sollen, die nun, wie ich höre, gross und schön geworden ist, und gar davon träumt, durch den Herzog von Braunschweig, (den freilich ich als Philipps Tochter nicht Kaiser nennen darf, obgleich alle Welt ihm diesen Namen zugesteht) – römische Kaiserin zu werden.
Wir wollen die Kleine mit ihren vergeblichen Hoffnungen lassen und zu dir zurückkehren. – Elise, du weisst, dass du verschiedene Jahre mehr hast, als ich, und also mich an Klugheit übertreffen solltest, aber du lebst in dem schlichten geradsinnigen Teutschland, ich in dem aufgeklärten Italien, dies diene uns beiden zur Entschuldigung, wenn wir das geben und Annehmen wohlgemeinter Warnungen einmal gegen einander vertauschen.
Dich zu warnen, mein Kind, schreibe ich dieses, dich zu warnen vor dem falschen Grafen von Wittelsbach; – ich hoffe, du traust mir zu, dass ich nicht ohne ursache so schnell mit ihm brach; nicht allein die ältere Liebe zu Richard, sondern auch genaue Kenntniss seines Charakters bewog mich, so zu handeln, wie ich handelte, und der Bann, den alle Welt, den selbst Mutter und Schwestern wegen meiner sogenannten Wankelmütigkeit über mich ergehen liessen, trifft nicht mich, sondern den, welchen ich mit reifer überlegung verliess.
O Elise, du dauerst mich! Wittelsbach ist nicht der, welcher ein Herz, wie das deinige beglücken kann; was solltest du fromme Nonne mit dem unruhigen Pfalzgrafen? Du zärtliche, du treue Tochter, mit dem mann, der Zeit genug seine Hand nach deines Vaters Kron und Tron ausstrecken wird? Du ewigliebende Seele, mit dem, welcher mit jedem Jahreswechsel die Treue ändert, welcher irgend eine, die ich nicht nennen kann, einst um meinetwillen, mich für dich, und dich für eine neue Geliebte vergass, die, wenn er nicht bald stirbt, auch wohl nicht die letzte in seiner Liebesreihe sein wird! Was dient dir ein Mann, der zu einem furchtbaren heimlichen Bunde gehört, dessen ich nicht ohne Grauen gedenken kann, zu einem Bunde, welcher es seinen Mitgliedern zur Pflicht macht, das Schwerd immer gewetzt zu halten, und sollte es auch sein, Vater, Bruder und Freund hinzuopfern!
Du entsetzest dich, ob den harten Beschuldigungen? Du forderst Beweise? Wohl gut, deine Forderung übersteigt die Schranken eines briefes, aber ich kenne das weibliche Herz genug, um zu wissen, dass wenn ich dir die Wahrheit einer meiner Anklagen vor Augen gelegt habe, du keine mehr bezweifeln wirst. Beweise ich dir, dass Otto von Wittelsbach treulos gegen seine Elise handeln konnte, so vermute ich, du wirst ihn keiner Untat unfähig halten.
Du kennst doch die Königin Adila, Premislaus geschiedene Gemahlin? sie, um deren willen unser Vater sich einst den König von Böhmen zum Feinde machte, weil er die Seite der verstossenen Adila nahm? Diese Adila hat eine schöne Tochter ihres Namens, man nennt sie die Prinzessin von Pohlen, weil ihr Oheim, der Herzog von Pohlen, sich ihrer in ihren Elend erbarmte, und sie zur Tochter annahm. fräulein Adila ist, wie gesagt, recht schön, fast so schön wie du, und noch um einige Jahre jünger; ihr Oheim wollte sie gern verheiraten, er verspricht dem, der ihr die Hand bietet, eine königliche Mitgift, aber das beste, was sie mit in den Ehestand bringt, ist eine Anwartschaft auf das Königreich Böhmen, welche ein Held, wie Wittelsbach, nicht leicht verschmähen wird; du weisst wohl, die schwächsten Ansprüche kann ein Schwerd, wie das seinige, geltend machen. Adila ward deinem Otto angetragen; er zögerte, sprach von Treue gegen dich, wog Vorteil und Verdienste, und – fand dich zu leicht. Ein Gerücht, das sich ausbreitete, Kaiser Philipp möchte dich wohl lieber Königin von Kastilien als Pfalzgräfin sehen, gab ihm ursache, sich mit dem Kaiser zu entzweien, man zankte sich ein wenig, vertrug sich dann wieder, und Otto versprach, dich so wie mich zu vergessen, wenn Philipp ihm sein mächtiges Vorwort bei der Prinzessin von Pohlen verleihen wollte. Der Kaiser verachtete den kleinen Pfalzgrafen in seinem Herzen, doch um ihn loszuwerden, tat er was er verlangte, er schrieb; aber war es ihm zu verdenken; dass er in das Empfehlungsschreiben nach Pohlen allerlei einmischte, den Charakter des Ueberbringers zu bezeichnen, den Herzog von Pohlen und die schöne Adila zu warnen, und des Wittelsbachers Anschläge verunglücken zu machen? –
Erwarte nun mit jedem Tage, dass dein Otto wiederkehrt, entweder kochend von Rache gegen den Kaiser, der seine Absichten vereitelte, oder nachdem es die gelegenheit gibt, so treu und zärtlich gegen dich, wie vormals. Das wird er freilich nicht denken, dass irgend eine treue Hand, dir seine Tücke verraten könnte, und wenn ihm die schöne Adila nicht werden kann, so wird er immer noch Liebe genug für dich übrig haben, wenn du sie nur annehmen willst.
Bedenke dich, Elise, was du auf jeden Fall zu tun hast, und willst du dem was ich dir sage, keinen Glauben beimessen, – denn freilich unwiderleglich beweisen lässt sich so etwas nicht, davon die Urkunden in andern Händen sind – willst du mir nicht glauben, sage ich, so vergiss wenigstens nicht, dass du gewarnt bist, von deiner Schwester Kunigunde.
Elise an ihre Mutter Irene.
1208.
O Mutter, alles vereinigt sich, mir das Herz zu brechen! – Ich, ohnedem kummervoll und zweifelhaft