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zur Ruhe zu gehen.

Höre doch, Kurd, rief ihm Tomas nach, was mag der letzte fürchterliche Donnerschlag für Schaden getan haben? dass er traf, glaubte ich zu hören.

Er hat des von Dülmen Säule von der Spitze bis auf die Stufen zertrümmert, war die Antwort, morgen sollt ihr mehr davon hören.

Verzeiht, Herr Pfalzgraf, sagte Tomas, da jetzt Kurd fort war, und er sich von der Freude, ihn geborgen zu sehen, wieder erholt hatte, dass ich mir in eurer Gegenwart so viel Freiheit nehme, aber meine Knechte sind mir so lieb wie meine Kinder, beide haben mich nach Palästina und wieder heraus begleitet, Vincent war mein Reisiger und Konrad mein Knappe, dem letzten habe ich zweimal mein Leben zu danken, so wie ich auch ihm das seinige einmal rettete; noch einmal, es ist zwischen ihnen und mir das nehmliche verhältnis, wie unter Vater und Kindern.

Wollte Gott; rief Ruprecht, jeder Fürst stünd mit seinen Untertanen, so wie ihr mit euren Knechten; doch was wollte Konrad mit des von Dülmen Säule?

Diese Säule, Herr Pfalzgraf, ist ein altes Denkmal in diesen Gegenden, bei welchem ihr vorübergekommen sein müsst, und das wir nicht anders zu nennen wissen, als die Säule Alfs von Dülmen, weil sein Name und der Name einer gewissen Alverde, die wohl seine Gattin gewesen sein mag, unter andern Charakteren darauf noch lesbar war.

Und wer mag dieser von Dülmen gewesen sein? es tut mir leid, dass ich das Monument so kurz vor seinem Untergang nur im Schimmern gesehen habe, denn ich vermute, es war eben das, das ich vorhin auf einem Absatz des Schlossbergs im Heraufreiten zur Seite liegen liess; so viel mir der Schein des Blitzes zeigte, eine Gigantische Pyramide auf vier Stufen, mit einer kleinen abgestumpften Nebensäule.

Ihr habt recht gesehen, und hört, was ich euch von diesen Dingen sagen kann, so wie ich es beim Ankauf dieser Gegend aus dem mund eines alten Bauern des jenseitigen Dorfs erfuhr. Wer die uralten Eigner dieses Schlosses gewesen sind, weiss ich nicht, ich erhielt es aus den Händen derer von Remen, die es andertalbhundert Jahr besessen haben sollen. Der erste Ankäufer aus diesem haus, Evert von Remen, fand Gefallen an der wilden Gegend, in welcher es lag, wie ich Gefallen daran gefunden habe, glaubte sie des Anbauens und der Verschönerung fähig, und beschloss den alten Steinhaufen, diese Burg, wie sie noch jetzt ist, zum zierlichen schloss zu machen. Bei seinem ersten Eintritt als Eigentümer, warf sich ihm der Schlossbewahrer zu Füssen, und bat um Gnade wegen dessen, was er ihm jetzt, durch Not gezwungen, bekennen müsse. Zehn Jahr, fuhr er auf Befehl fort, war ich Hüter dieses Hauses, bei Antritt meines Amts ward ich in Pflicht genommen, einen Gefangenen, welcher damals schon dreissig Jahr in einem unterirdischen gefängnis schmachtete, auf die Art fortan zu halten, wie er bisher gehalten worden war, und ihn, sobald dieses Schloss in fremde hände käm, zu erwürgen. Das erste habe ich treulich getan, das andre zu erfüllen, ist mir unmöglich. Hier sind die Schlüssel zu seinem Kerker, tut mit ihm, wie euch gefällt, nur macht mich nicht zu seinem Henker!

Evert von Remen schauderte ob den Gedanken einer vierzigjährigen Gefangenschaft, und flog, die verjährten Fesseln desjenigen zu lösen, dessen Freiheit das Schicksal so wunderbar in seine hände gestellt hatte. Die Tradition sagt nicht genau, wie er jenen Unglücklichen gefunden habe, doch das versichert sie, dass er, ich weiss nicht ob mit mehr Freude oder Entsetzen, in ihm einen alten, lang verlohrnen, todgeglaubten, fast vergessenen Jugendfreund, eben jenen Alf von Dülmen fand, dem zu Ehren er bald darauf das Denkmal setzen liess, welches jetzt der Donner gespaltet hat. Alf von Dülmen überlebt das Glück, seine Freiheit und seinen Freund nach vierzigjährigem Elend wiedergefunden zu haben, nur wenige Tage. Er starb in des von Remen Armen, und wurde von ihm auf der euch bezeichneten Stelle begraben.

Evert fand von nun an die Gegend, wo sein Freund so lang gelitten hatte, zu schrecklich, um sie zu bewohnen, er liess den Bau des Schlosses, und begnügte sich, hier ein Grab gebaut zu haben. Er tat nachher grosse Reisen nach Spanien, Frankreich und Welschland, die, wie man sagte, Beziehung auf die geschichte seines unglücklichen Freundes hatten, welches aber diese geschichte war, das ist nie kund worden, wirds auch wohl nie werden, bis auf jenen grossen Tag, den Erklärer aller Geheimnisse. Einige behaupten, Alf von Dülmen sei sehr in die begebenheiten von der Ermordung weiland Kaiser Philips verflochten gewesen, andere wollen, auch hier habe jene furchtbare unbekannte Macht, von welcher wir vorhin sprachen, und deren Verfolgungen auch ich gefühlt habe, die blutige Hand mit im Spiele gehabt, seine geschichte habe in jenem furchtbaren Gericht Anlass zu grösserer Heimlichkeit und geschärften Gesetzen gegeben, als bis dahin üblich waren. Doch wer will auf diese Sagen trauen! das gemeine Gerücht ist lügenhaft, in unsern Tagen kann kein grosser Herr ohne Verdacht der Vergiftung oder des Meuchelmords das Leben verlieren, und kein Privatmann unvermerkt aus dem Zirkel seiner Bekannten verschwinden, ohne dass man hier die Macht der unsichtbaren Rächer ahnde. Wie man heute denkt, so dachte man wahrscheinlich schon vor zweihundert Jahren, zu Kaiser Philipps und Alfs von Dülmen