und konnte den Morgen kaum erwarten, da ich, ohne weitere Rücksprache mit ihm, mich zu euch begab, und um die Vollziehung eures Versprechens, um Aufnahme in euer Frauenzimmer bat.
Mein Gesuch ward bewilligt, aber die Ehre, zu eurem haus zu gehören, befreite mich nicht ganz von Kalatins Verfolgungen. Zu schwach, sich dem Entschluss, den ich gefasst hatte, zu widersetzen, oder mich eurem Schutz zu entreissen, und zu klug, nur einen Wunsch dieser Art zu äussern, nützte er wenigstens jede gelegenheit, mich mit seiner gehässigen leidenschaft, mit Ausfällen auf meinen Bruder, und Planen für mein künftiges Glück, die mir nicht anstanden, zu unterhalten; ihr, gnädige Kaiserin, sahet mein Leiden, ehe ich es euch noch klagen konnte, ich erhielt ganz unverhofft den Befehl von euch, mich nach Lion in das Kloster zu begeben, wo sich die Prinzessinnen aufhielten; er war mir doppelt lieb, da ich Kalatins Vorspiegelungen zum Trotz die Absicht noch nicht aus dem Gesicht verlohren hatte, warum ich eigentlich von meinem Bruder aus meinem vaterland entfernt worden war; ich hatte die Dame, die er anbetete, an eurem hof nicht gefunden, dass ich sie in dem Kloster, nach welchem ich bestimmt wurde, finden würde, wusste ich gewiss, und ich brannte vor Verlangen, teils diesen Engel zu kennen, teils mich selbst zu überzeugen, ob das wirklich wahr sei, was mir Kalatin von der Unmöglichkeit, sie für meinen Bruder zu gewinnen, gesagt hatten.
Mit der heissesten Inbrunst, vortrefliche Kaiserin, danke ich euch, dass ihr mich in das Kloster brachtet, wo ich das Glück meines Lebens fand. Ich lernte die besten Fürstinnen der Welt, lernte diejenige darin kennen, um deren Willen ich mein Vaterland verlassen hatte. Das was Kalatin mir von ihr sagte, ist nicht ganz unwahr, aber kann mein Bruder nicht durch diesen Engel glücklich werden, wird sie darum weniger meine Freundin sein? – Nie erfahren sie aus meinem mund seine kühnen Hoffnungen, damit sich nicht vielleicht bloss dieserwegen ihr Herz von mir wende!
Euren Rat, gnädige Frau, mich unter das Gefolge der Gräfin von Toulouse zu begeben, habe ich befolgt; Gott weiss, wenn ich in mein Vaterland zurückkehren kann, aus welchen ich so unnötig verlockt wurde, und seit die Prinzessinnen, eure Töchter dieses Kloster verlassen haben, ist nichts vorhanden, das mich mehr an dasselbe fesseln sollte.
Morgen früh mit Aufgang der Sonne bricht die Dame, zu deren Hofstatt ich nun gehöre, die Gräfin Alix, die mich mit den Namen Freundin beehrt, nach Pamiers auf, und ich begleite sie; die kastilischen Gesandten sind bereits daselbst angekommen, sie von da in die arme ihres Bräutigams zu führen. Mir ist es empfindlich, diese Gegenden verlassen zu müssen, ohne etwas von meinem Bruder gehört zu haben; wie wird er mich suchen, wie wird er um mich besorgt sein, wenn er mich da nicht findet, wohin ich von ihm bestimmt war! Möchte ihn doch das Schicksal an euren Tron führen, gnädige Frau, möchte doch euer blick, der die tiefsten Geheimnisse aus dem Herzen ziehen kann, ihn nötigen, sich euch zu entdecken, über alles was ihm sorge machen könnte, würdet ihr ihn zu beruhigen wissen!
Beatrix an Alverde.
1207.
Dank dir, meine Freundin, für die offenherzige Darlegung deiner geschichte, die dich in unser aller Augen rechtfertigt, und dir den Namen eines entführten Fräuleins, der bei meiner Mutter nicht im besten Ansehen ist, völlig erlässt. Die Kaiserin findet viel abenteuerliches an deinen begebenheiten, sie bedauert dich, unter der Gewalt eines Bruders gestanden und von seinen Grillen abgehangen zu haben, der wie es scheint, keine allzuvorteilhafte Meinung in ihr erregt; was ich von der ganzen Sache, was ich besonders von ihm halte, das ist freilich ein wenig verschieden von dem Urteil meiner Mutter, wie denn die Urteile junger und bejahrter Personen es immer sind.
Anstatt deinen Bruder zu hassen, oder schlecht von ihm zu denken, schätze und bewundre ich ihn; es ist so etwas grosses in den Unbegreiflichkeiten, die sich in ihm finden, die Verborgenheit seines und deines Namens dient meiner Phantasie zum unterhaltenden Spiel, sie reizt meine Neugier, und doch ist es als möchte ich das geheimnis nicht gelösst sehen, Graf Adolf hat mehr Interesse für mich, so lange ich mir von ihm denken kann was ich will, als wenn man mir ihn als einen der grössten Fürsten der Welt bekannt machte. Und denn die heimliche Gesellschaft, zu welcher er sich zählt, mit dem grossen Namen, die Richter Gottes! – Ich glaube Kalatin nichts von dem Bösen, was er diesen Leuten nachsagt, muss denn hinter jeder Heimlichkeit etwas verdächtiges verborgen liegen?
Meine Schwester Elise scherzt mit mir, dass ich seit deinem letzten Briefe von nichts zu reden weiss, als von Graf Adolf dem Unbegreiflichen. Ich weiss wohl, was mich so zu ihm hinreisst, aber niemand als dir, meine Schwester Alverde, möchte ich es gestehen, und doch merke ich, auch gegen dich, meine Vertrauteste, kostet es mir Ueberwindung, mich zu erklären, wenn ich nicht meiner Feder gebiete, ohne überlegung hinzuschreiben, was ihr Wahrheit und Offenherzigkeit diktiren.
Alverde, ich weiss wen dein Bruder liebt, kenne die Dame, deren Bild dich und ihn so entzückte, dass es von euch wahrhaftig mit übertriebenen Lobeserhebungen beehrt wurde. Ich kenne die glückliche,