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Funken von Liebe; dies ist nicht genug, auch die Grossen von Kastilien sind heimliche Feinde der unglücklichen Braut. Der Plan zu dieser Vermählung ward so lange gemacht, dass sich seitdem das Staatsinteresse zehnmal verändert hat, man schliesst sie jetzt nur darum, weil man einmal gegebenes Wort nicht brechen mag; aber ich bin so gewiss überzeugt, als ich das Leben habe, dass man nichts mehr wünscht, als sich je eher je lieber eine unglückliche Prinzessin vom Halse zu schaffen, welche ihrem Gemahl jetzt keine sonderlichen Staatsvorteile mehr zubringen kann. Man geht mit neuen vorteilhaften Verbindungen für den kastilischen Prinzen um, die ich euch nicht genauer bezeichnen will, um euer Herz, guter betrogener Pfalzgraf, nicht vor der Zeit zu brechen. Die letzteren Abenteuer, der unglücklichen Alix, die entstandenen Zweifel wider ihre Rechtgläubigkeit, und die Rasereien meines Bruders, kamen vielleicht recht zu gelegener Zeit, um irgend einem grausamen unbilligen Verfahren gegen eine Unschuldige einen Anstrich zu geben. Worin das, was man wider meine Freundin im Sinne hat, bestehen mag, weiss ich nicht, aber dass irgend ein schrecklicher Vorgang vor der Tür ist, das mutmasse ich aus allen Umständen. Ach man entfernte mich vielleicht bloss darum von ihr, damit man sie desto sicherer stürzen könnte, man wusste, dass mein Auge zu sehr über sie wachen würde, um betrogen zu werden.

Ich erhielt, als ich von der Fürstin von Kastelmoro entlassen ward, den Befehl, Pamiers sogleich zu verlassen, und ihr werdet wohl erraten, dass ich mich nicht für verbunden hielt, ihn zu befolgen. Verlass mich nicht ganz, Alverde! rief Alix, als sie sich beim Abschied weinend an meinen Nacken schmiegte, bleib hier in irgend einem Kloster, wo ich dir Nachricht von mir geben kann; dieser Bitte, oder vielmehr dem Antrieb meines eigenen Herzens zu folge, halte ich mich bei den hiesigen Cölestinernonnen auf, bereit auf den ersten Wink alles für diejenige zu wagen, für welche ich gleichfalls die hülfe des guten Fürsten anflehen würde, an welchen ich schreibe, wenn ich anzugeben wüsste, wie der unglücklichen Gräfin zu helfen wär. So lang sie in den Händen der Kastilier ist, gibt es keine Möglichkeit, sie mit einem Anschein des Rechts zu befreien, und wer weiss, ob sie lebendig aus denselben kommen wird. O schreckliche, schreckliche Vorstellungen! ich suchte ihr Quälendes durch Mitteilung zu lindern, aber ich merke, dass sie bei mehrerer Auseinandersetzung nur mehr Wahrscheinlichkeit, nur mehr Kraft gewinnen, mein Herz zu foltern.

Pfalzgraf Otto, ihr könnt die Prinzessin nicht retten, rettet wenigstens meinen unglücklichen Bruder auf die Art, welche euch besser bewusst sein wird als mir.

Alix an Alverde.

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Noch einen harten Stand habe ich nach deiner Entfernung gehabt; ich ward über Dinge befragt, von welchen ich zum Glück keine Auskunft geben konnte, über deinen Stand und Herkunft; dass du mehr bist als du dich ausgiebst, musste ich gestehen, wie hätte ich leugnen sollen, was jedem, der dich sieht, in die Augen fällt. Ueberhaupt ist leugnen gar nicht meine Sache. Eure Rede sei ja, ja, nein, nein, sagen unsere Bücher, die man mir so grausam entrissen hat; gut dass die Lehren derselben in mein Herz geschrieben stehen, womit wollte ich sonst mich jetzt, und in meinem langen freudenlosen Leben trösten, das ich an dem kastilischen hof vor mir sehe?

O, Alverde, weisst du was ich jetzt oft mir wünsche? frühen Tod! Ich mit all meinen Wünschen und Hoffnungen passe ja eigentlich gar nicht in diese Welt. Ich, Alverde, ich soll eine Königin werden? Ja, wenn Königinnen ihren Scepter trügen, bloss um wohlzutun! – Dieser Gedanke, der Gedanke durch die Krone zur unumschränkten Macht zu gelangen, Gutes zu stiften, und Elend zu lindern, dieser machte mir lange Zeit mein los erträglich. Himmel, Gutes tun, und nicht müde werden, und bei dieser unermüdeten Begier nach guten Taten, eine eben so unerschöpfliche Quelle an Macht und Vermögen zur Seite zu haben, aus der man nur nehmen und ausstreuen könnte, wo Mangel und Elend lechzte, und wenn denn rund umher, so weit die Augen reichen, alles befriedigt, alles beglückt wär, mit dem Seherblick, den man Königen zuschreibt, in die Ferne spähen nach neuer Arbeit, mit ihrem weitreichenden Arm hülfe und Trost in die entlegensten Gegenden der Erde tragen, dieses war so mein Plan, und wer bei einem solchen eine Krone verschmähen, oder die Ruhe des Todes der Tätigkeit des Lebens vorziehen wollte, o der müsste wohl den Hauch nicht verdienen, den ihm der Schöpfer für andere nicht für sich schenkte.

Ich habe der Kastelmoro viel von meinen Wünschen und Hoffnungen gesagt, sie hat mich verlacht, und mir so ein ganz andres Bild von dem Leben einer Königin entworfen, dass ich mich mit wahrer Lebensmüdigkeit sehne, das Joch abzuwerfen, welches man mir auflegen will, und das ich zum teil schon trage. Es scheint, zu tugendhafter Tätigkeit werden mir die hände in Kastilien noch mehr gebunden sein, als im Kloster; wer wollte sich da das Leben wünschen? –

Mein Ansehen ist hier so klein, ungeachtet alles sich stellt mir zu Füssen zu sinken, dass ich nicht einmal Macht zu bitten habe, oder Hoffnung, dass man meine Vorbitte hören wird: Du erinnerst dich vielleicht eines jungen Menschen, welcher einst von meinem Bruder abgeschickt, mir