und da Worte nicht im stand sind, den Zustand meines Herzens zu schildern, so rede und schreibe ich unverständlich, und werde für einen Träumer gehalten. – O Schicksal, Schicksal! dass du mich in allem das härteste los ziehen liessest!
Elise an ihre Mutter Irene.
1208.
Es war als ob mein Herz von mir riss, da ihr die Reise nach eurem neuen Lustschlosse antratet; doch eure Gesundheit wollte es, die ärzte, diese allgewaltigen Herrscher in eurer Lage, geboten, und man musste nachgeben. O warum durfte ich euch nicht folgen! Ihr sagtet mir lachend, meine Pflege würde euch bei den Stunden, welche euch bevorstehen, wenig frommen; nun wohl, für euch in der Nähe zu wachen, dem Kaiser täglich Nachricht von euch und endlich die frohste aller Botschaften zu überschreiben, dazu wär ich doch wohl verständig genug gewesen, dazu hätte es doch wohl nicht Not getan, dass ich erst, wie ihr euch scherzend ausdrückt, ein halbes Dutzend Jahre Gräfin von Wittelsbach gewesen wär?
Ach wie weit ist dieser Name warscheinlich noch von mir entfernt! – Ihr wisset, wie ich den teuren Pfalzgrafen liebe, ich habe es euch gestanden, dass lange vorher, ehe seine Wahl unter Kaiser Philipps Töchtern auf Kunigunden fiel, mein heissester, heimlichster Wunsch war, er möchte mich wählen. Er wählte mich nicht, und ich eilte den Kummer, dessen ich mich schämte, in der Dunkelheit des Klosters zu vergraben.
Sehet, das Schicksal hat nun zwischen mir und meiner Schwester, die ihr Glück nicht erkannte, entschieden; Pfalzgraf Otto ist mein, tausendmal beteuert er mir, dass er sich freut, von Kunigunden getäuscht, und durch ihren Wankelmut mein geworden zu sein; ein Kind, sagte er oft zu mir, geht ja wohl vor köstlichem Golde über, und wählt eine schimmernde Scherbe, es verwundet sich die Hand, und greift nach dem heilenden Golde8; sehet, Elise, dies ist mein Fall, ich weiss jetzt was ich an Kunigunden verloren, und an euch gewonnen habe. –
Reden von dieser Art schmeicheln mir, entzücken mich, sie haben in dem mund meines Otto doppelten Wert, in dem mund eines andern würden sie nichts sagen. Die sekte Peters von Kalatin, die schmeichelnde, süsslächelnde, wortreiche sekte der Frauendiener nimmt immer mehr überhand, nur wenig Männer sind, bei welchen, so wie bei meinem Verlobten, jedes Wort genau den Gehalt hat, welchen sein Gepräg versprach.
Zu welcher Gattung mag sich jener Alf von Dülmen rechnen, der sich seit einiger Zeit hier aufhält, den wir aber alle unten einem höhern Namen kennen. – Er ist der Freund meines Otto, o möchte er ihm an Redlichkeit gleichen! Ihr wisst, meine Mutter, was mich zu diesem Wunsche bewegt. Die vorgehabte Verbindung unserer Beatrix mit dem Herzog Otto von Braunschweig ist so gut als vernichtet. Mein Vater und er konnten ja bei der letzten vom Pabst veranstalteten Friedensunterhandlung so wenig einig werden, dass gar nicht daran zu denken ist, eine Vermählung könne den ewigen Zwist heben; sprecht selbst, wer sollte nur den Vorschlag dazu tun? – Ist dieses, hat Beatrix von dieser Seite nichts zu hoffen, oder fast möchte ich lieber sagen, zu fürchten, so könnte man ja auf eine andere Verbindung, auf eine Verbindung nach dem Herzen des armen Mädchens denken! – Dieses Herz, meine teure Mutter, spricht mir nur gar zu hörbar für den sogenannten Alf von Dülmen, in dem sie so wenig als wir alle, den bekannten Grafen Adolf von *** verkennt; zwar ist er eben keiner von den grössten Fürsten unserer Zeit, aber er hat doch Land und Leute, ist vom hohen königlichen Adel, und kann sich an Ansehen im römischen Reiche mit manchem weit höher Benamten messen. O meine Mutter, wenn wir Beatrix durch ihn glücklich machen könnten! – Doch dies sind weitaussehende Dinge. Er hat für meine Schwester nichts als Bewunderung, da sein Herz noch voll ist von unglücklicher Liebe gegen die künftige Königin von Kastilien. Meine Schwester gibt vor, ihn in der Nähe weit weniger einnehmend zu finden, als in der Fern, auch ist es wahr, er hat ein gewisses Etwas an sich, das mich von ihm zurückschreckt, doch mich dünkt, dies ist ihm fremd, ist vielleicht nur noch ein unglückliches Ueberbleibsel von seinen Leiden um Alix, ist erst diese so fest gebunden, dass keine Hoffnung auf sie mehr übrig bleibt, so wird er sich erholen, wird ganz wieder der werden, welcher er ehemals war, wird für andre Reize Augen zu haben beginnen, wird sie ganz natürlich auf die liebenswürdige Beatrix werfen, ihr und mein Vater werdet einwilligen, und auch sie wird glücklich sein, wie ich es bin.
O wenn nur Alf voll Dülmen ganz der ist, für welchen ich ihn, ungeachtet seines finstern zurückstossenden Wesens, halte! Zwei Dinge sind, davon das eine für, das andre wider ihn spricht. Peter von Kalatin, dieser Mann, den wir alle verabscheuen, und seit der Kenntniss von Alverdens geschichte noch mehr verabscheuen müssen, war einst sein Freund und ist es nicht mehr, auf die erste Nachricht von seiner Ankunft bei hof, entfernte er sich, wie ihr wisst, und hat sich seitdem nicht wieder sehen lassen; dies gereicht zu Alf von Dülmens Besten; brechen lasterhafte Freunde mit einem mann, so muss er wohl der Tugend gehuldigt haben; aber ist das auch