gegründet war, das wusste niemand. Du begleitetest weder bei dem Heer noch bei der Regierung eine Stelle, drängtest dich nicht zu den Gunstbezeugungen der Fürsten, hieltest dich in der Stille, und zürntest, wenn man etwas mehr in dir ahndete als du sein wolltest.
Lass mich die Geschichten all übergehen, welche in die folgenden Jahre fielen, und die mir immer mehr rätselhaftes in dir zeigten, lass mich zu der letzten, zu dem Grund all meiner Klagen übergehen, lass mich dich fragen, was dich bewog, vor nunmehr acht Monaten plötzlich deine Schwester, die in dem haus meiner Eltern, du weisst es wohl, für mich herangewachsen war, in das deinige zu nehmen, wo sie bei dem beständigen Zufluss von Fremden, der in denselben war, nicht mit Ehren leben konnte, was dich bewog, tages darauf nach diesem übereilten Schritte, dich zu einer Reise zu erklären, die, wie du selbst gestandest, lang dauern sollte, warum du mir sagtest, du würdest nirgend unter deinem wahren Namen, überall unter dem, Alf von Dülmen, zu erfragen sein; du weisst den Widerspruch, den all diese Dinge bei mir fanden, und die Antworten, die ich erhielt. Du reistest, allen Warnungen zum Trotz, und nun höre, was aus dieser Reise entstanden ist. Der Bischof von Bremen, welcher längst ein Auge auf deine östlichen Güter hatte, nutzte den ersten Augenblick, da sich deine Abwesenheit nicht mehr verbergen liess, sich derselben zu bemächtigen, ich machte mich auf, Gegenvorkehrungen zu treffen, und musste den guten Fortgang, mit welchem ich dem Unheil steuerte, durch ein andres Unglück erkaufen, das dein Haus in meinem Absein betroffen hatte. Deine Schwester, die in deinem von seinem Herrn verlassenen Schloss freilich nicht so gut aufgehoben war, als in dem Schooss meiner Mutter, war durch jenen Peter von Kalatin, den du immer, mir zum Trotz um dich duldetest, davon geführt worden. Ich setzte ihr nach, ein Sturz vom Pferde brachte mich in den Zustand, in welchem ich schon mehrere Wochen das Bette gehütet habe, und aus welchem ich mich jetzt nur empor richte, um mir es lebhaft zu denken, dass ich dich und Alverden verlohren habe, dass während meiner Krankheit, da meine Leute bloss um mich besorgt waren, auch die Spur verlohren ging, nach welcher ich die Geraubte wiederfinden könnte. Dich selbst kann ich weder nach deinem würklichen, noch nach dem Namen, Alf von Dülmen, ausfündig machen, und meine letzte Hoffnung steht noch auf den Grafen von Wittelsbach, zu dem mich, wie gesagt, ein in deinem Kabinet gefundner abgerissener Zettel hinleitete.
O Alf von Dülmen, (denn diese fremde Benennung schickt sich am besten für den, der mir so ganz fremd geworden ist,) was soll aus diesen Rätseln werden! Ich muss glauben, du und Alverde habt euch gutes Willens so von mir losgemacht, dass ich nie wieder etwas von euch hören soll; ist dieses, denn gute Nacht Vaterland! ich habe nichts mehr, das mich an dich fesselte, das letzte noch übrige heiligste Band ward diese Nacht gelösst: meine Mutter, welche seit Alverdens Verlust schwer darnieder lag, ist nicht mehr, ich bin von nun an hier ein Fremdling, der, da er keine Freunde mehr hat, auch künftig keine Heimat hier haben will. Verfliesset noch eine festgesetzte Zeit, ohne Nachricht von dir und Alverden, so verkaufe ich alles, was ich hier besitze, nehme das Kreuz, und wallfarte nach dem heiligen grab, nicht auf Monate und Jahre, nein auf Lebenszeit; andere tragen ihre Sündenlast an die heilige Stelle, ich will die Last meines Kummers dortin schleppen, ob es mir am Herzen leichter werden möchte.
Der Graf von Segni an den Bischof von Sutri.
1207.
Wir haben allerdings ursache, euch wegen der Treue zu danken, mit welcher ihr uns gewisse Dinge gemeldet habt, welche uns nützlich werden können, indem sie uns Anlass geben, da tiefer zu forschen, wo uns noch nicht alles entüllt ist; ihr würdet indessen irren, wenn ihr wähntet, ihr hättet ganz etwas neues unerhörtes getan; indem ihr uns auf jene Macht aufmerksam machtet, die durch ganz Deutschland im Verborgenen herrscht; wir haben sie an ihren Würkungen erkennen können, wenn wir auch nicht im stand waren, wie wir vielleicht nun bald sein möchten, ihr Inneres ganz zu zergliedern.
Die geschichte seit Karl des Grossen zeiten ist voll von Ereignissen, die selbst uns unerklärbar waren, Verbrechen, welche in die tiefste Nacht gehüllt schienen, wurden, man wusste nicht wie, ans Licht gezogen; sie fanden ihre Verteidiger, aber gesetzt auch, dass sie vor allen Richterstühlen losgesprochen wurden, so entgingen sie doch einen heimlichen Rächer nicht, dessen blutige Fusstapfen niemand in der Dunkelheit erkennen konnte. – So wie auf der einen Seite die Strafe schnell auf jedes unablösliche Verbrechen folgte, so ward auf der andern Seite die gekränkte Unschuld, man wusste nicht wie, gerechtfertigt, Gewalttätigkeiten wurden abgestellt, unrechtmässiges Eigentum seinem Besitzer entrissen, und dem wahren Eigner mit gränzenloser Macht wieder zugestellt; dieses und viel andre Dinge sahen und fühlten wir, wie hätten wir nicht längst auf das fallen sollen, wovon ihr euch stolz genug rühmt, uns den ersten Fingerzeig gegeben zu haben, und eure Forderungen derhalben bis zum Unbescheidenen ausdehnt.
Hätte uns nichts über diese Dinge, von welcher ihr zuerst die Decke genommen zu haben