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Stimmen erhuben sich von allen Seiten zur Appellation, ihr wisst, Pfalzgraf Otto ist des Kaisers erwählter Schwiegersohn, und Alf von Dülmen – (wie ich den stolzen Grafen Adolf am liebsten nenne) – des Wittelsbachers bester Freund, aber es durfte keine Einwendung mehr angenommen werden, der Hahnenschrei verkündete den Tag, der Himmel graute, und die Richter gingen auseinander.

Lasst uns warten, was aus diesen grossen Anlagen entstehen wird. Behauptet sich Philipps Schuld, so folgt ihm der Bluträcher, aber es ist kein kleines, einem Kaiser ungestraft den Todesstreich zu geben, so viel ich weiss, ist noch in keinem unserer Gerichte der Fall vorgekommen. – Otto von Wittelsbach und Alf von Dülmen, ihr Gehassten beide! Wehe über euch! euer Schwerd erreiche oder verfehle sein Ziel! im ersten Fall seid ihr der öffentlichen Gerechtigkeit als Kaisermörder, im andern der heimlichen, als Meineidige verfallen.

Beatrix an Alverde.

1208.

Dein Alf von Dülmen, den ich nun aber schon längst nach seinem wahren Namen, und eben so lang nach einem Bilde von ihm, das mir der Pfalzgraf zeigte, kenne, der Bruder meiner Alverde ist hier angekommen, aber Gott, welch ein Mann gegen die Vorstellungen, die ich mir nach allen Umständen von ihm machen musste! Können so schöne Züge durch ein innerliches Etwas so entstellt werden? und was mag das Etwas sein, das in seinen inneren gährt?

Nein Alverde, dein Bruder hat den Eindruck nicht auf mich gemacht, den ich geglaubt hätte, als ich ihn nur noch von Hörensagen, als ich ihn nur noch aus jenem geschmeichelten Bilde kannte; statt ihn zu lieben, fürchte ich ihn. Auch in seinem Betragen herrscht eine gewisse scheue Furchtsamkeit, die ihn zu einem äusserst widrigen gegenstand macht; und dieser Mann sollte mich einst geliebt haben? – Nein, er hat es nicht, das Ganze war nur eine Täuschung der Eitelkeit, welche meine Alverde mir zu benehmen nicht freundschaftlich genug dachte. Der Pfalzgraf hat es mir entdeckt, dass die verlobte Königin von Kastilien der Gegenstand seiner leidenschaft war, den du mir verschweigest, und ich hörte diese Entdeckung mit mehrerem Kaltsinn an, als bei meinem für ihn gefassten Vorurteil geschehen sein würde, hätte ich ihn ganz dem Bilde ähnlich gefunden, das ich mir von ihm machte.

Doch er mag wohl nicht immer so beschaffen gewesen sein, als er jetzt ist, der Pfalzgraf versichert mich, dass er ihn selbst kaum mehr kenne, dass er ihm ganz fremd geworden sei, fremd auf alle Art; denn bei der grossen Vertraulichkeit, die von je her unter ihnen herrschte, hat er noch zu keiner Privatunterredung mit ihm kommen können; Wittelsbach behauptet, es müsste etwas ganz ausserordentliches in seinem inneren arbeiten, aber dieses zu entdecken, ist keine Möglichkeit, da er ihn auf das sorgfältigste flieht.

Alverde, fast möchte ich anfangen deinen Bruder zu bemitleiden! sollten dies vielleicht noch Ueberbleibsel der Rasereien um Alix sein? O der schöne herrliche Mann! dass die Liebe ihn so zu grund richten musste! Möchte sie ihm doch die ausgestandenen Leiden auf andere Art vergüten! und wie glücklich wär diejenige, welche der Himmel zum Werkzeug dieser Vergütung bestimmt hätte, sie, die diesem edlen Herzen die Ruhe, dieser Stirn die Heiterkeit, dieser Gestalt ihre Würde wieder geben könnte; ach Freundin, ich weiss nicht was ich denke, ich scheue, ich fürchte diesen unbegreiflichen Mann, deinen Bruder, und doch ist wieder mein Mitleid gegen ihn so zärtlich, dass ich im stand wär, ihm alles zu verzeihen, selbst, dass er die Gräfin von Toulouse liebte, und nicht mich!

Alf von Dülmen an den Pfalzgrafen.

1208.

Verfolge mich nicht, Wittelsbach, frage mich um nichts, du möchtest schreckliche Dinge hören. Allerdings tobt ein grauenvolles geheimnis in meinem Busen, das ich dir zu entdecken schuldig wär, da es einen Auftrag betrifft, den wir vor dem heimlichen Gericht gemeinschaftlich erhalten haben; du kannst ihn nicht ausrichten, er würde dein Unglück machen, nun so fällt er also mir auf die Schultern, aber ich versichere dich, es ist kein kleines ihn zu übernehmen.

Nimm jetzt den Rat an, den ich dir gebe, heirate deine Elise sobald als möglich, und wärs diesen Abend, es ist ihrem Vater auf keine Weise zu trauen, wer weiss ob nicht schon Verhandlungen deine Verlobte zur kastilischen Königin zu machen, unterwegens sind, denen er nur allzugefällig gehorchen wird, die er vielleicht selbst veranlasste. Nimm Elisen, sage ich nochmals, und führe sie so weit du kannst, auf eines deiner Schlösser, damit du nicht hörest, was hier bei hof vorgeht, – Wohl, o wohl mir, da ich tun muss, was ich tun werde, dass nicht die reizende Beatrix, sie, die einzige, welche die Stelle der Gräfin Toulouse ersetzen könnte, mein Herz fesselte, was würde sonst aus mir werden? denn wär ich gerade in dem nehmlichen Fall, in welchem du, ohne es zu wissen, dich befindest!

Aber Himmel, sollte die Sache auch völlig erwiesen sein? Der Herzog von Sachsen war nicht beim Gericht, als es uns den grauenvollen Auftrag gab; mit ihm Rücksprache zu halten, wär doch wohl Pflicht und notwendigkeit ehe man handelte. –

Otto, ich weiss du verstehst mich nicht, ich hatte dir all dieses nicht schreiben sollen, aber meine Gedanken werden, ich schreibe oder ich spreche, unwillkührlich zu Worten,