die Augen über das Gegenteil geöffnet werden. Könnte ich meinen Vertrauten, den Bischof von Sutri, um einer ursache willen hassen, so wär es wegen der hartnäckigen Zweifel, die er wider das was ich glauben will, einzustreuen weiss, wegen des verdächtigen Stillschweigens, das er beobachtet, wenn er sieht, dass ich seinen Reden kein Gehör geben will.
Sutri ist sonst ein treflicher Mann, um seinetwillen musst du herüber kommen, ich habe ihm von dir gesagt, habe ihm versprochen, ihn mit dir bekannt zu machen, er weiss alles von dir, nur deinen wahren Namen nicht, diesen glaubte ich ihm verschweigen zu müssen, weil ich deinen Willen nicht wusste, und aus diesem grund bitte ich dich nochmals, dich unter irgend einer angenommenen Benennung zu verstecken; du hast ja Schlösser und Burgen genug, nach welchen du dich, ohne die Wahrheit zu beleidigen, nennen kannst. Wird denn dein Herz zu jener Vertraulichkeit bewogen, die ich gegen ihn hege, so ist es noch allemal Zeit, dich ihm zu entdecken, und diese Zeit wird, wie ich vermute, bald kommen. Sutri weiss einem jedes geheimnis aus dem Herzen zu stehlen, ich selbst habe ihm mehr gesagt, als ich glaubte je einem Menschen sagen zu können, mehr als ich vielleicht gesollt hätte; doch es geschah unter dem Siegel der beichte! – O Gott, dass alle Geistliche ihm gleichen möchten! jeder Mensch dürfte denn ohne Scheu ihnen sein Herz öffnen, aber ich komme jetzt von Rom mit neuen Erfahrungen, wie ungleiche Brüder er in seinem stand hat.
Lass dir alle diese Dinge genauer berichten, sie sind umständlicher Erzählung wohl wert.
Als Gesandter Kaiser Philipps kam ich nach Rom. Philipp hatte eigenhändig an Sankt Peters Nachfolger ein Schreiben verfasst, das ich nicht geschrieben haben würde; es atmete nichts als Zuneigung gegen den, welchen er hassen muss, nichts als Unterwerfung gegen den, welchen er, dächte er wie ich, billig die Stirn bieten sollte; es war in aller Absicht zu süss, als dass man seinem Inhalt trauen konnte, und vielleicht ward das Misstrauen, welches es erregte, der Grund zu einem Verfahren, das mir sonst doppelt teuflisch vorkommen würde.
Mit Entzücken lass der heilige Vater Philipps Schreiben, ich sah es ihn mehr als einmal an seine Lippen drücken, und hörte Worte von ihm, wie ich sie etwa gegen dich beim Wiedersehen, auf welches ich so sehnlich hoffe, führen könnte. Und eben dieser Mann konnte mir an dem nehmlichen Tage Anträge tun lassen, vor welchen ich zurückschaudre! Sie geschahen nicht in seinem Namen, aber wie konnte man ihn in denselben verkennen?
Himmel! man konnte es wagen, Otten von Wittelsbach, dem Verlobten der Tochter Philipps, dem Mann, der gegen ihn, er mag nun übrigens von ihm halten was er wolle, die Pflichten eines Sohnes hat, man konnte ihm zumuten, sein Gegner zu werden, die Hand nach der Krone auszustrecken, die er trägt, den Stuhl noch mehr zu untergraben, der ohnedem nur allzuoft schwankte! Es scheint, man glaubt Herzog Otto sei ihm nicht genug gewachsen, oder man findet in ihm nicht das, was man erwartete, oder was sonst die Dinge sein mögen, welche den schwärzesten aller Anschläge veranlassten. Ich fühlte die Beschimpfung, die ich in der Zumutung, an Philipp treulos zu werden, erlitt, und antwortete dem gemäss; ein höhnisches Lächeln war die Erwiederung meiner Rede.
Der Pfalzgraf Otto handelt sehr weislich, sagte der Mann, den man an mich abgesandt hatte, dem so treu ergeben zu sein, der gegen ihn keine Treue kennt, und dagegen durch bittere beleidigende Aeusserungen denjenigen zu reizen, welcher sein Glück sucht und es zu befördern wissen würde. Vielleicht wird er bald einige Proben sehen, wie der Philipp gegen ihn gesinnt ist, für den er sich aufopferte.
Der Pabst war lauter Huld, als ich meine Abfertigung erhielt, in dem Briefe, welchen er mir für den Kaiser überreichte, sollte, wie er mich versicherte, alles entalten sein, was dem Reiche Frieden, dem Kaiser Glück, und auch mir neue Freude und genauere Kenntniss meiner Freunde bringen würde. Ich lasse es dahin gestellt sein! dieser vielsagende Brief ist bereits an den Kaiser übergeben; ausserordentliche Dinge mochte er wohl entalten, ich sah es an dem öftern Farbenwechsel auf Philipps Gesicht, und an der Miene, mit welcher er einigemal die Augen auf mich heftete. Es lag ein Zug von Mitleid in derselben, der mich beleidigte, und mich ehe aus dem Zimmer trieb, als ich es eigentlich hätte verlassen sollen. – Sollte man mich vielleicht bei Philippen zu verleumden suchen? ein solcher Streich von Rom unter dem Deckmantel der Freundschaft wär nichts ungewöhnliches; mich würde er indessen wenig rühren. Dem biete ich Trotz, der etwas nachteiliges auf mich bringen könnte, welches den mindsten Schein der Wahrheit hätte!
Ich habe seitdem mit niemand gesprochen, auch habe ich mit niemand zu sprechen gesucht; die Sache macht nicht den Eindruck auf mich, dass ich Erläuterung ängstig suchen sollte.
Nach Rom.
1207.
Die Dinge, welche der Bischof von Sutri unter dem Siegel der beichte von Pfalzgraf Otten erfahren hat, bestättigen sich: es ist gewiss, dass seit Karl des Grossen zeiten in Deutschland ein heimliches Tribunal besteht, das alle todeswürdige Verbrechen ausfindig zu machen, und zur Strafe zu ziehen weiss, es ist zum Erstaunen, dass in so langen Jahren noch keiner