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über das was ich euch zuletzt schrieb, muss heute einen Brief erhalten, der mich vollends in Verzweiflung stürzt; wehe mir, dass ich ihn euch nicht mitteilen, und euren Rat vernehmen kann, was ich davon zu halten habe; leider ist er von einer person, welche zu schonen mir Pflicht ist, wider welche ich euren Zorn auf keine Art reizen mag, und gleichwohl stosse ich in diesem Unglücksschreiben fast bei jedem Absatz auf Stellen, die euch aufbringen würden, so dass ich ihn euren Augen vorhalten soll und muss.

Ach Gott, wenn ich nur irgend eine Seele fragen könnte, was ich von der Sache glauben soll! – Mein Wittelsbach untreu? Er Brautwerber um die schöne Adila von Pohlen? sollte, könnte dies möglich sein? – Nach Pohlen ist er mit Briefen vom Kaiser gereist, auch hat es vor einiger Zeit ein hartes Gespräch zwischen beiden über mich und die kastilischen Träume gegeben, alles dieses sagt mein geheimes Schreiben auch; aber wird alles, was es entält, wahr sein, so wie einiges wahr ist? – Da ich hier schlechterdings niemand fragen kann, so muss ich abwarten, was von diesen Dingen durch den Ausgang bestättigt oder vernichtet wird. Auf meinen Otto ein Misstrauen zu haben, ist freilich schwer, doch klingt alles, was man mir von ihm vorbringt, so wahrscheinlich. Er ist treu und bieder, aber er ist gleichwohl ein Mensch, der durch Treulosigkeit und Wortbruch aufgebracht und zur Rache gereitzt werden kann, gesetzt nun, es wär wahr, was ich mir gar nicht als möglich denken kann, der Kaiser dächte darauf, mich ihm zu entreissen, wär es da wohl Wunder, wenn auch er sich seines Eides quitt, und es sich verstattet glaubte, sein Glück von einer andern Seite zu suchen?

Doch nein, sobald könnte mein Wittelsbach seine Elise nicht vergessen! an mir würde er ja nicht rächen, was ein anderer verschuldet hätte!

Himmel! Himmel! sollte dies Möglichkeit sein! und er war beim Abschied noch so treulich und so hold! – Wie oft er zurückkehrte, mich noch einmal in seine arme zu schliessen! – Wie bekümmert er war, über den blossen Gedanken, man könne mich ihm rauben wollen! Was ich alles anwenden musste, ihn zu beruhigen! Und dieser Mann mit der schönen Träne im Heldenauge, das sonst nie weinte, dieser Mann mit den Worten der Wahrheit auf der bebenden Lippe, dieser sollte mich betrügen können? – Nein! Nein! Nein! ich kann nichts davon glauben. Und doch! und doch! – O Mutter, mein Kampf beginnt von neuem! Schaffet mir hülfe, dass ich nicht vergehe!

Irene an Elisen.

1208.

Mir dünkt alles, was du mir schreibst, so unglaublich als dir. Für Pfalzgraf Ottens Treue dächte ich, wollte ich mit meinem Leben bürgen! Indessen, da du mir die Quelle, aus welcher du deine Zweifel schöpftest, nicht entdecken darfst, so kann ich hier nicht mit voller Gewissheit entscheiden, und muss dich an andere Tröster und Ratgeber verweisen.

Der beste, und der dir über alles die bündigste Auskunft geben könnte, wär wohl dein Vater, wenn du ein Herz zu ihm fassen könntest, aber leider ist Philipp jetzt nicht mehr Herzog von Schwaben, sondern Kaiser; diese Würde hat ihn seinem haus entfremdet, die Staatsgeschäfte bemächtigen sich all seiner Zeit, du würdest schwerlich eine Stunde treffen, da er so ganz dein wäre, dass er dich ruhig hören, und dir wie ein Vater raten könnte; überdieses, wenn er nun wirklich wider dich und den Pfalzgrafen, welches mich so unmöglich eben nicht dünkt, Böses im Sinn haben, wenn er nun wirklich auf höhere Dinge für dich sinnen sollte, als du denkest und wünschest, was für Trost würdest du denn bei ihm nehmen?

Höre meinen Rat. Ich habe in meinem Leben so wohl als du Stunden erlebt, wo mir um Trost und Leitung bange war, und wo ich sie nicht bei Menschen suchen durfte, ich suchte sie denn in den Armen der Religion; das tue auch du, doch traue auch hier nicht deinem eigenen Nachdenken, sondern vertraue dich irgend einem verständigen frommen mann, vertraue dich deinem Beichtiger; ich weiss nicht in wessen Schooss du deine heimlichen Anliegen auszuschütten pflegst, kenne den Heiligen nicht, dem du deine geistliche Führung anvertraut hast, aber ich bin überzeugt, dass du auch hier glücklich gewählt haben wirst, und glaube also deine Ruhe in guten Händen. Lebe wohl, mein Kind, ich bin sehr schwach, das viele Schreiben wird mir beschwerlich, aber nicht so das Lesen, ich hoffe bald und umständlich wieder von dir zu hören.

Elise an ihre Mutter.

1208.

Ich habe euch gehorcht, habe mich dem mann vertraut, welcher in aller Absicht der einige ist, der mir aus dem Labyrint, in welchem ich irrte, helfen konnte, dem, der so wohl meine als Pfalzgraf Ottos Herzensgeheimnisse in Verwahrung hat, unserm gemeinschaftlichen Konfessor, dem Bischof von Sutri. Er selbst empfahl mir ihn einst zum Gewissensrat. – – O Wittelsbach! Wittelsbach! du dachtest wohl damals nicht, welchen Stab du mir in die Hand gabst, mich aus den Irrgängen zu leiten, in welchen mich mein eigenes Herz, dies Herz, das dir nicht misstrauen konnte, gerade falsch geführt haben würde.

Er ist vorüber, Mutter! ich weis nun ganz gewiss, was ich von meinem ehemaligen Geliebten