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einen Fall, wie er jetzt durch den Tod des alten Erzbischofs von Maynz geschehen ist, und sah mich schon im Geist einen der ersten geistlichen Fürsten, einige Stufen näher zur dreifachen Krone, welche doch nun einmal, – gesteht es selbst, Guido, – das Kleinod ist, nach dem wir alle mit sehnsucht hinblicken.

Erzbischof Konrad starb, Kaiser Philipp fühlte notwendigkeit und Macht, an seiner statt dem Pabste zum Trotz eine eigene Wahl zu tun. Ich glaubte, der Gewählte zu sein, alle Dinge bestättigten mich in dieser Hoffnung, undich ward übergangen. Ein Lüpold, ein Bischof von Wormbs begleitet die Stelle die, wenn Recht und Dankbarkeit gegolten hätten, mir zugekommen wär. Törichter Philipp, welch eine Stütze hast du dich an mir beraubt! Wird Lüpold das leisten können, was du von mir erwarten konntest? Zittre vor den Folgen deiner Wahl!

Doch dies ist nun vorüber, ich lache der Versprechungen, die man mir von neuem tat, und denke auf andre Mittel zu Rache und Glück. – Guido, ich gestehe es, dass ich, durch schlechte Begegnung aufgebracht, mich vom Pabste mit meinem Herzen zum Kaiser wandte, aber ich kehre zurück. Die römischen Geheimnisse sind mir bei aller Vertraulichkeit gegen Philipp heilig gewesen, ich bringe sie unversehrt in den Schooss der Kirche zurück, noch ist nichts verlohren, und erklärt man sich mir auf eine anständigere und sicherere Art als bisher, so kann ich mich vielleicht anheischig machen, Angaben zu machen, die man zu dem grossen Entzweck, Philippen zu stürzen, würksam finden wird. Ich habe bereits, um meine verneute Treue zu zeigen, einen Anfang gemacht, den nur der, welcher nicht die ganze Sache zu übersehen im stand ist, klein und unbedeutend nennen kann.

Philipp hat an seinem hof einen Mann, den Pfalzgrafen Otto, den man wohl mit recht eine eherne Säule des Kaiserstuhls nennen kann, er soll sein Schwiegersohn werden; und wird es dieser Held mit dem eisernen arme, dieser ächte Deutsche mit der festen unerschütterlichen Rechtschaffenheit, so mögen wir nun alle Anschläge gegen Philipp aufgeben. Sein Feind muss der Pfalzgraf werden, wenn wir ihn stürzen wollen. Seit mein Vorteil mit Philipps Besten nicht mehr ein Ganzes ausmacht, habe ich nachgesonnen, wie man das Herz des Biedermanns von ihm abwendig machen könne, und gefunden, dass nichts, selbst persönliche Beleidigungen nicht, das bei ihm bewürken werden, was Verdacht in Philipps Rechtschaffenheit tun kann.

Der Pfalzgraf ist ein Mann, bei welchem das Herz Gold, der Verstand nur Silber ist, sein Urteil zu täuschen, ihn morgen zu bereden, der, der ihn heute beleidigte, habe ihn eigentlich nicht beleidigt, ist leicht; aber ihn mit dem Beleidiger der Tugend auszusöhnen, ist Unmöglichkeit; dem ersten wird er gern, dem andern nie verzeihen. Dies ist der Mann, den ich Philippen rauben, und damit all mein erlittenes Unrecht rächen will, und höret, wie ich es begonnen habe.

Erzbischof Konrad starb des Todes, den mehrere Greise seiner Art gestorben sind, Kaiser Philipp ist so unschuldig an seinem tod, wie ich an Lüpolds Erhebung zum Erzbistum. Auch hat niemand einen Gedanken, dass er etwas wider seinen alten Lehrer, wider den getan haben könnte, der ihn väterlich liebte. Der Argwohn, den ich zu erregen mir vorgenommen hatte, ist ungeheuer, und doch gelang mir es, ihn in das trugloseste unbewachteste aller deutschen Herzen in das Herz des Wittelsbachers überzutragen. Ich bin sein Beichtiger, seit unserer letzten geistlichen Unterhaltung, glaubt er in Kaiser Philipp einen Mörder zu sehen, sein ganzes Herz empört sich bei seinem Anblicke, und wir können darauf rechnen, dass wenn auch überzeugung von der Falschheit des Argwohns bei ihm endlich unvermeidlich wär, doch der zuerst ausgestreute Saame des Misstrauens in der Folge Früchte tragen wird, die uns eine gute Erndte bringen können.

Sehet, das ist es, was ich bereits für diejenige Macht getan habe, von der ich auf einen Augenblick abtrünnig ward, und zu der ich nun auf ewig wiederkehre. Ich sage euch nur den kleinen Vorteil, den man von mir erwarten kann, die Angabe des grösseren behalte ich zu meiner Sicherheit zurück. Fallen die Bedingungen so aus, wie ich wünsche, so soll man mehr erfahren, so wie ich aus dem mund des Wittelsbachers, der in den Stunden der Andacht ganz heilige unverstellte Offenherzigkeit ist, Dinge erfahren habe, auf die man in Rom nimmermehr raten würde, und deren völlige Kenntniss von einem Nutzen sein müsste, welchen weder wir noch unsere Nachkommen übersehen könnten. – Der Pfalzgraf weiss viel von verborgenen Dingen, deren Mitteilung ich unserm Oberhaupt unter gewissen Bedingungen verspreche, aber er hat in Westphalen einen Freund, dem noch mehr von denselben bekannt ist. Ich habe sorge getragen, dass er herüber gerufen, und mit in unser Netz gezogen werde, gebe der Himmel, dass er nicht scharfsichtiger, behutsamer und weniger andächtig sei, als der Pfalzgraf, fast fürchte ich dieses, da seine Ueberkunft sich so lange verzögert!

Pfalzgraf Otto an den Pabst.

1201.

Zwar pflegt ein deutscher Fürst immer lieber das Schwerd als die Feder zu gebrauchen, doch darf er, wenn es das Wohl des Reichs und der Wille gemeiner Fürsten erfordert, auch den Gebrauch der letzten nicht versäumen. Unglücklicher Weise bin ich unter uns allen derjenige, welcher dieses Werkzeug der Gelehrten mit der meisten Fertigkeit führt, und ich muss mich also zu einer