glauben soll, aber kein Wort mehr von ihm, andre Wichtigkeiten heischen meine Feder!
O Mutter, was habe ich euch zu berichten! werde ich Mut haben, euch mit Dingen zu unterhalten, die mein Herz in Tränen schmelzen? – Doch seid mir willkommen ihr Trauergesichter, ich will mich ganz in euch vertiefen, will keinen eurer kleinsten Umstände unberührt lassen, ich bin so gerade auf der Laune, unter Gräbern zu wallen, und die Nichtigkeit irdischer Hoffnungen mit den Freuden einer bessern Welt zu messen. O Alix! Alix! wie gross waren deine Ansprüche auf irdisches Glück! wie lächelte dir die Welt in frühern Jahren! sie täuschte dich, du fandest nicht, was du so wohl verdient hattest, du fandest den Tod! Wohl dir, dass du ihn gefunden hast, möchte auch ich ihn finden, bald finden!
Ja, meine Mutter; meine liebste Freundin, die ältste Gespielin meiner Jugend, die unvergleichliche Alix von Toulouse ist nicht mehr. Alverde ist die Ueberbringerin der Trauerpost; gestern langte sie hier an, – aber welche Törin bin ich! ich verspreche euch umständliche Erzählung dieser Dinge, und Alverde, die arme Alverde, ist noch nicht im stand gewesen, uns, einige wenige Winke ausgenommen, mehr zu sagen, als ihr jetzt eben von mir erfahren habt! – Verzeiht, meine Mutter! mein Kopf ist sehr schwach, mein Herz blutet, wie leicht ist es da, unüberlegt, und unordentlich zu schreiben!
Ach Alverdens Winke von dem tod meiner Freundin sind fürchterlich! ich wünsche und scheue mehrere Aufklärung, sobald ich sie erhalte, will ich sie euch mitteilen. Jetzt Ruhe, nur ein wenig Ruhe für eure unglückliche Tochter Elise!
Alverde an die Prinzessinnen.
1208.
Ich soll euch erzählen, wie Alix starb? Himmel! werde ich das können? Jahre könnten wohl hingehen, ehe meine stimme fest, von Tränen ungehemmt genug sein würde, um, wenn ich von diesen Dingen rede, euch verständlich zu werden!
Nein, der Feder sei überlassen, was der Mund nicht auszusprechen vermag; da kann die müde Hand doch so oft ausruhen, das Auge sich so oft satt weinen als es will, ohne dass euch die Erzählerin lästig oder langweilig würde. Doch langweilig genug werde ich euch auch mit meinem Schreiben werden, nicht durch Zahl der Worte; wenig Züge werden im stand sein, euch die Trauergeschichte zu schildern; nein, durch Länge der Zeit, die ich zu dieser sauren Arbeit brauchen werde. Ich spare sie für die düstern Stunden der Nacht auf, die ich doch ohnedem schlaflos verweine, der Tag sei euch geweiht, ob vielleicht die lebenden Freundinnen mich wieder mit der Welt aussöhnen möchten, die mich der Tod meiner Alix hassen lehrte, und in der ich doch leben muss.
Unter allem, was mich beim Gedanken an ihr Scheiden martert, ist die Vorstellung, ob wohl ich oder jemand von den Meinen ihren Tod beschleunigte, die fürchterlichste Quälerin. Tröstet mich, meine Freundinnen, tröstet mich nur über diesen einigen Punkt, und ich will der himmlischen Seele mit Lächeln in jene bessern Welten nach sehen, die ihr schneller Flug nun schon erreicht hat.
Alf von Dülmen, er, den ihr als meinen Bruder kennt, liebte die Gräfin von Toulouse; Fluch über den, welcher seine Wahl auf die schon Verlobte lenkte! – Alf von Dülmen hatte hohen Sinn, nichts schien seinen Wünschen unerreichbar, er würde seine Augen zu Kaiser Philipps Töchtern erhoben haben, hätte man ihre Reize gebraucht, ihn zu verlocken, aber die frevelhafte Hand nach dem Eigentum eines andern auszustrecken, dazu dachte er zu edel, er würde den ersten Gedanken an Alix getödtet haben, hätte man ihm gesagt, dass sie nicht mehr frei, dass sie versprochene Königin von Kastilien sei. Sein falscher Freund, jener Peter von Kalatin, der, ich weiss nicht welchen Vorteil in seinem Untergang suchen musste, verschwieg ihm dieses, fachte die enstehende leidenschaft durch teuflische Kunst zur Flamme an, brauchte sie zum Mittel, meinen Bruder und mich aus dem Schooss der Ruhe und Sicherheit zu reissen, und uns in die quaalvollsten Verhältnisse zu setzen. Als der unglückliche Adolf erfuhr, Alix sei nicht für ihn gebohren, frühere Bande fesselten sie an einen andern, da war es schon zu spät, Gefühle auszurotten, welche bereits zu tief im Herzen gewurzelt hatten, und Schritte zurückzunehmen, die ihn an den Rand des Verderbens brachten. Seine leidenschaft kennte weder Einschränkung noch Behutsamkeit mehr; was er für Alix fühlte, was er ihrentwegen zu unternehmen fähig war, musste bald der ganzen Welt in die Augen fallen; nur ihr, der unschuldsvollen Seele, blieb es verborgen, sie hielt ihre Reize nie für mächtig genug, eine leidenschaft, wie die seinige, zu erregen, sie war zu bescheiden, so etwas nur zu denken, zu fromm, es zu wünschen, sie kümmerte sich wenig um irdische Liebe, da ihr Sinn mit himmlischen Dingen erfüllt war; es dauerte lang, ehe der Unglückliche, von welchem ich spreche, nur ihre Aufmerksamkeit erregte, und als endlich ihr Auge sich auf ihn heftete, so fühlte sie, bei sehr richtiger Beurteilung seiner Vorzüge, nichts für ihn als Mitleid; ein Mitleid, welches doch die wahre ursache, warum er zu beklagen war, weit verfehlte.
Ihr war es unbekannt, dass ich seine Schwester sei, sie hielt mich für den Gegenstand seiner Wünsche; sie sprach oft mit mir