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die in der Folge deine Freundin ward, und die es bleiben würde, und wenn du auch deinen Vorsatz brächest, und ihr die kühnen Wünsche deines Bruders geständest. – Warum kühn, meine Alverde; ist dein Bruder auch nicht ganz der grosse Fürst, für den ich ihn halte, o es gibt Prinzessinnen genug, die sich um Liebe Willen eine Stufe herabsetzen; und was meine Verlobung betrifft

Gott, was habe ich gesagt! – Alverde, das geheimnis ist heraus! Ich weiss es, Beatrix von Schwaben ist die Dame, die deines Bruders Herz gerührt hat, alle Umstände, die du angiebst, passen auf mich und auf keine andre, je öfter ich deinen Brief lese, je gewisser werde ich hievon, aber lass dich von nichts irren; meine Verlobung an den Gegner meines Vaters, an Herzog Otten, ist noch nicht auf die entfernteste Art eingeleitet, geschweige geschlossen, und was das sogenannte Gift der waldensischen Lehre anbelangtAlverde, du weisst, was wir alle viere, du, Alix, meine Schwester und ich davon halten, und ich, überhaupt nicht sonderlich aufgelegt zu ernstaften Dingen, bin noch vielleicht diejenige unter euch, die sich am ersten eines andern belehren liess. Gleicht dein Bruder, wie du uns einmal sagtest, dir von Gesicht, und dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach von Gestalt, so werde ich ihn lieben, und was wird der, den ich liebe, nicht aus mir machen können!

Himmel was habe ich dir alles geschrieben! Geschwind will ich es schliessen, ich stürbe vor Beschämung, wenn es ausser dem treuen Auge der Freundschaft jemand erblickte. Lass es weder von Sonne noch Mond bescheinen, sondern wenn du es gelesen hast, so opfre es augenblicklich den Flammen, dass mein geheimnis nur in deinem Herzen existire. – Es beschämt und beunruhigt mich in der Tat nicht wenig, dass ich vor meiner Mutter und meiner Schwester, denen ich nie etwas verschwieg, eine Heimlichkeit haben soll, aber meine Mutter hat nichts im Sinn als ihren Herzog Otto, bei dessen Namen mich immer ein Schauer befällt, weil mir es immer ist, als flüsterte man mir ins Ohr: du wirst nicht acht Tage leben, wenn du seine Gattin wirst. Was Elisen anbelangt – o die ist so glücklich in ihrem Wittelsbach, dass sie kein Mitleiden für die Gefühle andrer haben würde, und dass ich also auch gegen sie schweigen muss. – Sie kann sich selig preissen; die Stelle in dem Herzen des vortreflichen Pfalzgrafen, die eine andre einnahm, hat ihr das Glück, sie weiss selbst nicht wie, geräumt, er vergiesst bei ihr Kunigunden völlig, und kann sie leicht vergessen, denn Elise ist besser und schöner, als die nunmehrige Gemahlin des päbstlichen Nepoten, aber ist nicht Beatrix auch gut und schön? hatte sie nicht auch Gefühl für die Vorzüge des Grafen von Wittelsbach? und doch musste sie zurückstehen, doch gebot ihr die strenge Mutter, ja keinen ihrer Vorzüge vorleuchten zu lassen, damit es ja bei dem Pfalzgrafen gar nicht zur Wahl käme, damit sein Auge ja gleich allein auf der, welche man ihm bestimmte, haften bliebe.

O Alverde, diese Dinge marterten mich ungemein, ehe ich wusste, dass Graf Adolf mich liebt, jetzt bin ich mit allem ausgesöhnt, bin fest entschlossen, der fatalen Staatsheirat auszuweichen so viel ich kann, und keines andern zu sein, als der mich aus freier Wahl liebte; warum soll ich unter meinen Schwestern allein die Unglückliche sein? warum will man mich allein aufopfern, da man die andern nach ihrem Wunsch und Willen vergiebt? Glaube mir, ich habe es an der kastilischen Braut genug gesehen, welch ein elendes Ding es ist, wenn man so einer trübseligen Verbindung entgegen schleicht, wie mir aufbehalten wird; Alix hatte doch bei ihrem Elend noch einen Trost, ihre Bücher, was aber würde ich haben, die bei der Unterhaltung mit den toten nie die lebende sichtbare Welt zu vergessen vermochte?

Alverde an Alf von Dülmen.

1207.

Pamiers.

Betrogen mich meine Augen, oder habe ich wirklich meinen Bruder gesehen? Warst du es der heute in der Messe uns gegenüber an der Säule stand, ganz im Anschauen der schönen Alix verlohren? du, der sich zwei Stunden darauf der kastilischen Braut unter den Namen, Alf von Dülmen, vorstellen liess? – Mein Erstaunen überwog meine Freude, sonst müsste ich mich gleich in deine arme gestürzt, und den Namen Bruder ausgerufen haben, und doch weiss ich nicht was geschehen wär, hätte mich nicht dein gebietender blick zurückgescheucht.

O dass der meinige die nämliche Kraft haben könnte! dass er dich von einem Orte zurückscheuchen möchte, wohin du nichts als Unglück bringen kannst. Bruder! Bruder! was willst du hier! du weisst doch wohl, das deine angebetete Alix, deren verführerisches Bild dir der verräterische Kalatin, Gott weiss warum, in die hände spielte, du weisst doch wohl, dass sie verlobte Königin von Kastilien ist? dass sie in wenig Tagen dem Grafen von Kastelmoro, als dem lien angetraut wird? Noch einmal, was willst du hier? verlangst du in dem Herzen noch einer unschuldigen Seele ein Feuer anzuzünden, wie du es schon bei einer andern ohne es zu wissen getan hast? – O Adolf, lass ab von der verlobten Alix, das Herz einer andern spricht für dich, die so schön und unschuldig als jene, zwar ebenfalls verlobt, aber bei weiten noch nicht