könnten wir doch einen durch den andern fällen! es ist billig, dass ein Gottloser der Henker des andern sei, und die hände der Heiligen Gottes rein erhalten werden!
Diesen Otto von Wittelsbuch mit Philippen zu entzweien, scheint eine Unmöglichkeit zu sein, seine Treue für ihn ist felsenfest, er verschmerzt ihm zu Liebe, was sonst nie ein Deutscher verschmerzte, Wortbruch und Beschimpfung.
Doch Otto kann sich leicht Kunigunden rauben lassen, da die schöne Elise ihm zu teil wird, o liess sich auch dieses neue Band zerschneiden mit welchen Philipp ihn an sich zu fesseln sucht! Elise hätte sich wohl besser zur Königin von Kastilien geschickt als die Gräfin von Toulouse, eine heimliche Anhängerin des verdammten Waldus, eine Leserin verbotener Bücher, die künftige Verfälscherin des rechten Glaubens, der sich, Gott und eurer Vorsicht sei es gedankt, bisher so herrlich an dem hof und in den Landen eures Königs erhalten hat.
Der Unbekannte an Alf von Dülmen.
1207.
Unter diesem Namen, höre ich, habt ihr eure land verlassen, und ich halte es für Pflicht, euch darüber zu Rede zu stellen. Euch ist bekannt, dass euch nach den Gesetzen, die ihr beschworen habt, nicht erlaubt ist, den Ort eures Aufentalts ohne mein Vorwissen zu verlassen, noch viel weniger euren Namen zu ändern, ohne in Angelegenheiten des grossen Bundes. Ihr seid zu Pamiers gesehen worden, was trieb euch dahin, wohin ihr nicht gefordert wurdet? was trieb euch an einen Ort, den ich selbst nicht betreten zu haben wünschte? Ich lernte dort einen Grafen von Segni kennen, welcher Mittel wusste, sich mein ganzes Herz zu eigen zu machen. Bei einer Jagdpartie, die für mich sehr unglücklich hätte ablaufen können, dankte ich ihm mein Leben. Von diesem Augenblick an war er unablässig um mich beschäftigt, er war der einnehmendste Mann, den ich je gesehen habe, meinem Urteil nach, gleich vortreflich an Geist und Herzen, schon dachte ich auf Mittel, ihn für unsere Verbindung zu gewinnen, als er sich mir als bereits einen der unsern bekannt machte, als einen, der, nachdem was er wusste, schon eine hohe Stufe in dem unsichtbaren Reiche erstiegen hatte. Ich kannte ihn nicht; wie wär es möglich, alle Glieder der endlosen Kette zu kennen, ich kannte ihn nicht, aber ich traute ihm, musste ihm trauen.
Wir sprachen viel mit einander von dem inneren des grossen Bundes, ich zittre über das, was wir mit einander sprachen, da mir hinten nach aus einem einigen Umstande wahrscheinlich wird, dass ich hintergangen ward, dass ein Profaner mir Worte entriss, welche ewig ungesprochen hätten bleiben sollen. Ist dieses, so haben wir einen Verräter unter uns, irgend jemand lehrte ihn die Mittel, nicht allein mich unter meinem verdeckten Namen zu kennen, sondern sich auch auf eine Art, die ich weder mutmassen, noch vermeiden konnte, in meine Vertraulichkeit einzuschlingen.
Wehe euch, Alf von Dülmen, wenn ihr dieser Verräter seid. Ich rufe das dreifache Wehe über euch, und lade euch auf den Tag, den ihr aus der Zahl der Buchstaben erraten werdet, zur Verantwortung. Am nehmlichen Tage soll Gericht über Philipp, den Kaiser, gehalten werden, Gericht über unerhörte Beschuldigungen, die mir von ihm zu Ohren gekommen sind. Lasst Otten von Wittelsbach von diesen Dingen wissen, was er wissen muss, im Uebrigen schweiget.
Alf von Dülmen an den Unbekannten.
1207.
Wohl mir, dass euch euer eigenes Beispiel lehrt, dass bei der höchsten Spannung der Vorsicht Täuschung möglich sei. Kein Verräter bin ich nicht, ich werde nicht ermangeln, mich gehörigen Orts zu verantworten.
Ihr sprecht mit mir aus einem Tone dessen sich kaum unser Oberhaupt Herzog Bernhard bedienen würde. Wehe der Sache der Gerechtigkeit, dass er durch Krankheit verhindert wurde, nach Pamiers zu gehen, und dass ihm das Unglück euch zum Stellvertreter gab, ihn würde kein Graf von Segni mit gleissenden Worten hintergangen haben!
Doch was sage ich? bin nicht vielleicht auch ich hintergangen? Ich verliess mein Land, änderte meinen Namen, kam nach Pamiers nicht anders als auf höchsten Befehl, Peter von Kalatin war der Ueberbringer desselben; sollte auch ich hintergangen sein, so müsste man sich an ihn halten. Ich erscheine unausbleiblich auf dem bestimmten Tag, gegenseitige Erklärungen werden das geheimnis entüllen, mag dann Gericht gehalten werden über wen da wolle, ich weiss, was ich geschworen habe, und halte meinen Arm zur Rache über den Schuldigen fertig, ich weiss, dass ich keinen Höhern über mir erkennen darf, als Gott und die Gerechtigkeit.
Alverde an Irene.
1207.
Ja, meine Kaiserin, ich weiss es, dass ich euch die geschichte meines kurzen Lebens schuldig bin, die Gnade, mit welcher ihr euch für mich verwendetet, den Schutz, den ihr mir gewährtet, ehe ich noch wusste, dass ich desselben bedürfe, machen mir die Aufrichtigkeit zur Pflicht, auch ist es möglich, dass meine eigene Ehre es nötig macht, dass ich rede, wo Schweigen mir Verdacht bringen könnte.
In einem kleinen nicht unzierlichen haus einer Landschaft, die ich nicht nennen darf, wenn ich nicht eidbrüchlich werden will, verlebte ich die ersten Jahre meines Lebens, alles was mich umgab, zeigte ehe von Mittelmässigkeit als Ueberfluss, und sagte mir, was mich mein Vater oft versicherte, dass ich die Tochter eines unbemittelten Hauses sei, deren künftige Aussichten auf Glück in der Welt,