einige Bücher brachte, deren Verbergung uns in der Folge so grosse Unruhe machte – (ach sie sind auch dahin, man hat mir sie genommen, und ich habe die Kastelmoro in Verdacht, dass sie sie den Flammen opferte) – dieser junge Mensch also, – (Alf von Dülmen denke ich ist sein Name) – der schönste Jüngling, den ich jemals sah, mir doppelt rührend, durch den Ausdruck heiliger Schwermut in seinem Auge, ist einigemal in Kirchen und auf Spaziergängen ertappt worden, dass er mir und meinen Frauen folgte; ich weiss es selbst, dass er es tat, ich sprach damals mit dir davon, und glaubte, dass du, meine Alverde, der Gegenstand seiner Aufmerksamkeit wärest, ach die blendende Blässe seiner Wangen, und der wilde blick seiner herumirrenden Augen hätte wohl auf das deuten können, was ich wohl ehe von den Würkungen unglücklicher Liebe hörte. – – Nun dieser Alf von Dülmen, (ich weiss nicht, wie ich dies sagen soll, mir ist es als würde ich mit der Nachricht dein Herz verwunden, ich fange zehnmal an und kann nicht endigen,) – genug man hat ihn, Gott weiss warum, eingezogen, und in ein abscheuliches gefängnis geworfen. Sein Diener kam, nach dir zu fragen, und dich um Vorbitte für ihn anzusprechen, woraus ich fast schliessen möchte, dass er dir bekannt wär, und meine Furcht, du könntest durch die Nachricht von seinem Schicksal gekränkt werden, ihren guten Grund hätte. –
Du warst nicht mehr vorhanden, da wandte sich Alf von Dülmens Vorbitte an mich, und du kannst wohl denken was ich tat. Zum Bischof von Kastilien eilte ich, welcher des Gefangenen Schicksal in Händen hat, für ihn zu bitten; aber glaubst du, dass meine Vorbitte, die Vorbitte einer person, welcher man mit der Macht zu befehlen schmeichelt, etwas fruchtete? Fast zu Füssen habe ich mich dem grausamen Priester geworfen, umsonst! Mein Eindringen schien ihn nur noch mehr zu erbittern. – Ich eilte von ihm zu den Grafen von Kastelmoro, dem Sohn der Fürstin, ich bestürmte das Mitleid der Fürstin selbst, sich mit mir bei dem Bischof zum Besten des armen Unbekannten zu verwenden; ich ward eben so hart, fast möchte ich sagen schimpflich zurückgewiesen. Es hat das Ansehen, als wollte man mir es zur Sünde rechnen, dass ich Gefühl für fremde Leiden habe. Man hat mich in Verdacht geheimer Kenntniss von den mir unbekannten Verbrecher jenes Gefangenen; man tut fragen an mich, über die ich erstaune! O, Alverde, noch einmal, ist dieses der Zustand einer künftigen Königin, so wähle ich den Tod – doch ihn herbeizuwünschen, ist fast so ruchlos als ihn beschleunigen, ich nehme also meine Worte zurück, und ergebe mich in mein Schicksal.
Alf von Dülmen soll tod sein, man sagt, meine Vorbitte habe sein Urteil beschleuniget, o Alverde, siehe hier die glorreichen Würkungen, welche inskünftige meine Verwendungen für Elende haben werden.
Pfalzgraf Otto von Wittelsbach an Bernhard,
Herzog von Sachsen.
1207.
Ich habe Nachricht, Graf Adolf von *** sei in Lebensgefahr, ich sehe nicht, was man ausser einigen jugendlichen Torheiten für Verbrechen auf ihn bringen kann, hier ist der Brief seiner Schwester, durch welchen ich hievon das erste erfuhr, zu weiterer Belehrung; ihr wisst, meine Macht reicht nicht zu seiner Rettung hin, ihr aber vermögt alles. Der Ort der Gefahr ist Pamiers, die Hauptfeinde des Verfolgten wahrscheinlich Mönche. Genauere Kunde werdet ihr besser und schneller als durch mich erhalten können.
Antwort.
1207.
Noch immer durch Krankheit festgehalten, muss ich die tätige hülfe für den Freigrafen Adolf, dem Herzog von ** auftragen, welcher sich an meiner Statt unbekannt zu Pamiers aufhielt. Wenn ihr dieses durch die gewöhnlichen Mittel erhaltet, wird Graf Adolf wahrscheinlich schon gerettet sein! – Dass Mönche seine Feinde sind, ist nicht zu bewundern, sie sind Feinde unsers ganzen Bundes; sie trachten nach der Macht, die uns Gott und der Kaiser verliehen hat. Ich habe dem Herzog ** nach Pamiers warnend geschrieben, dass er sich von niemand auslocken lasse, auch euch, mein teurer Wittelsbach, warne ich. Ich höre von einer besonderen Vertraulichkeit zwischen euch und dem Bischof von Sutri; Dinge, die mir nicht gefallen. Nehmt euch in Acht, ihr werdet nie aus Bosheit und Leichtsinn fehlen, aber ich kenne euer Herz, ihr könntet leicht aus frommer Unachtsamkeit, euch zu Aeusserungen über Dinge verleiten lassen, die uns Gefahr bringen könnten, und die euch auf der Stufe, auf welcher ihr steht, noch nicht einmal verständlich sind.
Alf von Dülmen an den Pfalzgrafen Otto.
1207.
Kann ich die Hand verkennen, welche mich aus dem Kerker, dem tod aus dem Rachen riss? Es war die Deinige, aber soll ich dir danken für das was du tatest? In welch ein Leben hast du mich zurückgerufen! Es ist wahr, das Elend des Gefängnisses hat mein Gehirn ein wenig abgekühlt, hat mein Blut ruhiger fliessen gemacht, hat mir Musse zum Nachdenken gegeben; in der Dunkelheit eines Kerkers beurteilt man manche Dinge richtiger, als bei hellem Sonnenlichte, aber wenn ich auch das Rasende meines Betragens in Ansehung der Gräfin von Toulouse einsehe, wenn ich auch fühle, zu welchen Taten mich eine wütende leidenschaft beinahe hingerissen hätte, und dem Schicksal danke, dass es mich bei so viel Abgründen vorüber führte, macht dies meine Lage