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der Gebühr für Alverdens Aufnahme, erwerbet dem jungen Mädchen die Freundschaft der edlen Gräfin von Toulouse, und wendet die Summen, die ich euch hier zu euren kleinen Ausgaben schicke, nicht an, es der künftigen Königin von Kastilien in Kleiderpracht gleich zu tun, sondern lieber der neuen Freundin, die ich euch empfehle, ihre Lage so angenehm zu machen, dass sie es fühle, Kaiser Philipps Töchter waren ihre Versorgerinnen; – ich meine, ihr Herz soll es fühlen, nicht euer Mund oder euer Betragen soll es ihr zu verstehen geben; doch es wär lächerlich, so etwas Unedles nur von euch zu vermuten.

Deiner Schwester Elise meinen mütterlichen Gruss, und die Versicherung, dass unsere Sachen, von welchen sie mehr weiss als du, weil sie älter ist, jetzt ein immer vorteilhafteres Ansehen gewinnen. Sogar der römische Hof neigt sich zugleich mit dem Glück auf unsere Seite. Der Pabst soll vorteilhaft von Philipp gesprochen haben; ich traue hier nicht ganz, doch kann ich nicht dawider sein, dass man sich entschliesst, verbindliche Worte mit verbindlichen Briefen zu erwiedern, und eine Gesandtschaft nach Rom zu schicken, in welcher der Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, Kunigundens Verlobter, auch mit begriffen sein wird. Hier also wieder eine neue Verzögerung, der Jahrelang verschobenen Vermählung, die nun vor der Tür war, und jetzt nur um der römischen Reise willen auf künftigen Winter verlegt werden muss. Ich weiss nicht ob mich das freuen oder betrüben soll. Man hat schon längst Versuche gemacht, den edlen Pfalzgrafen auf die grausamste Art wider euren Vater aufzuhetzen, ihn mit dem gräulichsten Argwohn gegen ihn zu erfüllen; mit Mühe habe ich ihm sein redliches Herz wieder gewonnen; aber wird man in Rom nicht neue Versuche machen, Uneinigkeit zu stiften? und wer wird da den Schaden heilen? – O meine Kinder, es ist hier ein undurchdringliches Gewebe von Kabalen, die Hand, die die Fäden durcheinander schiesst, sehen wir nicht, Gott gebe, dass wir die Folgen der finstern Arbeit nicht fühlen mögen! Wohl euch in eurem Kloster, und wohl mir, wär ich noch Herzogin von Schwaben!

Beatrix an ihre Mutter.

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Recht aufrichtig, meine Mutter, will ich euch auf alles antworten, worum ihr mich befragt, ich kann es um so leichter, da ich es mit Bewilligung und unter den Augen meiner Schwester tue, ich könnte euch ja unmöglich hinter ihrem rücken etwas von ihr sagen, dies wäre wider Schwestertreue, so wie die Versagung meines Gehorsams in diesem Stück, wider Kindespflicht gewesen wär; ich vereinigte diese beiden Dinge, die hier ein wenig zu streiten schienen, dadurch, dass ich ihr euren Brief lesen liess; sie hat, ich weiss es, kein geheimnis vor euch, sie schreibt euch selbst, aber da ich mir das Recht nicht nehmen lassen will, euch selbst die Antwort auf eure fragen zu geben, so hat sie mir lachend erlaubt, euch nur alles von ihr zu sagen, was ich wüsste. – Recht wohl, Elise! alles was ich weiss? – Ei ich könnte wohl etwas von dir wissen, dass du nicht dächtest, wie nun, wenn ich dir eine kleine Schalkheit bewies, und der guten Mutter auch dieses entdeckte?

Wisset also aufs erste, dass bei jener Zusammenkunft mit dem Prinzen von Kastilien, wegen welcher ich uns nicht mehr entschuldigen will, da ihr es selbst tut, meine Schwester Elise der guten Gräfin Alix zum besten wohl hätte zurück bleiben können; aber warum hätte sie es tun sollen? sie erschien bei derselben auf Bitte ihrer Freundin, so wie ich aus Vorwitz. Das Herz der kastilischen Braut ist gegen ihren Bräutigam so kühl, dass sie nicht fürchtet, dass ihr jemand bei ihm Eintrag tun werde, und Elisens Meinung von ihren eigenen Reizen ist so bescheiden, dass sie nicht glaubt, dass sie jemand Eintrag tun könne; aber ich fürchte, sie hat es wider Wissen und Willen hier getan. Die arme Alix, so schön und gut sie ist, stand ganz im Schatten gegen der herrlichen Elise, die selbst ich bewundere, ungeachtet ich ihre Schwester bin.

Der Prinz von Kastilien, der nur Augen für die schöne Freundin seiner Braut zu haben schien, mag indessen für sie in den damaligen Augenblicken gefühlt haben was er will, so versichere ich euch, dass Elise es gar nicht bemerkte, dass wenigstens ihr Nonnenherz ganz kalt dabei blieb. Eins lobte sie an ihm, als wir in der Einsamkeit von ihm sprachen, seine sprechenden Augen und einige andere Züge seines schönen Gesichts; solltet ihr aber wohl glauben, warum? – Weil sie in denselben die auffallendste Aehnlichkeit mit dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach zu finden glaubt. – Ach Mutter! Mutter! hier liegt eben das geheimnis, das ich wider meiner Schwester Wissen und Willen von ihr im Besitz habe, und das ihr wegen der allgemeinen erlaubnis, die sie mir gab, so neben bei auch mit erfahren sollt. Elise würde gewiss, wenn sie an Kunigundens Stelle wär, nicht kalt gegen den Pfalzgrafen sein! – über Kunigundens Gleichgültigkeit wundre ich mich weiter nicht, wusste ich doch schon als Kind, da ich manches erlauschte, was man andern verbarg, dass der nunmehrige päbstliche Nepot, Graf Richard ihr Herz hat!

Wie ihr sehet, so mussten mir aus dem Beispiel meiner Schwestern schon die Lehren einleuchten, die ihr mir gebet. Ja, Mutter, ich will meinen Herzen und meinen Augen gebieten, will