zu lassen. Er ist jetzt zu Pamiers, und was ich getan habe, ihn bloss euch zu Liebe dahin zu bringen, das ist euch bekannt. Niemand als ich, der als Repräsentant des freien Stuhls zu ** bei ihm den meisten Glauben findet, hätte ihn durch falsche Ladungen zu Schritten verleiten können, die er vor dem Gericht, in welchem er selbst eine so hohe Stufe bekleidet, nimmer verantworten wird.
"Sollte ich irre geleitet worden sein" spricht er in seinem Antwortschreiben von euch – "Sollte ich irre geleitet worden sein, so müsste man sich an Peter von Kalatin halten." O guter Adolf, Peter von Kalatin wird den Kopf aus der Schlinge zu ziehen wissen, wenn die Sache vor unserm furchtbaren Tribunal zum Vortrag gebracht wird, und du wirst allein büssen, wozu du dich zu deinem Verderben bereden liessest. Ich hasse diesen sogenannten Alf von Dülmen jetzt mehr als jemals; euch machte ihn die schnell erlangte hohe Gewalt in unserm Zirkel zum Feinde, und mich verhetzte gekränkte Liebe gegen ihn. Er schlug mir zu wiederholten malen seine Schwester unter dem Vorwand ab, sie sei bereits an Evert von Remen versprochen; ich musste mich rächen, und wie konnte ich es besser tun, als wenn ich ihn in leidenschaft gegen eine ebenfalls schon Verlobte verstrickte. Seine rasende Liebe zu der Gräfin Alix von Toulouse, von deren Vermählung an den kastilischen Gesandten ihr nun bald Zeuge sein werdet, liess ihn alle Schritte, zu denen wir ihn verleiten wollen, mit mehrerer Unbesonnenheit tun, als vielleicht sonst geschehen sein würde, und sie ward noch überdem das Mittel, mir meine geliebte Alverde in die hände zu spielen; zwar ist mir dieser köstliche Raub jetzt wieder entwischt; aber Geduld! wenn all unsere Anschläge geglückt sind, wird auch meine Liebe glücklich sein! Ein mächtiges Hinderniss derselben ist ja schon aus dem Wege geräumt. Evert von Remen, mein glücklicher Nebenbuhler, hat nach seiner gewöhnlichen Einfalt und Voreiligkeit all seine Habschaft in Geld verwandelt, und ist nach dem heiligen land gezogen; sehr wohl! Das Glück hat gut zwischen uns entschieden, ihm gab es das Kreuz, und mir bewahrt es die schöne Alverde auf.
Verzeihet, gnädiger Herr, ich tue Unrecht, euch mit meinen Angelegenheiten zu unterhalten, ja noch mehr, ich begehe vielleicht eine Torheit, dem Heimlichkeiten anzuvertrauen, welcher so leicht auszulokken ist! – O der Graf von Segni! der Graf von Segni! Eure beiden Augen hättet ihr ehe verlieren, als diesem trauen sollen! Dass ich doch zu spät kam, euch zu warnen! Wie war es doch möglich, einen so helldenkenden scharfsichtigen Geist, wie den eurigen zu täuschen! – Ich in meiner Schwachheit habe ähnlichen Versuchungen, denen auch ich ausgesetzt war, nie untergelegen, doch ich entging vielleicht der Gefahr dadurch am sichersten, dass ich nie eingeständig war, Anteil an verborgenen Dingen zu haben; wie sollten die Räuber in der Hütte des Mannes von kundbarer Armut Schätze suchen!
Das fatalste bei der ganzen Sache ist das, – erlaubt mir es zu sagen – unüberlegte geständnis gegen Alf von Dülmen, das der Graf von Segni euch abgelockt hat. Wozu dieses? habt ihr eurem Gegner nicht damit die Waffen, euch zu schaden, in die hände gegeben? – Ich kann mich hierin in der Tat nicht in euch finden, gnädiger Herr! Die Angst über die abgedrungenen Geheimnisse muss euch zum geständnis eurer Schuld, gleich gegen den ersten den besten, der euch in den Sinn kam, gereizt haben, wie es denn weiche Seelen gibt, die die kleinste Gewissenswunde nicht schnell genug durch Beicht und Absolution zu heilen wissen. Ei Lieber, wenn ihr beichten wolltet, warum musste denn Alf von Dülmen euer Konfessor sein? gab es keinen treuern Kalatin in der Welt, welcher euch Trost und Lossprechung nicht versagt, und euch wohl noch eine Warnung angehängt haben würde?
Wisst ihr, worin sie besteht? – Ihr schreibt in der Kopie eures briefes an den von Dülmen, da so etwas von Verbrechen Kaiser Philipps, welche vor das heimliche Gericht gezogen werden sollten; ich bitte, nehmt euch hier wohl in Acht, kommen die Denunciationen von dem Grafen von Segni, so sind sie verdächtig. – Man trachtet den Geheimnissen unsers Bundes nach, das ist offenbar; man beneidet uns unsere unumschränkte Gewalt, will sie uns vielleicht entreissen, wie könnte das leichter geschehen, als wenn man unsere Unfehlbarkeit verdächtig machte? wenn man unsere Gerechtigkeit statt der Binde gefärbte Gläser vor die Augen legte, und sie zu falschen Urteilen verleitete? –
Noch einmal, nehmt euch in Acht, denn könnte es nicht auch möglich sein, dass eine fremde Macht Philipp den Kaiser hasste, und durch unser Schwerd auszuführen suchte, was sie sich selbst nicht zu handhaben getrauet?
Was mich anbelangt, ich hasse Alf von Dülmen herzlich, weil ich Alverden liebe, ich wünsche seinen Untergang, teils weil seine Grösse meinen Stolz beleidigt, teils weil es hier und da einige gibt, die ihn ebenfalls gern gedemütiget sehen möchten, und mir meinen Beitritt in ihren Anschlägen gut bezahlen. Aber der Göttin, deren Diener wir alle sind, der unsichtbaren Temis werde ich ewig treu und gewärtig bleiben, und bis auf den letzten Hauch meines Lebens sei es mein liebstes Geschäft, an der Unerschütterlichkeit ihres Trons zu arbeiten. Ungeachtet ich bedürfenden Falls es für gut halte, sie gar nicht zu kennen, wohl gar gelegentlich auf ihre Diener zu schmähen; Dinge