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glaubt, die Augen öffnen können, so wär es die geschichte des Grafen Adolf von *** die so ganz in unsere zeiten fällt, dass wir nicht leugnen können, sie mit eigenen Augen gesehen zu haben; und blind müssten die Augen gewesen sein, hätten sie hier nicht eine verborgene Macht entdeckt, welche alles regierte, und das Unmögliche möglich machte, stumpf müsste unser Verstand gewesen sein, hätte er uns nicht die Möglichkeit geschildert, diese Macht könne der heiligen Kirche einst nachteilig werden, wie sie es denn z.B. in der geschichte Graf Adolfs schon geworden ist.

Ueberlegt euch selbst diese begebenheiten, von welchen ihr zum teil Zeuge gewesen seid. Der Erzbischof von Bremen, und der von Münster nebst einigen andern Herrn hatten sich in den Besitz der Güter des Vaters Graf Adolfs gesetzt, welcher sein Recht vor keinem Richterstuhle erlangen konnte, und in den Gegenden, wo er ehedem geherrscht hatte, als ein gemeiner Edelmann lebte. Er starb, und auf einmal sahen wir seinen Sohn unter dem Namen seiner Vorfahren auftreten, seine Güter wurden ihm ohne Schwerdschlag herausgegeben, denn die mächtigsten Fürsten, die selbst zum teil ihre Ohren vor den Bitten seines Vaters verschlossen hatten, verwendeten sich für ihn, man wollte sich seiner wachsenden Grösse hier und da widersetzen, aber seinen Gegnern wurden die hände gehalten, eine allgemeine Furcht bemächtigte sich ihrer, Graf Adolf kam immer mehr empor, und würde vielleicht noch jetzt nicht zu steigen aufhören, wenn man nicht – –

Doch dieses sind Dinge, welche nicht hieher gehören, wir halten es indessen für nötig, weil wir einmal dieses Grafen erwehnt haben, auch noch einige Worte seinetwegen zu sagen; ihr meldet in einem eurer geheimen Schreiben eines Freundes, welchen Otto von Wittelsbach in Westphalen haben, und den er auf euren Wink gesonnen sein solle herüber zu rufen; andre Schreiben sagen uns, dieser Freund nenne sich Alf von Dülmen, und werde nächstens am kaiserlichen hof eintreffen; uns ist daran gelegen, genau zu wissen, ob dieser Alf von Dülmen mit Graf Adolfen eine person sei, Mutmassung davon haben wir bereits; auf unsere Veranlassung ist Graf Adolf aus seinen Landen verlockt worden, durch Nachlässigkeit unserer Agenten ging seine Spur perlohren, aber wir glauben ihn unter den Namen Alf von Dülmen wieder in unsern Händen gehabt zu haben; die Art Leute, zu welcher er sich zählt, ist unerforschlich, wir konnten mit List und Gewalt bei weiten nicht alles von ihm erpressen, was uns zu wissen not ist, solltet ihr hierinn glücklicher sein, denn erst würdet ihr verdienen, was ihr schon verdient zu haben glaubt; strengt all euren Fleiss, all euren Scharfsinn an, durchzudringen, und denkt, dass der Kardinalshut euer Lohn sein wird.

Der Graf von Segni an den Bischof

von Kastilien.

1207.

Wir sind nun beide zu Pamiers, aber die Klugheit will es, dass wir uns weder kennen noch Gemeinschaft mit einander haben, daher sei das, was uns beiden zu wissen not ist, der Feder oder dem jungen Dominikus Gutzmann vertraut, doch der ersten noch mehr als dem letzten; der junge Mensch besitzt zu viel tugendhafte Schwermerei, als dass er mit allem zufrieden sein könne, was hier nötig ist; sein Feuereifer für die Wahrheit, sein Ehrgeitz müssen genutzt werden, ohne dass man ihn überall das Ganze durchschauen lasse. –

Gesegnet sei die Reise nach Pamiers! sie hat uns grossen Vorteil gebracht, und wir sehen uns nun im stand darauf fort zu bauen, was Pabst Lucius der Dritte bereits einigermassen angefangen hat.

So wie die Christenheit bisher unter dem verborgenen Scepter weltlicher unbekannter Richter lebte, so beuge sie sich nunmehr vor einen geistlichen6 heimlichen Gericht, die Erde säubre sich auf diese Art von dem untilgbaren Unkraut der Ketzerei, und das Feuer reinige das Gold des Glaubens von den Schlacken, die wir nun erst überall wo sie verborgen liegen, auszuspähen im stand sein werden.

Es kann dem jungen Dominikus sein Gesuch zu Stiftung eines neuen Ordens so wenig abgeschlagen werden, als wir es dem frommen Johann Bernardon abgeschlagen haben; er errichte einen Predigerorden zu Bekehrung der Ketzer, und sende, so wie jener tut, seine Jünger aus in alle Welt, sie dem Glauben unterwürfig zu machen. Diese Leute werden unsere Augen und Ohren sein, die uns zu jener Allwissenheit verhelfen, deren sich die furchtbaren Richter vermittelst der zahllosen Mitglieder ihres Gerichts rühmen; wir haben sie nun erst ganz kennen gelernt, und uns zum Vorbild gewählt; es ist Schande, dass wir von den Weltlichen in solchen herrlichen allgemein nützlichen Dingen ein Muster nehmen sollen; aber wir hoffen, wenn wir unser Original in der Nachbildung übertreffen, dennoch vor ihm den Preiss zu gewinnen.

Lasst uns aber bei Erreichung dieses grossen Entzwecks auch einige Nebendinge nicht versäumen; unsere billigen Beschwerden über Kaiser Philippen sind, wozu uns auch äusserlich die Staatsklugheit nötige, noch nicht vergessen; fast gleichen Anteil an unserm Hass hat Otto von Wittelsbach, der kühne Mann, der uns durch Briefe und stolze Worte zu schmähen wagte. Zu ihnen gesellt sich ein Dritter, Graf Adolf von ***, den wir wegen widerrechtlicher Anmassung geistlicher Güter billig hassen; er schwärmt, so hat der Bischof von Sutri endlich durch seine Nachforschungen gewiss gemacht, nachdem ihn Peter von Kalatin auf unsern Befehl aus seiner Sicherheit aufjagte, unter dem Namen Alf von Dülmen in der Welt umher. Könnten wir doch diese drei auf eine Stelle versammeln, um sie mit einem Schlage desto gewisser zu treffen!