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glücklicher? Alix ist und bleibt dennoch für mich verlohren. Mit dem Tage, der sie zur Königin von Kastilien macht, stirbt für mich jede Hoffnung auf Glück. Noch irgend eine Freude auf der Welt zu erwarten, würde für den, welcher so niedergedrückt ist als ich, lächerlich sein.

Du schreibst, an dem kaiserlichen hof könne Glück für mich blühen, die jüngere Schwester deiner Verlobten, die Prinzessin Beatrix sei noch nicht so fest für den Herzog von Braunschweig bestimmt, dass sich nicht Aenderung hoffen liess, sie habe dir den wahren Namen ihrer Freundin Alverde und ihres Bruders abgefragt, habe mein Bild bei dir gesehen, und vorteilhaft von mir gesprochen; alles gute und schöne Dinge, welche mir fast dasjenige wieder ins Gedächtniss rufen könnten, was mir einst meine Schwester in voller Angst über meine Anschläge auf die Gräfin von Toulouse schrieb; – mir helfen im grund all diese Hoffnungen nichts; und wär Beatrix noch zehnmal schöner, als sie sein soll, und wär sie, statt die Tochter eines Kaisers zu sein, selbst Kaiserin, und brächte sie mir mit ihrer Hand Kron und Tron, die angebetete Alix würde sie mich doch niemals können vergessen machen. –

Doch ich fühle das Gewicht deiner Ratschläge, ich muss mich herausreissen, muss Pamiers verlassen, und meinen Gedanken, wär es auch nur zum Schein, eine andere Beschäftigung geben, damit ich die Königin von Kastilien vergesse.

O Otto, du weisst nicht, wie weit meine leidenschaft für sie gegangen ist, so weit, dass sie mich die Pflichten der Freundschaft vergessen machte; mir kam etwas zu Ohren, als könnte man willens sein, der Gräfin von Toulouse die ihr so lang bestimmte kastilische Krone zu entziehen, und sie einer andern, die dem Königreiche mehr Nutzen brächte, zuzuwenden; diese Andre, versicherte man mich, könnte wohl Kaiser Philipps Tochter, deine Elise sein; und solltest du es wohl glauben, dass ich mich freute, dich zum zweitenmal deiner Verlobten beraubt zu sehen? nicht etwa weil dies dich unglücklich machte, sondern weil es meinen Hoffnungen auf Alix mehrere Wahrscheinlichkeit gab. In dem Taumel, in welchen ich damals war, glaube ich im stand gewesen zu sein, dir deine Braut mit eigener Hand zu entreissen, und auf den kastilischen Tron zu setzen, nur dass Alix mir geblieben wär. – Gott lob, dass die blinde Raserei der leidenschaft vorüber ist, welche nichts auf Freundschaft und Billigkeit achtet, nur auf eigenen Nutzen sieht.

Jetzt habe ich schon wieder gelernt, auf den Gedanken mit Entsetzen zu blicken, dass Philipp dich zum zweitenmal verraten könnte; o Otto, wenn dieses möglich wär! traue ihm nicht zuviel, ich habe Dinge von ihm gehört, welche mich schaudern machen! Auf jeden Fall sorge, dass Elise bald dein Eigentum werde, so lange sie noch in der Gewalt ihres wankelmütigen Vaters bleibt, kannst du nicht gewisser auf ihren Besitz rechnen, als auf ihre Schwester Kunigunde. Der Pabst hasst dich und den Kaiser, er zittert vor dem Gedanken, die Macht des einen durch Verbindung mit dem andern gestärkt zu sehen, er wird nicht ermangeln, zum zweitenmal zu stören, was er weder dir noch ihm gönnte. Glaube nicht, dass ich dich mit blossen Mutmassungen unterhalte, sobald ich bei dir bin, will ich dir Beweise auflegen.

Bald, bald siehst du mich an dem kaiserlichen hof, diesen Abend noch einen Abschiedsbesuch bei meiner Schwester im Kloster, und morgen meine Abreise. Die arme Alverde, die treue zärtliche Schwester verdient durch den Anblick dessen getröstet zu werden, dessen Schicksal ihr so viel Kummer machte. Man hatte ihr hinterbracht, ich sei tod; denke dir das Entsetzen der guten Seele.

Du wunderst dich über den ruhigen Ton, in welchem ich der vor wenig Tagen noch halb Wahnsinnige schreibe, du kannst nicht begreifen, dass die Kerkerluft allein diese Aenderung bewirkt habe? – Du möchtest vielleicht Recht haben. Wisse, ich bin jetzt mit mehreren Hoffnungen in meiner Liebe beglückt als zuvor, ich habe erfahren, dass die himmlische Gräfin von Toulouse sich in meinem Elend durch die dringendsten Vorbitten für mich verwendet hat; dies schmeichelt mir nicht allein mit dem Gedanken, dass ich ihr nicht gleichgültig bin, sondern es bringt mir auch noch andre Möglichkeiten in den Sinn. Sie hat durch ihre Gnade gegen mich, welcher man einen höhern Namen gibt, als ich für wahr halten kann, den Hass der Kastilier noch mehr auf sich geladen, ihre Einsegnung mit dem kastilischen Gesandten wird verschoben von einem Tage zum andern, sie werden sie nimmer zu ihrer Königin machen; sie sinnen nur darauf, wie sie das Band mit guten Schein brechen, und die Heiratswerbung um deine Elise anspinnen wollen; das letzte soll ihnen, so Gott will, fehlschlagen, aber das erste bringt die schöne Alix in meine arme. Auf die erste Bewegung, die man macht, sie ihrem Bruder zurück zu schicken, – und dies muss geschehen, ehe man mit Anstand die Werbung um die kaiserliche Prinzessin einleiten kannauf den ersten Wink, den mir Alverde, mit der ich einverstanden bin, hievon gibt, habe ich Recht, die Verstossene in meine arme aufzufassen. Hier ist die Rede weder von Entführung noch Gewalttat. Ganz ruhig, und vor den Augen der ganzen Welt bringe ich sie nun in die arme ihres Bruders zurück. Die Lage des Grafen von Toulouse ist bedenklich, der Schutz, den er den Waldensern in seinen Landen gönnt