1791_Naubert_079_23.txt

in Ottos arme, den sie nie wahrhaftig liebte. Es ist schändlich, einen deutschen Mann all diese Zeit über so geäfft zu haben; und doch auf diesen teil der ganzen fatalen geschichte, der eigentlich meinem Herzen, das sich an Kunigundens Stelle schämt, der kränkendste ist, doch eben auf diesen baue ich die Möglichkeit, den Pfalzgrafen, den ich uns nicht rauben lassen will, aufs neue an uns zu fesseln. Es ist unmöglich, dass der stolze biedre Otto einer person länger achten kann, die es nie redlich mit ihm meinte, auch gesteht er selbst, dass der Eindruck, den Kunigundens Schönheit anfangs auf ihn machte, durch genauere Kenntniss ihres Charakters längst geschwächt ist, dass er hier mehr über die erlittene Beschimpfung als über die verlohrne Braut zürnt, dass er vielleicht selbst die Hand von ihr zurückgezogen haben würde, wenn die anhänglichkeit an das einmal gegebene Wort nicht die überzeugung aufgewogen hätte, dass er mit einer person von ihrem Charakter nicht glücklich sein könne!

Auf dieses geständnis gründe ich einen Plan, den du, meine Tochter, mir ausführen helfen sollst. Elise, zürne nicht mit deiner Schwester, dass sie deine Geheimnisse verraten hat. Beatrix hat mir gesagt, dass du Pfalzgraf Otten liebst, komm herüber, und zeige dich ihm in allen deinen Vorzügen, er wird auch dich lieben, und durch dich unser Sohn werden. Der Kaiser, welcher den Wittelsbacher so ungern verlirt als ich, er, der sich nur durch Staatsklugheit gezwungen glaubt, ihm sein Wort zu brechen, suchte ihn schon anfangs durch etwas zu beruhigen, das mich seine Einwilligung hoffen lässt. Pfalzgraf, sagte er, ich habe mehr Töchter!

Ich habe seit der Zeit mit ihm von dir gesprochen, er willigt in eure Zurückberufung, und hat mir gestanden, dass er dich vielleicht gleich anfangs für den von Wittelsbach bestimmt haben würde, hätte er deine Neigung zum Kloster nicht für entschieden gehalten, der Pfalzgraf scheint das nehmliche von dir gedacht zu haben, und aus einem meiner letzten gespräche mit ihm, schöpfe ich die Vermutung, dass nur die überzeugung, du seist eine Verlobte des Herrn, ehemals seine Augen von dir auf Kunigunden, (die bereits zu ihrem Bräutigam nach Rom gesandt worden ist), lenken konnte. –

Ich bitte dich, Elise, lass keinen unzeitigen jungfräulichen Stolz, keine unnötigen Bedenklichkeiten dich vom Gehorsam ablenken, du schenkst deiner Mutter die Ruhe, deinem Vater einen wichtigen Freund wieder, wenn du den Pfalzgrafen für uns erhältst, und wie gross wird dein eigenes Glück an der Seite eines solchen Mannes sein, den du bereits liebst, und der dich, sobald er dich kennt, lieben wird.

Dir, Beatrix, habe ich nichts zu sagen, du bist klug und gutdenkend genug, zu wissen, wie du dich in Gegenwart des Mannes zu betragen habest, der für dich bestimmt ist; verspare den Schimmer all deiner Vorzüge für den jungen Herzog von Braunschweig, – (es wird mir schwer, ihm den Kaisernamen zu geben, den ihm alle Welt, deinem Vater zum Trotz beilegt) – du hasts erraten, für diesen Prinzen bist du bestimmt, und du siehst wohl, welche Vorteile die Verbindung mit ihm, uns und dem Reiche bringen wird; doch all dieses liegt noch weit in der Zukunft, er kennt dich so wenig als du ihn, Glück und gelegenheit muss euch erst wieder zusammen bringen.

Die Jungfrau Alverde darf nicht mit euch nach hof kommen, ich sehe es gern, wenn sie sich unter das Gefolge der kastilischen Braut begäbe, damit sie dem Kalatin ganz aus den Augen käme. Ich hasse diesen Menschen mehr als ich fast vor dem Richterstuhl der Billigkeit verantworten kann; Leichtsinn und etwas Ausgelassenheit nach Art der heutigen Hofjünglinge ist ja das einige was man noch zur Zeit auf ihn bringen kann. – Um mein Urteil über ihn mehr zu berichtigen, wünschte ich sehr, etwas von Alverdens geschichte zu wissen. Hat sie sie euch noch nicht mitgeteilt, so veranlasst, dass sie dieselbe schriftlich verfasse, und euch zuschicke, denn eure Abreise darf um keiner Betrachtung willen einen Tag verschoben werden.

Evert von Gemen an Adolf Grafen von ***.

1207.

Mehrere Monate sind vergangen seit du dein Vaterland und mich verliessest, und von dieser Zeit an, folgen dir meine Boten überall, dich aufzufinden, und wo möglich zurück zu bringen, keiner kann deine Spur treffen, und ich muss glauben, die Unglücksahndung, die mich bewog, mich dieser letzten mehr als allen deinen vorhergegangenen geheimen Reisen zu widersetzen, sei bereits eingetroffen.

Ach meine stimme wird dich nicht mehr von dem rand des Abgrundes zurückreissen können, aber ich muss meinem Herzen Luft machen, muss das aufs Papier aushauchen, was an meinem Herzen nagt, und mir dabei die Möglichlichkeit denken, es könne einst in deine hände kommen; vielleicht wird dies mich beruhigen, in diesen schrecklichen Augenblicken, da ich alles verlohren habe.

Dem Grafen von Wittelsbach will ich diese Blätter zuschicken, Unglück macht uns auch mit Unbekannten vertraut, ich kannte diesen Mann nie anders, als aus dem Gerücht, aber ein abgerissener Zettel mit einigen unzusammenhängenden Worten, den ich in einem Kabinet deines verödeten Schlosses fand, nannte seinen Namen, ich dachte mir es möglich, du, den ich seit einigen Jahren in so manchen mir unbegreiflichen Verhältnissen mit zuvor nie gesehenen Personen fand, du könntest auch mit ihm in Verbindung stehen, und ich entschloss mich, ihm fragend von dir zu schreiben