. Ich habe Antwort von ihm, aber sie tröstet mich nicht, Pfalzgraf Otto scheint dich zu kennen und zu lieben, wie ich, scheint um dich Trotz mir bekümmert zu sein, und eben so wenig als ich erraten zu können, was aus dir geworden sei.
Er bekennt, dass er dich zu dieser Reise veranlasst, dass er schon vor einigen Jahren von dir gefordert habe, sie unter verdeckten Namen zu unternehmen, und ich kann nicht sagen, dass er mir um dieser Entdeckung willen lieber ist. Wegen des Entzwecks der dir ausgesonnenen Reise, lässt er mich in Zweifel: er wünsche dich mit einem seiner Freunde bekannt zu machen, sagt er, mit einem mann, der noch dazu ein Bischof ist; das danke ihm ein andrer als ich; auswärtige Bekanntschaften haben dich deinem haus entfremdet, und die Ehre, den Geistlichen in unsern Tagen bekannt zu sein, wird von so rätselhaften Menschen wie du, oft teurer erkauft. Was mich mit meinen neuen Korrespondenten aussöhnt, ist seine Einladung, dir zu Erleichterung meines Herzens weitläuftig zu schreiben, und ihm den Brief zuzuschicken, weil, wie er sich rühmt, er vielleicht noch am ersten eine Möglichkeit wisse, ihn dir zu Händen zu bringen.
So wende ich mich denn schriftlich an dich, aber alles was ich auf das Papier bringen kann, sind Klagen. O du, der meinem Herzen unter allen Männern am nächsten ist, wollte ich all meine Klagen um und über dich ausatmen, wo sollte ich anfangen? – Nicht von dem Augenblicke, da du dich zuletzt aus meinen Armen losrissest, und dich mit rauhem Ton erklärtest, du müsstest reisen, nein, früher, viel früher heben meine Beschwerden an.
Wir wurden mit einander erzogen, das Glück schien uns so ziemlich auf eine Stufe gesetzt zu haben; dein Vater schien zu sein, was der meinige war, ein wackerer Ritter von altem westphälischen Adel, nur vom Glück etwas schlechter mit zeitlichen Gütern bedacht, als Konrad von Remen, sein Freund. Dein Vater arbeitete von jeher unter einem geheimen Kummer, der ihn wahrscheinlich zuletzt auf das Krankenbette warf, und dem tod entgegen führte. Er lag zu sterben, du und ich weinten an seinem Lager, er hiess mich hinausgehen, und behielt bloss dich zurück. Was du in jener Stunde von ihm erfahren hast, weiss ich nicht, aber nie habe ich einen Menschen in einer seltsamern Bewegung gesehen als dich, da du dich mir wieder zeigtest.
Kummer über deinen Vater, der eben die Augen zum ewigen Schlafe geschlossen hatte war es nicht allein, es war mehr. Du gingst einige Tage wie im Traume umher, und kaum hattest du die Reste des Entschlafenen zur Erde bestattet als du dich erklärtest, dein Bleiben sei nicht in diesen Gegenden, du müsstest fort, um Plane auszuführen, deren Folgen wir vielleicht bald sehen würden. Deine Schwester, damals ein zehnjähriges Kind, vertrautest du der Aufsicht meiner Eltern, und entferntest dich, entflohest, möchte man fast sagen, ohne dass jemand wusste, wohin du gekommen seist. Das Geheimnissvolle in deinem Betragen war der erste Bruch brüderlicher Vertraulichkeit, ich fühlte ihn, an dein volles Zutrauen gewöhnt, so tief, wie man gewöhnlich den ersten Anfang eines Leidens fühlt, das man mit der Zeit ertragen lernen muss.
Du kehrtest in nicht allzulanger Zeit als Graf von *** zurück, dass du aus diesem haus entsprossen warest, dass du die gegründetsten Ansprüche auf die mit deinem grossen Namen verbundenen Güter hattest, das durfte niemand bezweifeln, die Leichtigkeit, mit welcher dir alle deine weitläuftigen Besitzungen eingeräumt wurden, bewiess, das deine Rechte höhern Orts anerkannt waren, dass du von einer Macht geschützt wurdest, der sich niemand widersetzen durfte; wer diese Macht war, wusste niemand, man riet ganz natürlich auf den Kaiser, aber es liess sich erweisen, dass du nicht nach hof gekommen warest, dass du dein Vaterland nicht verlassen, sondern dich all die Zeit deiner Abwesenheit an einem Irgendwo aufgehalten hattest, das niemand kannte.
Von diesem Zeitpunkte an rechne ich eine gänzliche Veränderung deines Charakters, nicht der Moralität desselben, du bliebst gut und bieder, wie du immer warest, aber du hattest die Heiterkeit, den Freimut verlohren, der bei einem Jüngling von zwanzig Jahren, wie du damals warest, immer mit Herzensgüte und Biedersinn verbunden ist. Du warest von nun an düster und zerstreut in Gesellschaft, ein übertriebener Freund der Einsamkeit, immer beschäftigt, ohne dass jemand wusste, was du triebst, oft abwesend ohne dass jemand erraten konnte, wo du warest, in eine Menge von neuen Bekanntschaften verflochten, die niemand wusste woher sie entstanden; man fand dich oft in Gesellschaft von Leuten, die niemand kannte, die da kamen und verschwanden, ohne dass man wusste wie. Verzeihe mir, Adolf, ich würde dich in Verdacht böser Händel gehalten haben, hätte es sich nicht gefunden, dass Männer vom Range und Tugend die Notiz nahmen, Männer, von denen ich nicht einmal wusste, dass du ihnen bekannt wärest. Ich habe Abgeschickte des Herzogs von Sachsen bei dir gesehen, und ein Gesuch, das einer deiner Freunde bei dem von Braunschweig hatte, wurde durch eine einige Reise von dir erlangt, so wie ein einiges Wort von dir einem Unschuldigen, der in die hände der Gerechtigkeit gefallen war, die Freiheit brachte. Du warest ein mächtiger Mann, aber wie du es wurdest, und worin eigentlich deine Macht und dein Ansehen