haben würde, wären meine Empfindungen nach dem Genuss desselben nicht allemal so sonderbar gewesen; eine befremdende, zwar nicht unliebliche Mattigkeit, eine übertriebene Neigung zum Schlaf, aus dem ich mich doch eben erst erhoben hatte, war diese überwunden, ein konvulsivisches Zittern über den ganzen Körper, und eine fliegende Hitze, die sich oft mit dem stärksten Fieberfrost endigte, dies waren die Zufälle, welche ich so oft bemerkte, als ich getrunken hatte; unterliess ich dieses, so blieb ich frei. Du wirst erraten, dass ich nun nicht mehr trank, sondern bei der gänzlichen Verdachtlosigkeit, man könne Absichten wider mein Leben haben, mich über den bemerkten fremden Geschmack und die darauf erfolgten Empfindungen beklagte; man stellte sich besorgt um mich, man sprach von Symptomen einer annahenden Krankheit, man brachte mir Arznei. Ich kostete, und bemerkte den nehmlichen widerlichen Reiz auf der Zunge, der mir mein Morgengetränk zuwider gemacht hatte. Hier erhob sich der erste Argwohn in meiner Seele, welcher dadurch vermehrt wurde, dass man mir eben Botschaft brachte, wie mein kleiner Hund, der von allem etwas zu bekommen pflegte, was ich genoss, und der diesen Morgen das Getränk, das ich hinweg setzen liess weil es mir nicht schmeckte, ganz ausgeschlürft hatte, gestorben sei.
Mich überfiel ein Zittern über den ganzen Körper bei den Gedanken, die sich auf einmal in meiner Seele erhuben, ich sah die person, welche mir die Arznei reichte, bleich werden, und gleichfalls zittern. Man drang nicht in mich, das Dargereichte zu nehmen, auch habe ich jenen verdächtigen Geschmack seit dem weder an speisen noch Getränken bemerkt; aber ich muss glauben, ich habe bereits in den zweioder dreimalen, da ich noch verdachtlos hinnahm, was man mir gab, ohne mich durch Geschmack und Empfindungen irren zu lassen, genug bekommen, um den Tod oder ein sieches Leben besorgen zu müssen. Siehe selbst, wie bleich und abgefallen ich bin, ist das noch die blühende Alix, die du vor vierzehen Tagen auf dieser Stelle in deine arme schlossest? – Und sprich, warum widerfuhr mir dieses? Wer gab den Befehl dazu? Was habe ich verbrochen? – O Alverde, soll ich leben denen zum Trotz, die meinen Tod wünschen? soll ich mein schmachtendes Leben in ein Land schleppen, wo man wahrscheinlich nichts weniger wünscht, als meine Ankunft? – Bedenke, wie diese Gedanken mein Herz beengen müssen, und wundre dich noch, wenn ich der baldigen Befreiung, die mir der Tod bringen wird, entgegen leuchte.
In Tränen schwimmend sank ich an den Busen der gräfin von Toulouse, sie weinte nicht. Ein himmlisches Lächeln überströmte ihr Gesicht. Freundinn, sagte sie, indem sie mich fester umschlang, ich fühle es, dass wir uns heute zuletzt sehen, aber wie schön, wie ahndungsvoll ist unsre heutige Zusammenkunft an diesem Orte! Bedenke selbst, heute am