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so fest gebunden als sie, vielleicht eher dein Glück machen wird, als die kastilische Braut. Bedenke, dass wir hier überall von wachenden Augen umgeben sind, bedenke vor allen die Blicke der zahlreichen Geistlichkeit, die hier überall auf uns treffen, du sagtest oft zu mir, die Bischöfe und Mönche wären deine Freunde nicht, warum ziehst du dich hier, wo alles von geinfulten und bekappten Herrn wimmelt, nicht zurück? Glaubst du, der Name, Alf von Dülmen, werde dich schützen? sollte unter so viel scharfen Augen nicht ein einziges Paar sein, das dich kennte? – Und wozu der Einfall, der Gräfin von Toulouse im Namen ihres Bruders aufzuwarten, und ihr Schriften von seiner Hand zu überreichen, die ihr wohl heimlicher hätten eingeliefert werden können? Du hast dich in die Vertraulichkeit des Grafen eingeschlichen, um dich bei der Schwester einführen lassen zu können, aber so unvorsichtig zu verfahren, als du verfuhrst, ward dir vermutlich nicht aufgetragen. Du glaubtest wir wären ganz allein, und was würdest du sagen, wenn ich dich versicherte, dass wir dennoch beobachtet worden sein mussten?

Die Fürstin von Kastelmoro, die man der Prinzessin aus Kastilien entgegen geschickt hat, bat sie noch am nehmlichen Abend, sich nicht durch allzuvieles Lesen die Augen zu verderben, und machte einige Versuche, sich der Bücher zu bemächtigen, welche der liebste Zeitvertreib der unglücklichen Alix sind, es gelang uns, ihren Augen die verdächtigsten, Henrich Brües und Peter Waldus Gedanken vom Fegefeuer, vom Ablass, von den Bischöfen u.s.w. zu entziehen, aber die Uebersetzung der Evangelien ist doch in ihre hände geraten; Alix hat die ganze Nacht über den Verlust geweint, und ich weine in der Stille über die Folgen, die dieser Verlust haben könnte. – Alles dieses, erlaube mir es zu sagen, sind Folgen deiner Unvorsichtigkeit! – O des boshaften Kalatins, dass er durch das Bild der verlobten Alix dich auf Gedanken leitete, die, wie es scheint, deinen Verstand ganz benebeln, und deine jüngere Schwester, die einfältige Alverde, in den Fall setzen, dich zu recht weisen zu müssen, dich, dem sie bisher, und wie es mich jetzt dünkt, nicht allemal zur Ehre der gesunden Vernunft blindlings folgte. – Oeffne die Augen, Adolf, erkenne doch, was es dich hilft, dich zum Anschau einer person zu drängen, welche nicht mehr frei ist, und bei welcher aufs beste genommen, deine Gegenwart ganz nutzlos sein wird, denn das wirst du doch nicht wünschen wollen, dass du einen Eindruck auf die unschuldige Seele machtest, dass du ihr Gefühle einflössest, welche sich mit der Treue nicht vertrügen, die sie in wenig Tagen dem Prinzen von Kastilien schwören soll? –

Ich werde diesen Brief dir diesen Abend, wenn du wieder unvorsichtig genug sein solltest, uns beim Spaziergehen zu verfolgen, selbst in die Hand drükken. Die Fürstin von Kastelmoro, welcher dein geflissentliches Nachschleichen überall, wo wir uns blicken lassen, nicht entgeht, affektirt zu wähnen, du habest ein Auge auf mich geworfen; ich werde mich nach dir umwenden, dir einige harte Worte sagen, und beiläufig gelegenheit suchen, dir dieses unvermerkt zuzustecken, es fremden Händen anzuvertrauen, wär unmöglich. – Hast du eine Antwort für deine Schwester, so verbirg sie in dem hohlen Baume am Ende der dritten Allee des Gartens, de la Mariniere, aber sie darf nichts entalten, als Abschied auf ewig, von Alix und den Gegenden, wo sie lebt. Begieb dich an dem kaiserlichen Hof, vielleicht dass dort ein besseres Glück dir lächelt, vielleicht, dass ich dir dort Nachricht von mir geben und mit mehrerer Sicherheit das nehmliche von dir erhalten kann.

Peter von Kalatin nach Rom.

1207.

Es ward mir aufgetragen, den Grafen Adolf von *** auf was Art es sei, aus seiner Sicherheit zu locken, und es ist mir endlich gelungen, ist mir schon vor mehreren Monaten gelungen; dass ich dieses so spät melde, geschieht darum, weil ich seine Spur gänzlich verlohren hatte, und erst jetzt mit Zuverlässigkeit weiss, dass er, nachdem er sich eine Zeit lang beim Grafen von Toulouse aufgehalten hatte, jetzt zu Pamiers angelangt ist. Was ihn dortin leitete, war Liebe. Liebe war das einige Mittel, den Unerschütterlichen zu fangen, sollte ich, der ich sie in seinem Herzen weckte, sie auf einen unschicklichen Gegenstand gelenkt haben, so wird der Schade davon immer allein auf ihn fallen; ich darf nicht darüber zur Rechenschaft gezogen werden, da, wie ich hier nochmals wiederhole, mir ungemessene Freiheit gegeben wurde, zu Erreichung meiner Absichten, kein Mittel zu verschmähen.

Dass der Graf von Segni von dem sogenannten Unbekannten, dem Stellvertreter des Herzogs von Sachsen zu Pamiens viel verborgene Dinge erfahren haben soll, darauf kann ich nichts sagen; ich habe ja erklärt, dass mir von allen Heimlichkeiten dieser Art nichts bewusst ist. Der Unbekannte ist ein schwacher leicht zu betörender Fürst, das Schicksal könnte dem klugen Grafen von Segni keinen schicklichern Gegenstand in die hände geführt haben. Ich wünsche ihm, dass er nicht selbst betrogen sein mag!

Peter von Kalatin an den Unbekannten.

1207.

Der Brief, welchen der sogenannte Alf von Dülmen an euch, mein gnädiger Herr, geschrieben hat, ist mehr als kühn, und verdient die Vermehrung eures Hasses; wohl euch, dass ihr nun bald im stand sein werdet, ihm die Würkungen desselben fühlen