vorteilhaft für den Mann, von welchem wir reden, dass mein geliebter Pfalzgraf einst sein Freund war, dass er es auch noch ist, und doch von ihm wie ein Feind geflohen wird?
Der Pfalzgraf hat in diesen Tagen einen äusserst seltsamen Brief von ihm erhalten, aus dem er selbst, ungeachtet er gewiss mehr davon versteht als ich, nicht klug werden kann.
Mich dünkt, meine Mutter, Otto hätte mich ihn nicht lesen lassen sollen, es kommen Punkte darin vor, welche geheime Dinge betreffen, die wohl eigentlich vor kein profanes Auge, am wenigsten vor das Auge eines Weibes kommen sollten; aber so ist das truglose Herz meines Geliebten, er vertraut sich andern zu leicht, und obgleich seine Verschwiegenheit in dem was er eigenlich zu verschweigen gelobt hat, unverbrüchlich ist, so entfallen ihm doch oft, ohne dass er es denkt, Winke, welche kühnen Mutmassern Stoff genug zum Forschen und Nachdenken geben. Gott gebe, dass ich die einzige bin, und gewesen sein mag, gegen welche er sich solche Unvorsichtigkeiten zu Schulden kommen liess von mir hat er nichts nachteiliges zu besorgen; kann ich mir das Mutmassen nicht wehren, so wird mich doch Vernunft und Bescheidenheit wohl ewig vor kühnem Forschen und Ausschwatzen bewahren. Selbst gegen euch, meine Mutter, würde ich dieses wenige nicht gesagt haben, wüsste ich nicht, dass euch jedes geheimnis, selbst das geheimnis eurer Kinder, heilig ist, und von euch wohl immer unangetastet bleiben wird.
Ausser den Dingen, über welche ich mich nicht weiter erklären kann, entielt Alf von Dülmens Brief noch verschiedenes, welches mich wohl wider ihn aufbringen, und bewegen könnte, all die gute Meinung, all die guten Absichten, die ich für ihn habe, zurück zu nehmen. Bedenkt selbst, er sucht meinem Verlobten Argwohn gegen meinen Vater einzuflössen, gibt nicht undeutlich zu verstehen, der Kaiser könne die Absicht haben, mich ihm zu entreissen, und an die Stelle der Gräfin von Toulouse auf den kastilischen Tron zu heben!
Ich hoffe, Alf von Dülmen ward selbst von unsern Feinden getäuscht, und schreibt dieses nicht aus bösem Herzen. Ich habe mächtig gestritten, dem Pfalzgrafen alle Unwahrscheinlichkeiten zu zeigen, welche in diesem Vorgeben liegen. Weil Philipp einmal wortbrüchig an dem Pfalzgrafen ward, darum muss er es nicht zum zweitenmale werden! Dass Kunigunde ihm entzogen wurde, lässt sich entschuldigen, sie liebte ihn nicht, und ein anderer hatte ihre frühern Gelübde, aber was für ein Vorwand zeigte sich, mich ihm zu rauben, mich, die ganz in dem geliebten Otto lebt und atmet, die nie, ausser ihm, einen Mann eines Wunsches würdigte, die sich dem Kloster gewidmet haben würde, wär kein Wittelsbach für sie in der Welt gewesen? –
Die Sache widerlegt sich selbst, mein Vater ist ein Deutscher, so wird er nicht handeln, und auf der andern Seite, welch ein ungeheurer Einfall: Alix, welche so nahe am Trone steht, sollte jetzt noch einer andern Platz machen! Ich habe meinem Geliebten das Abgeschmackte in einem solchen Vorgeben deutlich gezeigt, aber er gab mir hier nicht so viel Gehör, als in Ansehung des ersten, er meinte: Wie und warum die Verfassung der Gräfin von Toulouse möglich wär, wollte er mir wohl ein andermal bei mehrerer Musse erklären, doch schien er mir im Ganzen beruhigt, und schied mit ziemlich frohem Mute eine Reise nach Polen anzutreten, welche ihm der Kaiser aufgetragen hat. Ich aber bin seit seiner Entfernung sehr traurig. Das was mir anfangs in Alf von Dülmens Brief so unwahrscheinlich dünkte, macht mir jetzt manche trübe Stunde; einmal ist doch so viel gewiss, meine Verbindung mit dem Grafen wird über die Gebühr verschoben, und was mag seine Reise jetzt wieder bedeuten? Musste man eben ihn, konnte man keinen andern schicken? –
Ach, meine Mutter, wie ich im Anfang sagte, der Name der Gemahlin meines Otto ist wohl noch weit entfernt von eurer
Elise!
Kunigunde, Gräfin von Segni,
an ihre Schwester Elise.
1208.
Du hast mich, seit ich aus dem vaterländischen haus schied, keines briefes gewürdigt, und ich muss glauben, das was dein sogenanntes Glück gemacht hat, bringe dich wider mich auf, und bewege dich, gegen mich unschwesterlich zu handeln. O Elise! was hab ich dir getan? zürnest du darum mit mir, weil ich den Pfalzgrafen Otto von der Hand liess, um meinem Richard treu zu bleiben? Du liebtest deinen Wittelsbacher, die Art, wie ich gegen ihn handelte, handeln musste, ward dein Triumph, ohne mich wär Otto nie dein geworden, so solltest du ja billig mir ehe danken, als auf mich zürnen!
Und doch hättest du billig ursache, mir übel zu wollen, hätte ich gutwillig die Veranlassung zur Verbindung mit einem mann gegeben, der deiner Wahl nicht würdig ist; bei Gott, das wollte ich nicht, ich erschrak als ich erfuhr, die Gefahr, Gräfin von Wittelsbach zu werden, welcher ich mit genauer Not entkam, betreffe nun eine meiner Schwestern! – Wie konnte ich glauben, der Kaiser, welcher einmal Bedenken trug, dem Pfalzgrafen eine Tochter zu geben, sei nun zum zweitenmal im Begriff, sich berücken zu lassen? wie konnte ich vermuten, die stolze Elise würde sich an dem Besitz eines Herzens laben, das ich verschmähte, oder um weltlicher Liebe den heiligen Vorsatz zum Kloster aufgeben? Kaum hätte ich dieses der kleinen leichtsinnigen Beatrix zutrauen