1791_Naubert_079_22.txt

von den tausenden, welche teils als Richter, teils als Beisitzer an diesem verborgenen furchtbaren Gericht teil haben, gegen Beichtiger oder Freund von diesen heimlichen Dingen so viel verriet, als uns auf die Spur leiten konnte, die uns jetzt der Entdeckung des Ganzen so nahe bringt. Die Winke, die der Bischof von Sutri von seinem Beichtsohn erhielt, sind klein, aber sie haben zu grösseren Aufklärungen geführt; der Pfalzgraf ist nur einer von der niedern Klasse der Wissenden, wir haben Personen unter unserer geistlichen Heerde, welche höher stehen, und von welchen man mehr erforschen kann. In den nächsten Tagen wird an dem kaiserlichen hof ein gewisser Alf von Dülmen erscheinen – (sein wahrer Name hat noch nicht erforscht werden können) – welcher Pfalzgraf Ottens vertrauter Freund ist, und der eine hohe Stufe in dem heimlichen Gericht begleitet. Er ist unterwegens in unsern Händen gewesen, aber alle KünsteGewalt wollte man nicht brauchen, – sind nicht im stand gewesen, mehr aus ihm zu bringen, als die Gewissheit, dass bei der Versammlung, die nächstens zu Pamiers gehalten werden soll, sich mehrere der Richter und Beisitzer jenes Tribunals, vielleicht auch der oberste Stuhlherr, wie sie ihn nennen, sich unter verdecktem Namen einfinden werden. Es ist hochnötig, dass man jetzt alle Anschläge zu Philipps Sturz und des kühnen Wittelsbachers Untergang auf die Seite setze, und einen schlauen Kopf nach Pamiers sendte, sich über Dinge zu unterrichten, die der Kirche zu wissen Not sind.

Welcher Vorteil für sie, besonders in diesen kezerischen zeiten, da das Unkraut der Waldenser und Albigenser sich immer mehr ausbreitet, wenn man die Gewalt dieses Tribunals an sich reissen, oder, da nach dem was wir erforscht haben, dieses unmöglich scheint, nach Maassgabe dieses weltlichen Gerichts ein geistliches errichten könnten, welches die Macht und Allwissenheit des ewigen Richters auch seine wundervolle Einrichtung nachahmt, jedes Geheimnisses spottet, und das Verbrechen aus der tiefsten Dunkelheit zur Strafe zu ziehen weiss. Unser Herz wallt, unsere Hand zittert, da wir dieses schreiben, die Begeisterung zeigt uns in der Folgezeit Möglichkeiten, die auf diese einige Entdeckung gebaut, die Macht und Allgewalt der Kirche unumschränkt machen, und ihren Scepter über die ganze Erde verbreiten würden.

An den Bischof von Kastilien.

1207.

Wir hören, dass euer König nächstens Anstalt machen wird, die Braut seines Sohns aus Frankreich abholen zu lassen. Versäumet nicht unter den Abgesandten zu sein, und euch zu Pamiers einige Zeit lang aufzuhalten; es werden sich Personen daselbst einfinden, welche Dinge von Wichtigkeit mit euch zu bereden haben. Richtet besonders eure Aufmerksamkeit auf einen gewissen Grafen von Segni, dessen wahren Namen ihr vielleicht erraten könnt.

Hättet ihr unter der mittlern Klasse eurer Geistlichen irgend einen fähigen Kopf, durch welchen sich Dinge, bei welchen kein grosser die Hand sichtbar im Spiel haben darf, ausrichten liessen, so vergesset nicht, ihn mit euch zu bringen, wir werden in Zukunft Leute dieser Art genug nötig haben.

Auf die Braut eures Prinzen habt ein wachsames Auge, man sagt, sie solle von dem verderblichen Gift des Peter Waldus angesteckt sein, und sich erkühnen, die heiligen Bücher, welche er durch eine verwegene Uebersetzung unter die Layen gebracht hat, nicht allein zu lesen, sondern auch andern mitzuteilen. Muss denn eben sie Königin von Kastilien werden? – Es gibt Prinzessinnen, mit welchen wir unsere Absichten besser erreichen können.

Die Kaiserin Irene an ihre Töchter.

1207.

kommt zurück, meine Kinder, in das Haus eures Vaters, eine doppelte notwendigkeit erfordert es. Dein Brief, Beatrix, entält Dinge, welche mich fürchten lassen, die Gesellschaft der kastilischen Braut könne euch gefährlich werden; schon aus dieser Ursache würde ich geeilt haben, euch wieder in meine arme zu rufen, wo kein Gift der Ketzerei eurem Glauben, keine Freiheit, die königlichen Jungfrauen nicht ansteht, eurer Tugend droht, aber es haben sich ausserdem noch hier begebenheiten ereignet, welche mir wirklich eure hülfe, besonders die deine, meine Elise, nötig machen.

Schon längst merkte ich, dass man deinem Vater die Freundschaft des edlen Pfalzgrafen Otto beneidete, ich könnte dir von schrecklichen Versuchen, ihn von uns abwendig zu machen, schreiben, doch ich schone dein Herz, du bist zu jung, um durch frühzeitige Erfahrung von der Bosheit der Menschen die Welt hassen zu lernen, in welcher du noch eine Zeit lang zu leben hast. Die neuesten Mittel die man gebraucht hat, den treflichen Wittelsbacher in unsern Feind zu verwandeln, kann und darf ich dir nicht so verschweigen, sie liegen zu klar am Tage, als dass sie verborgen bleiben könnten.

Ein Antrag vom Pabste, ein Brief, den der unschuldige Otto selbst überbringen musste, ladet deinen Vater ein, die dem Pfalzgrafen Otto versprochene Braut, deine Schwester Kunigunde, ihm zu entreissen, und sie Graf Richarden, des Pabsts Nepoten zu geben. Kannst du die Antwort erraten, welche darauf erfolgt? – Sie heisst Ja! – O Gott! der gerühmten deutschen Treue, dem heiligen unverletzlichen Kaiserwort zum Trotz heisst sie Ja! – Der Pabst hat seine Huld zum Preis dieses Ja gemacht. – Stelle dir das Wüten des Pfalzgrafen, stelle dir meine Verzweiflung vor!

Nach deiner Schwester Kunigunde frage nicht; sie willigt lächelnd in das was der Pabst und der Kaiser wünschen; o Beatrix, du wusstest was niemand bekannt war; ihr Herz spricht für Richarden, nur Mangel an Hoffnung diesen je zu erlangen, trieb sie